Antifa

Antifaaktion gegen Islamrassismus

Nachdem in der Nacht zum 22.07.2010 drei der Mahnmale der Kunstinstallation „18 Stiche“, die an den rassistisch motivierten Mord an Marwa el Sherbini erinnern sollen, beschädigt wurden, trafen sich heute ca. 30 Antifaschist_Innen zu einer Spontandemonstration.

Aufgrund des schlechten Wetters und der geringen Anzahl an motivierten Teilnehmer_innen wurde nach gemeinsamer Absprache beschlossen, doch lieber mehrere Kundgebungen an den Mahnmalen, die über das ganze Innenstadtgebiet verteilt sind, abzuhalten.

Die erste Kundgebung fand auf der Prager Straße, der Shoppingmeile Dresdens, statt. Dort wurde ein Transparent entrollt und ein Redebeitrag gehalten. Nun ging es weiter zum Altmarkt. An diesem angekommen wiederholte sich die Szenerie. Der Redebeitrag mit den Themen Alltagsrassismus und politische Situation in Dresden wurde verlesen. Als letzte Station wurde der Theaterplatz gewählt. Ein Ort wo viele Tourist_innen hinkommen um die Semperoper zu bestaunen und ihre Sightseeingtour durch Dresdens Altstadt zu beginnen. Auf allen drei Kundgebungen wurden Flyer mit dem Inhalt des Redebeitrages verteilt.

Auf dem Heimweg kam es noch zu einer skurrilen Situation: Von der Augustusbrücke aus bestaunten sehr viele Menschen ein Kriegsschauspiel. Die Schlacht um die Dresdner Festung wurde dort nachgestellt – ein Abfeiern von Uniformierung, Marschieren und Schlachtgetümmel. Die Themen Militarismus und Faschismus sind gar nicht weit voneinander entfernt – schön, dass dieser Zusammenhang von den Antifaschist_innen auch so wahrgenommen und thematisiert wurde. Nach kurzem Betrachten des Schauspiels und ein paar lauthals geäußerten Bemerkungen über Krieg und die Ekelhaftigkeit dieses Schauspiels wurden kurzerhand die restlichen Flyer, teilweise als Papierflieger (danke, Wind!), von der Brücke den Spielsoldat_Innen runtergeworfen, um auch ihnen die Möglichkeit zu geben, sich mit dem Thema Rassismus auseinanderzusetzen. Die Reaktionen der Verkleideten waren verhalten bis verlachend-abwertend. Einige Aktivist_innen versuchten, den Ablauf der Zeremonie zu stören, indem sie sich unter die Marschierenden mischten und ironisch Gehorsam, Disziplin Krieg/Mord und Kanonendonner hochjubelten bzw. selbst Befehle gaben. Dafür wurden sie von diversen Leuten (Schaulustigen sowie Mitwirkenden) angepöbelt – am Ende ebenso von einem mutmaßlichen Nazi. Dieser verfolgte einige Leute sogar noch bis in die Neustadt, versuchte, sie abzufotografieren und teilte über sein Handy mit: „Ich hab ’se“. Einem anderen Grüppchen erging es ähnlich – die Nazis waren wohl schon bei den Kundgebungen auf die unliebsamen Demonstrierenden aufmerksam geworden.

Die Polizei war während all dieser Aktivitäten nur kurz zu sehen, sie schien sich nicht besonders für uns zu interessieren. Lediglich sollte diese Zeremonie nicht weiter gestört werden, weshalb zwei Menschen von berittenen Polizist_innen von der Straße auf den Bürgersteig bugsiert wurden.

Die geringe Teilnehmer_innenzahl ist enttäuschend – als erfreuliches Ereignis kann jedoch die Teilnahme von mehreren neuen Gesichtern bei der Aktion gewertet werden.

Quelle: Indymedia (24.07.10)

Kommentare

  1. heinz sagt:

    rassismus is was anderes

  2. niclas sagt:

    spontandemo und die teilnehmerzahl ist nicht erfreulich?
    vielleicht würden ja bei einer ankündigung mehr kommen?
    wie kann ich denn so etwas erfahren, wenn ich nicht gerade spontan am hauptbahnhof rumstehe?

    trotzdem ne wichtige aktion, danke!

  3. eule sagt:

    Abgesehen vom inflationären Gebrauch des Begriffes Islamophobie,ist der Begriff des „Islamrassismus“ totaler Quatsch.
    Rassismus möchte bestimmte physische Merkmale, biologistisch aus der geographischen Herkunft bzw. aus sozialen zusammenhängen ableiten.
    Islamophobie hingegen richtet sich gegen eine Religion, also gegen eine Meinung bzw. Einstellung. Wenn man dieser Begriffslogik folgt, würde die nächtliche Ruhestörung vor einem linken Objekt zum „Antifarassismus“.
    Der Mangel an begrifflicher Schärfe zeigte sich zum Teil auch an anderen Stellen in der Bewertung der Tat. Der Täter hätte vermutlich auch eine vietnamesische Familie in sein rassistisches Visir genommen, wären diese statt Marwa und ihrem Kind auf dem Spielplatz gewesen. Es wäre also vorschnell dem Täter explizit islamophobe Motve zu unterstellen.
    Zum anderen wird der Begriff völlig unreflektiert verwendet, sobald es zu einer Kritik am politischen Islam kommt. Das solche Reaktionen aus genau den zu kritisierenden Kreisen kommt, muss nicht weiter verwunderndern oder beunruhigen.
    Dass eine politische Strömung, die mantrahaft von einer „Welt ohne Unterdrückungsverhältnissen“ spricht, sich in großen Teilen eine Kritik an Scharia fans entzieht ist unverständlich.
    Die Parole „Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat!“ gerät da offensichtlich vor dem nächsten Redebeitrag und nach der x-ten Demo in Vergessenheit.Man ruft’s aber trotzdem weil krass klingt und sich reimt.
    Statt dessen wird denen, die eine antimoderne, brutale, menschenfeindliche, religiöse Idiologie kritisieren, der Vorwurf der Isalmophobie gemacht.
    Offensichtlich verortet sich ein Teil der „radikalen Linken“ eher in einem pakistanischen Ausbildungscamp für Dschihadisten, als auf einem Rave am Strand von Tel Aviv.
    Die „radikale Linke“ sollte sich in Zukunft wieder die Religionskritik zu Eigen machen um eine differenzierte Ktitik am politischen Islam zu formulieren und Scharfmachern aus der christlich-fundamentalen Ecke zu begegnen.

  4. Antifa sagt:

    „Zum anderen wird der Begriff völlig unreflektiert verwendet, sobald es zu einer Kritik am politischen Islam kommt.“ War im Fall von Marwa aber nicht wirklich die Ursache und von den SchreiberInnen des Artikels sicher auch nicht beabsichtigt. Ich gehe in soweit mit, dass der politische Islam ohne wenn und aber kritisiert gehört, allerdings sind verbale und körperliche Übergriffe auf Frauen mit Kopftuch leider ein weitaus größeres Problem für den Alltag von Migrantinnen, als der politische Islam. Insofern finde ich es schwierig das im Fall von Marwa jetzt so sehr zum Thema zu machen.

  5. Bernhard sagt:

    @eule:
    Woher kommt Deine Defintion von Rassismus? Ich kenne Rassismus als Diskriminierung gegenüber Menschen aufgrund von Herkunft, Aussehen (Hautfarbe etc.), Religion…

    Ich würde den Teilnehmer_innen dieser Demo eventuell eine Hang zur Substantivierung vorwerfen, den affektiven Vorwurf der Isrealfeindlichkeit (die Frage nach der Verortung wirkt so auf mich) kann ich gerade nicht nachvollziehen.

  6. Informativ sagt:

    Es ist wichtig diese Zustände zu skandalisieren, doch warum nicht mal die Stadt dafür kritisieren, dass vorm Landgericht und dem Rathaus keine Genehmigung erteilt wurde überhaupt so eine Skulptur aufzustellen?

  7. Anne-Marie sagt:

    Rassismus möchte bestimmte physische Merkmale, biologistisch aus der geographischen Herkunft bzw. aus sozialen zusammenhängen ableiten.

    Wo ist dein Problem? Natürlich handelt es sich bei religiösen Gemeinden auch oft um Milieus und soziale Zusammenhänge. Ebenso wird der Islam geographisch verortet, nämlich in den Nahen Osten.

    Es stimmt schon, dass der Rassismusbegriff in den letzten Jahren ziemlich gedehnt wurde, aber dann müsste man auch den Begriff des Rassismus im Zusammenhang mit dem europäischen Grenzregimes und der deutschen Asylpolitik kritisieren. Da ist von den Kriterien allenfalls noch indirekt der geographische Zusammenhang gegeben.

    Der Täter hätte vermutlich auch eine vietnamesische Familie in sein rassistisches Visir genommen, wären diese statt Marwa und ihrem Kind auf dem Spielplatz gewesen. Es wäre also vorschnell dem Täter explizit islamophobe Motve zu unterstellen.

    Hätte, könnte, sollte… Manchmal sollte man sich einfach erst mal informieren, bevor man anfängt daher zu lamentieren.

    Ich lasse da einfach mal den Täter selbst zu Wort kommen:

    „Diese ,Frau‘, die ich angeblich beleidigt habe, trug ein Anzeichen von totaler religiöser und kultureller Unterwerfung von den Männern und dem Satangott, nämlich ein Kopftuch. Damit hatte sie Deutschland, seine Geschichte, seine Kultur und deshalb mich beleidigt. Ist das nicht Wahnsinn, dass eine Frau ihre Haare nicht öffentlich zeigen darf? Es passiert auch unfreiwillig, das ist eine alltägliche, allmähliche, nicht immer sichtbare Zerstörung der Kultur des Landes.“

    http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=me&dig=2010%2F01%2F13%2Fa0112&cHash=67e0665987

    So eine Begründung hätte gegenüber den meisten Vietnamesen wohl eher nicht gepasst.

    Zur Informationspflicht gehört eigentlich auch, dass man sich mal durchliest, was die von dir Kritisierten eigentlich so alles schreiben. Hättest du dir den Redebeitrag des AK Antifa mal durch gelesen, wäre uns wohl viel von deinem ressentimentbehafteten Gewäsch erspart geblieben. Aber Reflex geht natürlich immer einfacher, sonst kann man ja seine üblichen Nullachtfuffzehn-Polemiken nicht loswerden…
    http://dresden1302.noblogs.org/post/2010/07/03/auswertung-bericht-und-fotos-vom-1.-juli-2010-in-dresden-gedenken-an-marwa

    @Informativ
    Ist sicher richtig, abgesehen davon, dass du sicher den Landtag und nicht das Landgericht meinst. Aber die Kritik ist im bürgerlichen Diskurs durchaus vorhanden. Die Sächsische Zeitung hat das auch ganz offen kritisiert. Es ist also nicht so, dass man in dem Fall die Antifa als Stichwortgeber benötigt.

  8. Anne-Marie sagt:

    Mein Beitrag bezieht sich auf den von eule.

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