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Demonstration gegen rechten Terror in Leipzig

Am Samstag demonstrierten erneut über 700 Antifaschistinnen und Antifaschisten gegen das NPD-Büro im Leipziger Stadtteil Lindenau. Unter dem Motto „Nazis entwaffnen: Rechten Terror bekämpfen, ‚Freies Netz‘ zerschlagen“ sollte einmal mehr verdeutlicht werden, dass rechter Terror nicht mit der „Zwickauer Zelle“ begonnen hatte, sondern schon seit Jahrzehnten in der Bundesrepublik präsent ist. An diesem Tag wollte der Führer der größten deutschen Wehrsportgruppe, Karl-Heinz Hoffmann, über sein Leben und Handeln in dem Nazizentrum in der Odermannstraße referieren. Im letzten Moment und wahrscheinlich wegen der anhaltenden Debatten über Rechtsterrorismus und NPD-Verbot wurde die Veranstaltung kurzfristig abgesagt.

Neben der antifaschistischen Demonstration organisierte der Verein „Erich-Zeigner-Haus e.V.“ eine Kundgebung in der Odermannstraße, auf der u.a. der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) einen Redebeitrag hielt. An der Kundgebung beteiligten sich ungefähr 100 Menschen.

Die Kampagne „Fence Off“ organisierte bereits Ende September eine Demonstration gegen das Nazizentrum in Leipzig. Der Forderung nach Schließung des Objektes schlossen sich über 2.000 Menschen an. Vor dem Abgeordnetenbüro eskalierte kurzzeitig die Situation, nachdem mehrere Knallkörper und pyrotechnische Erzeugnisse über den Zaun in den Innenhof geworfen worden waren. Die Polizei nahm daraufhin fünf Personen vorläufig fest.

In dem Objekt in der Odermannstraße 8, welches vom NPD-Landtagsabgeordneten Winfried Petzold angemietet wurde, fanden in der Vergangenheit dutzende Vortragsveranstaltungen, Vernetzungstreffen, Konzerte oder Kampfsporttrainings statt. Sowohl die „Freien Kräfte“ als auch die rechte Hooligangruppierung „Blue Caps“ nutzten das Objekt als Veranstaltungsort. Ende September kündigte der Vermieter einen rechten Tarnverein „Kulturverein Leipzig-West e.V.“ den Mietvertrag. Hinter dem Verein standen vor allem Nazis aus dem Spektrum der so genannten „Freien Kräfte“.

Seit fast genau drei Jahren konnten sich somit Nazistrukturen in der Region verfestigen und überregional vernetzen. Jüngst sorgte eine Veröffentlichung interner Daten des „Freien Netzes“ für Aufsehen, aus denen deutlich wurde, dass Nazis aus den Reihen der NPD über den Reservistenverband der Bundeswehr jahrelang legal an Schußwaffen gelangen konnten. Durch den Druck der Öffentlichkeit im Zuge des Bekanntwerdens der Terrorzelle aus Zwickau hat der Verband schließlich reagiert und mehrere NPD-Mitglieder ausgeschlossen.

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