Antifa

Erinnerung an den 9. November in Dresden

Am 9. November 1938 wurden in ganz Deutschland jüdische Einrichtungen und Geschäfte angegriffen und zerstört. So wurde in der Nacht zum 10. November auch die Semper-Synagoge in Dresden in Brand gesetzt. Der Tag steht wie kaum ein anderer für den Beginn der systematischen Verfolgung und Vernichtung des jüdischen Lebens aus Deutschland. Heute, 73 Jahre später, wurde in Dresden nicht nur der Sächsische Demokratiepreis verliehen, sondern durch eine Vielzahl von Veranstaltungen auch an die Verbrechen der Nazizeit erinnert.

In einer Gedenkveranstaltung am Hasenberg, dem Standort der 1840 von Gottfried Semper entworfenen Synagoge, legten Vertreter der jüdischen Gemeinde und der Stadtpolitik Kränze nieder. In mehreren Wortbeiträgen und dem traditionellen Kaddisch-Gebet wurde an den Tag vor mehr als 70 Jahren erinnert und ein Bezug zum zehnjährigen Jubiläum der am 9. November 2001 eröffneten Neuen Synagoge hergestellt. Vor der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten hatte die jüdische Gemeinde in Dresden rund 5.000 Mitglieder, zu Kriegsende waren es gerade einmal 41. Am 9. November hatten SA-Angehörige die Synagoge in Brand gesetzt, obwohl die Feuerwehr nur das Übergreifen des Feuers auf andere Gebäude verhindern sollte, konnte der Feuerwehrmann Alfred Neugebauer den Davidstern vom Dach der Synagoge retten und bis zum Kriegsende verstecken. Die Kosten der Trümmerbeseitigung musste die jüdische Gemeinde selbst tragen.

Fast zeitgleich hatten am Eingang der Prager Straße Vertreter_innen des Libertären Netzwerkes eine audiovisuelle Kundgebung anlässlich der Reichspogromnacht 1938 organisiert. Dazu war auf einer Plakatwand ein stilisierter Ladeneingang mit antisemitischen Schmierereien zu sehen. Davor lagen auf dem Boden Scherben und eine Rose. Während der 6-stündigen Kundgebung wurden etwa 700 Namen von insgesamt 4.000 durch die Nationalsozialisten ermordeten Dresdner Jüdinnen und Juden verlesen und insgesamt mehr als 1.000 Flyer verteilt. Am frühen Abend versammelten sich noch einmal knapp 50 Menschen auf dem Schlesischen Platz vor dem Neustädter Bahnhof und gedachten mit einer Kundgebung den von diesem Ort in die Konzentrations- und Vernichtungslager deportierten Menschen. Gleichzeitig kritisierten sie auf Flugblättern das offizielle Gedenken, als „staatlich verordnete Erinnerungskultur“, die die Opfer des Nationalsozialismus mit denen der Stalinisten und der DDR-Diktatur gleichsetzt und im Hinblick auf die Bombardierung Dresdens, „deutsche Täter_innen zu Opfern stilisiert“.

Radiobeitrag zu 10 Jahren Neue Synagoge in Dresden: Deutschlandradio Kultur

Kommentare

  1. URA sagt:

    Die Veranstaltung am Eingang der Prager Straße wurde von der Undogmatisch Radikalen Antifa (URA) zusammen mit Vertreter_innen des Libertären Netzwerkes Dresden veranstaltet. Nicht alleine vom Libertären Netzwerk!

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