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Demonstration: 20 Jahre nach den Pogromen von Rostock-Lichtenhagen

Vor 20 Jahren marodierte im Rostocker Stadtteil „Lichtenhagen“ über vier Tage ein Mob aus Nazis und Randalierern vor der zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerberinnen und Asylbewerber in Mecklenburg-Vorpommern und dem Wohnheim „Sonnenblumenhaus“. Über mehrere Tage verfolgten tausende Schaulustige aus den umliegenden Plattenbauten aber auch die anwesende Polizei das Spektakel. Während Menschen vor dem Gebäude begeistert Beifall klatschten, als Brandsätze in das Gebäude geworfen wurden, sah sich die Polizei zunächst außer Stande die Ausschreitungen zu beenden und zog sich zeitweise komplett zurück. Erst als die unteren Etagen brannten, konnten sich die Bewohnerinnen und Bewohner in letzter Minute über das Dach in Sicherheit bringen. Abgesehen von ein paar wenigen Antifaschistinnen und Antifaschisten, die nach einem erfolgreichen Angriff auf die Gruppe der Randalierer von der Polizei festgenommen wurden (Video), war in den Tagen der Angriffe von einem politischem Protest aber auch einer medialen Kritik an den Ausschreitungen kaum etwas zu vernehmen.

Die pogromartigen Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen stellen jedoch keinen Einzelfall dar, spätestens nach den rassistischen Ausschreitungen im sächsischen Hoyerswerda und zahlreichen Nachahmungstaten war deutlich geworden, dass sich das gesamtgesellschaftliche Klima zu Beginn der 90er Jahre immer weiter nach rechts verschoben hatte. Ereignisse wie die von Rostock wurden von den politisch Verantwortlichen jedoch nicht zum Anlass genommen, ein menschenwürdiges Dasein für alle Menschen zu ermöglichen, sondern hatten im Gegenteil eine Verschärfung bestehender Asylregelungen zur Folge. Nur wenige Monate nach den Ereignissen beschloss die damalige schwarz-gelbe Bundesregierung mit den dafür notwendigen Stimmen der SPD am 6. Dezember eine Änderung des Grundgesetzes und setzte damit die faktische Abschaffung des Grundrechts auf Asyl in Deutschland durch.

Um an das Ereignis zu erinnern, wird es ab dieser Woche in der „kosmotique“ auf der Martin-Luther-Straße 13 insgesamt drei Veranstaltungen mit Bezug zum rassistischen Klima zu Beginn der 90er Jahre im wiedervereinigten Deutschland geben. Neben einer Informationsveranstaltung am 9. August zur geplanten bundesweiten Demonstration in Lichtenhagen am 25. August wird in der Woche darauf eine Lesung mit „autobiografischen Geschichten und Originaltönen“ aus der Nachwendezeit stattfinden. Zusätzlich wird am kommenden Dienstag bzw. Mittwoch die Dokumentation „The truth lies in Rostock“ gezeigt werden, die unter Beteiligung der Menschen entstand, welche sich zum Zeitpunkt der Ereignisse im attackierten Wohnheim befanden.

Mobilisierungsvideo zur Demonstration am 25. August:

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