Freiräume

Occupy demonstriert erneut in Dresden

Gestern Nachmittag demonstrierten etwa 150 Menschen in der Dresdner Innenstadt anlässlich eines weltweiten Aktionstages der so genannten Occupy-Bewegung für mehr politische Transparenz und Bürgerbeteiligung, sowie für den Erhalt städtischer Krankenhäuser und einen akzeptablen Bildungsplan für Kinder. Aufgerufen hatte das lokales Bündnis „Echte Demokratie Jetzt!“, welches zu einer ähnlichen Aktion im Herbst vergangenen Jahres bereits mehrere hundert Menschen auf die Straße gebracht hatte.

Mit etwa 150 Menschen blieb die Veranstaltung deutlich kleiner als die vergleichbare Aktion im Oktober, bei der in Deutschland nach Angaben von Attac mehrere zehntausend Menschen auf die Straße gegangen waren. Die Dresdner Demonstration hat aber auch gezeigt, dass es Menschen gibt, die bereit sind, globale Probleme anzuerkennen und für eine Veränderung auf die Straße zu gehen. Dennoch wurde gestern bis auf zwei Redebeiträge zur Zukunft der Städtischen Krankenhäuser und von der Initiative “Schule! Macht? Bildung!” kaum versucht, wirkliche politische Inhalte nach Außen zu vermitteln und eine Kritik an den bestehenden Verhältnissen zu formulieren. Vielmehr wurde auf Plakaten immer wieder auf die vermeintliche Mehrheit von 99% Bezug genommen und damit der Versuch unternommen, die eigene Verantwortung zu negieren und das Problem bewußt zu personalisieren.

Aus diesem Grund wird es am 28. Januar im AZ Conni die Möglichkeit geben, sich tiefgehender über Kapitalismus, Occupy und „Echte Demokratie“ auseinanderzustzen. Schon Anfang Januar hatte es dazu eine Veranstaltung gegeben, in der der Blogger Martin Wassermann über die Hintergründe von Occupy Deutschland berichtet hatte. Wer den interessanten Vortrag verpasst haben sollte, hat bei soundcloud die Möglichkeit, sich ihn erneut anzuhören.

Kommentare

  1. w.m. sagt:

    Mit dem politischen Charakter und der Außenwirkung wars nicht weit her, das stimmt – allerdings, als letztes redete ein Einzelmitglied des Allgemeinen Syndikats Dresden. Zunächst stellte er kurz die kapitalistische Freiheit und die Gründe warum diese nicht zur Befriedigung und wirklichen Handlungsfreiheit führen können, dar. Ebenso distanzierte er sich von der ökonomischen Analyse des Vorredners und dem Begriff „Volk“ aus dem ersten Redebeitrag. Er forderte die Ersetzung des Staates durch Organe der bedürfnisorientierten Selbstorganisation und die gleiche Verteilung der globalen Güter, unabhängig von Status und Leistung. Am Ende forderte er zur Gründung und Beteiligung an Bildungs- und Diskussionsgruppen, selbstverwalteten Medien, Stadtteilinitiativen, Schul- und Betriebsgruppen auf um die Befähigung für kollektives Handeln zu erlangen, sich über Interessen verständigen und diese gegen Staat und Kapital z.B. mittels Streiks und Massendemonstrationen durchsetzen zu können. Der Beitrag schloss mit den Worten „Für die soziale Revolution!“

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