Nazis

Geschichtsunterricht mit der CDU

Während Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) in einem Interview mit der Springer-Zeitung „Die Welt“ die Hoffnung äußern durfte, „dass Sachsen wieder wird, was es vor 1945 war“, wird ein Dresden naher CDU-Stadtverband in seiner Geschichtsauffassung noch etwas deutlicher. In seinem Beitrag zum 8. Mai behauptet Mirko Krawczyk, der Pressesprecher des Stadtverbandes Coswig, dass dieser Tag „für die meisten Menschen in Ost- und Mitteldeutschland kein Tag der Befreiung, kein Tag der Freude oder der Zuversicht“ gewesen sei und verweist dabei auf das „große Leid […] unzähliger deutscher Frauen und Mädchen, die […] von Angehörigen der Roten Armee vergewaltigt wurden“.

Der Pressesprecher, welcher sich bei Facebook zugleich als Anhänger der „Aktion Linkstrend stoppen!“ outet, erinnert in diesem Zusammenhang an die Entnazifizierungsmaßnahmen in dem von der Roten Armee besetzten Teil Deutschlands. So wurden seiner Einschätzung nach durch die sowjetische Armee nicht nur Menschen hingerichtet, die sich „den neuen Machthabern nicht beugen wollten“, sondern darüber hinaus auch „nach Russland zur Zwangsarbeit deportiert“ und in einigen der von den Nazis eingerichteten Konzentrationslagern inhaftiert. Dabei starben in den seit August 1945 weiter genutzten Speziallagern von Sachsenhausen und Buchenwald nach Kriegsende bis zu 20.000 Menschen an den Folgen ihrer schlechten Haftbedingungen.

Screenshot der Homepage des CDU Kreisverbandes Coswig

Das Beispiel macht deutlich, wie sehr in einer jahrzehntelang von der CDU dominierten politischen Landschaft ein historisch so bedeutender Tag wie der 8. Mai zum Anlass genommen wird, um sich als eigentliches Opfer des Zweiten Weltkriegs zu inszenieren. Dies dient nicht nur dazu, die Notwendigkeit einer auf der Potsdamer Konferenz durch die drei alliierten Siegermächte beschlossene Entnazifizierung zu leugnen, sondern ist Teil einer in Sachsen stark verbreiteten totalitaristischen Geschichtsauffassung, die das Ziel verfolgt, die Verbrechen des Nationalsozialismus mit denen der stalinistischen Säuberungen gleichzusetzen.

Es sollte also nicht verwundern, wenn Krawczyk abschließend noch einmal an die eigenen Opfer des Zweiten Weltkriegs und an all jene Menschen erinnert, die vertrieben und „im Widerstand gegen die rote Diktatur oder auf der Flucht vor ihr den Tod fanden“. Die historischen Hintergründe des Zweiten Weltkriegs dienen Teilen der sächsischen CDU offenbar nicht dazu, sich der eigenen Verantwortung bewusst zu sein und die Erinnerung und das Gedenken an die Zeit nationalsozialistischer Barbarei wachzuhalten, sondern sind Teil eines politischen Programms, welches darauf abzielt, in „plumper und kurzsichtiger“ Art und Weise „Geschichtsklitterung“ zu betreiben.

Kommentare

  1. Robin sagt:

    Ich bin so weit entfernt von der CDU wie es nur möglich ist und würde bei solchen Sätzen wohl auch aufhorchen. Das ändert jedoch nichts daran, dass sie, was den 8. Mai angeht, im Grunde Recht haben.

    Man kann, nein, sollte diesen Tag heutzutage feiern, doch das ändert nichts daran, dass den Deutschen im Mai ’45 überhaupt nicht zum Feiern zumute gewesen war. Nachdem Plündern, Brandschatzen und Vergewaltigen jahrtausendelang jedes Kriegsende begleitet hat, konnte wirklich niemand ahnen, dass es in diesem Fall wirklich mal größtenteils zivilisiert abläuft. Das, sowie die Chance auf einen Neuaufbau, haben wir hauptsächlich den Amerikanern zu verdanken. Aber bis sich das abzeichnete, hatte die Bevölkerung einfach nur Todesangst.

    Und einige zurecht. Was sich die Rote Armee unter Stalin geleistet hat, ist ekelerregend und völkerrechtlich absolut nicht zu rechtfertigen. Auch dies ist etwas, was aufgearbeitet werden muss, ohne dass hier Opferzahlen gegeneinander aufgerechnet werden.

    Als angehende Geschichtslehrerin halte ich es für meine Pflicht, meinen Schülern BEIDE Seiten nahe zu bringen. Ich gehe davon aus, dass sie so intelligent sind und nicht von den vielen Vergewaltigungen der Roten Armee eine Brücke schlagen zu der idiotischen Annahme, dass im Dritten Reich „ja nicht alles schlecht war“.

    Diese extrem einseitige Sicht, die mir z.B. die Antifa in der Vergangenheit immer wieder demonstriert hat, halte ich nämlich im Kern für faschistisch.

  2. daweed sagt:

    Typisch CDU, das erinnert doch wieder mal stark an die Extrmismustherie. Das diese Kasper sich immer als Mitte der Gesellschaft darstellen können und alle anderen immer die böhsen Extremen sind, obwohl Sie selbst auch die Rassistischen Denkmuster pflegen, ist schon zu fremdschämen. Aber selbst da gibt es ja noch andere Vetreter der Mitte, wie man an der Abschaffung des Asylrechts vor 20 Jahren sehen kann…

  3. Tjanadann sagt:

    D.I.E. A.N.T.I.F.A. sagt:

    Die Behauptung, daß allein eine Sichtweise faschistisch wäre ist aber ganz schön totalitaristisch. 😉

    Im Ernst: Eine Sichtweise allein kann kaum faschistisch sein. Es kommt immer auch darauf an, mit welchen Mitteln versucht wird, sie anderen aufzuzwingen.

    Und ja: Schade, daß innerhalb der Antifa-Szene übereifrige Kiddies und andere Querschläger so selten dazu angehalten werden, sich mehr zurückzuhalten.

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