Nazis

HDJ und Bündische Jugend – auf Burg Hohnstein

Am Wochenende vom 24. bis 26. Oktober fand auf der Burg Hohnstein in der Sächsischen Schweiz, ein Treffen von mehreren völkisch-neonazistischen Gruppierungen statt. Zum sogenannten »14. überbündischen Burgfest«, reisten statt der ursprünglich geplanten 150, lediglich 120 Teilnehmer an. Neben bekannten Holocaustleugern sowie Geschichtsrevisionisten bestimmten dabei völkische Jugendgruppen das Erscheinungsbild der mittelalterlichen Burganlage.

Zu der Veranstaltung erschienen Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet, Österreich und der Schweiz. Darunter, auch prominente Protagonisten der Neonazi-Szene: Neben dem Schweizer Neonazis Bernhard Schaub, nahm auch der sächsische Landesvorsitzende der Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland (JLO), Kai Pfürstinger an der Veranstaltung teil. Pfürstinger war Anmelder des Neonazi-Großaufmarsches am 16. Februar 2008 in Dresden. Zu der seit mehreren Jahren durchgeführten Veranstaltung, organisiert von der JLO sowie der NPD, erschienen in diesem Jahr rund 5000 Neonazis aus der gesamten Bundesrepublik und dem europäischen Umland.

Auch Bernhard Schaub ist kein unbeschriebenes Blatt. Der seit Jahren, vielgefragte Redner auf neonazistischen Veranstaltungen, zählt zu den bekanntesten Geschichtsrevisionisten in Europa. Darüberhinaus gehörte er zum Vorstand, der am 7. Mai vom Bundesministerium des Inneren (BMI) verbotenen Vereinsorganisation »Collegium Humanum e.V.«, dessen Vereinstätigkeit aus nach Angaben des Ministeriums aus »antisemitischer Propaganda und der Verherrlichung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft« bestand. Angegliedert an das Collegium Humanum« war bis zum Mai 2008 auch der »Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten«. Auch hier gehörte Bernhard Schaub zum Vereinsvorstand. Im Zuge »vereinsrechtlicher Ermittlungen« wurde auch diese Gruppierung durch das BMI verboten. Ein Sprecher des Innenministeriums bezeichnete die beiden Organisationen, in der später veröffentlichten Verbotsbegründung, als »Sammelbecken für Holocaustleugner«.

Die weiteren Teilnehmer des nun stattgefundenen »14.überbündischen Burgfestes« auf Burg Hohnstein im Polenztal, waren vorwiegend Jugendliche und Familien mit ihren Kindern, die beinahe allesamt verschiedenen völkischen und neonazistisch orientierten »Bünden« angehören. Neben Mitglieder der Gruppierungen »Sturmvogel« und des »Freibund e.V.«, waren auch Aktivisten der rassistischen Regligionsgemeinschaft »Bund für Gotterkenntnis – Ludendorffer e.V.« bei der Veranstaltung zugegen. In der Tradition bündischer Jugendverbände sollte beim Burgfest »das gemeinsam Singen und Volkstanz« im Vordergrund stehen. Als Höhepunkt fand ein »Singewettstreit-ritterliche Meisterschaft der Bünde« statt. Nach Angaben von Beobachter_innen dienen die Veranstaltungen in erster Linie der Festigung des politischen Nachwuchses an die völkisch-neonazistischen Szene.

Obgleich die Betreiber der Burg Hohnstein, das »Familienferien- und Häuserwerk der Naturfreunde Deutschlands e.V.« schon im Mai über die politischen Hintergründe der Veranstalter informiert wurden, sahen sie keinen Anlass das Treffen abzusagen. Im Gegenteil, das als »Kleiderparty« irreführend gebuchte Burgfest, fand nicht zum ersten Mal auf Burg Hohnstein statt. Bereits im Jahre 2001 wurde das »überbündische« Treffen auf der Burg im Polenztal durchgeführt.

An den seit Jahren regelmäßig stattfindenden Treffen nahmen in der Vergangenheit auch regelmäßig Mitglieder der »Heimattreuen Deutschen Jugend« (HDJ) teil. Die HDJ hatte zuletzt am 09.10.2008 für Negativschlagzeilen gesorgt: Im Zuge »vereinsrechtlicher Ermittlungen« des Bundesministeriums des Inneren (BMI) durchsuchten Anfang Oktober Einsatzkräfte der Polizei die Wohnobjekte von rund 100 Aktivist_innen und Sympathisannt_innen des Vereins. Mitglieder der HDJ führten in den vergangenen Jahren sogenannte »Rasseschulungen« und paramilitärische Zeltlager durch. Vertreter_innen mehrerer Parteien fordern seit Monaten ein Verbot der Vereinsorganisation.

Im Gegensatz zu anderen völkischen Gruppierungen, traten uniformierte HDJ-Mitglieder beim diesjährigen »Burgfest« nicht in Erscheinung. Neben einem, seit November 2007 vom BMI bestätigten Uniformierungsverbot gegen die HDJ, sollen dabei noch andere Faktoren eine Rolle gespielt haben. Im Verlauf des »12. bündischen Burgfestes« im Jahr 2006 auf Burg Rothenfels, soll es intern zu handfesten Auseinandersetzungen unter den Teilnehmer_innen gekommen. Mitglieder der »Heimattreuen Deutschen Jugend« und des »Freibund e.V.« sollen über die Frage in Konflikt geraten sein, welche der beiden Gruppierungen als »berechtigte Nachfolgeorganisation« des neonazistischen »Bund Heimattreuer Jugend« (BHJ) auftreten dürfe. In den Folgejahr verzichteten Mitglieder der HDJ, wie ebenso während der diesjährigen Zusammenkunft, auf das Tragen ihrer »bündischer Kluften«.

Verbindungen zwischen neonazistischen HDJ und des Überbündischen Burgfestes« treten auch an anderer Stelle ans Tageslicht. Beworben wird die Veranstaltung über eine eigene Internetpräsenz. Als Verantwortlicher tritt dabei ein Hagen Schmöller aus Aachen in Erscheinung. Ein Name, der auch innerhalb der neonazistischen Kaderorganisation der HDJ eine gewisse Bedeutung besitzt. Der Bundesgeschäftsführer der »Heimattreuen Deutschen Jugend« aus dem Jahr 1994 hieß ebenfalls Hagen Schmöller.

Quelle: Recherche Nord (25.10.08)

Kommentare

  1. weißer hirsch sagt:

    von einem 14. „überbündischen“ Burgfesttreffen kann wohl sicher nicht die Rede sein !

    jeder bündische oder überbündische wird sich wohl von diesem völkisch – neonazistischen „Volkstanz“ distanzieren!

    mit bestem gruß
    ein Edelweiß

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