Nazis

Peinliche Show zum 17. Juni

Was sich bereits im Vorfeld abgezeichnet hatte, wurde heute zur Gewissheit. Mit etwa 110 Nazis schaffte die NPD Dresden bei ihrer heutigen Veranstaltung einen neuen Negativrekord. Obwohl die Partei im Zentrum der Stadt dutzende Plakate aufgehangen und mit einer vor der eigentlichen Demonstration geplanten Führung durch den Sächsischen Landtag für die (kostenlose) Teilnahme warb, kamen am frühen Montagabend nur etwa halb so viele Nazis, wie noch vor einem Jahr. Parallel dazu stieg die Zahl der gegen den Aufmarsch protestierenden vor allem jungen Menschen deutlich. Von der vielbeschworenen Zivilgesellschaft in der Stadt war heute allerdings kaum etwas zu sehen. Die Verantwortlichen in der Stadt zogen es vor, mit einer eigenen Veranstaltung im Festsaal der Dreikönigskirche an die Hintergründe der als „Volksaufstand“ bekannt gewordenen Revolte tausender Menschen in der sowjetisch besetzten Zone heute vor 60 Jahren zu erinnern.

Zeitgleich hatten sich bereits vor 18 Uhr mehrere hundert Menschen auf dem Postplatz eingefunden, um an dem mit Hamburger Gittern hermetisch abgeschirmten Mahnmal nicht nur mit guter Musik, sondern auch lautstark gegen Nazis zu protestieren. Die Polizei begleitete nach eigenen Angaben die Versammlungen in der Stadt mit mehr als 900 Beamtinnen und Beamten. Zudem waren in der Ostra-Allee vorsorglich zwei Wasserwerfer und ein Räumpanzer geparkt worden. Während der Einsatzleiter und langjährige Chef des sächsischen SEK, Horst Kretzschmar, feststellte, dass durch die Polizei „fortlaufende Proteste in Hör- und Sichtweite des Aufzuges“ ermöglicht wurden, kam es im Umfeld der rechten Demonstration immer wieder zum Gebrauch von Pfefferspray durch übermotivierte Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten. Obwohl die Proteste auch aus polizeilicher Sicht „friedlich und störungsfrei“ abliefen, war das Verhalten einzelner Beamter an diesem Tag nicht gerade das, was Kretzschmar im Nachgang als „Ausdruck gelebter Demokratie“ bezeichnete.

Knapp zwei Stunden vor Beginn der vom „Dresdner Arbeitskreis 17. Juni 1953“ angemeldeten Nazidemonstration hatte sich an der hiesigen Universität ein vom StuRa der TU angemeldeter Demonstrationszug mit mehr als 300 Menschen in Bewegung gesetzt und war von dort in Richtung der geplanten Route gezogen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Demonstration der NPD starteten um 18.45 Uhr und liefen über die Freiberger Straße, Ammonstraße, Reitbahnstraße und Marienstraße wieder zurück zum Postplatz. Dabei kam es abseits der Demonstration immer wieder zu Protesten von etwa 600 Menschen, die den rechten Aufmarsch die ganze Zeit über begleiteten. Auf Seiten der Nazis waren sehr viele altbekannte Dresdner Nazigrößen beteiligt. So wurden neben Sven Hagendorf, Ronny Thomas, Maik Müller, Sebastian Reiche und Marco Eißler auch nahezu die komplette Führungsriege der NPD-Fraktion im Sächsischen Landtag gesichtet.

Bilder: Naziaufmarsch und Gegenprotest am 17. Juni 2013 in Dresden

Kommentare

  1. Nazihasserin sagt:

    Also aus meiner Sicht, hätte der Protest etwas besser geplant sein müssen, wir waren viel zu unkoordiniert! Doch im gesamten wars gut! Nächstes Jahr machen wir ihren Heulmarsch zum desaster!

  2. der planer sagt:

    ganz einfach…….weder der ura noch den stura die planung überlassen und einfach selbst organisieren……diese deppen versauen jede demo……peinliches gutgläubiges pack

  3. Altstädter sagt:

    Ach was Leute, immerhin waren es dieses Jahr viel mehr Protestierer, als in den Jahren davor. Die Organisation kann also nicht ganz versagt haben. Und das war doch ein geiler Affenzirkus, den man dort bestaunen konnte.

    @ planer: Das Eine schließt das Andere doch nicht aus. Wünschenswert wäre ja sowieso, dass die Leute ohne „Extraeinladung“ zur Nazidemo finden.

  4. mensch sagt:

    @Planer: Na dann machs mal selbst – ist nicht so einfach, wie es aussieht. Und sowas wie ne Ticker-Infrastruktur betreibt sich auch nicht von selbst.

    Und es ist sehr wohl ein Verdienst des StuRa und der Ura und ihrer Mobi, dass dieses Jahr wesentlich mehr Menschen kamen.

    Insgesamt trotzdem ernüchternd, dass sie wieder laufen konnten. Der Postplatz ist ein verdammt offener Platz, man braucht noch einige Menschen mehr, um den komplett in alle Richtungen abzuriegeln…

  5. chabo sagt:

    nächstes jahr wird besser. aber dann mit echten raketenwerfern – nicht nur im video!

    „komm mit molotov zu der nazidemo. jeden tag erster mai block eskalation.“

  6. Antifa aus Sachsen sagt:

    Ich frage mich warum jetzt schon wieder gegen die URA gehetzt wird. Meiner Meinung nach die aktivste Antifa Gruppe in Sachsen, wenn Mensch sich die Seite mal anschaut, und bedenkt das nicht alle Aktionen in einer Stadt unter einem Label laufen.

    Die Demo war wichtig und gut, sie hätte aufgrund der Hitze etwas kürzer sein können. Die Demo stoppte vor ihrerem Ende an der Ecke Marienenstraße Annenstraße… damit wurden zwei mögliche Wege dicht gemacht!!! Außerdem schrieb die URA das Menschen die nicht zur Demo können oder wollen, und trotzdem blockieren möchten, bitte zur Kundgebung Freiberger Straße gehen sollen. Diese war mit zu wenig Protestierenden besucht, und die Bullen, konnten die Kundgebung einfach wegschieben. Damit wurde die Route frei. Was danach läuft ist jeder Bezugsgruppe oder unorganisierten Menschen selbst überlassen. Während der Demo hätten aufjedenfall mehr Informationen kommen sollen, was der Stand auf der Kundgebung Freiber Straße ist. Aber naja…

    „ganz einfach…….weder der ura noch den stura die planung überlassen und einfach selbst organisieren……diese deppen versauen jede demo……peinliches gutgläubiges pack“ …. was für ein unreflektiertes gelaber!!!

    Ich jedenfalls bin gut informiert zur Demo und den Aktionen gegangen, und hatte erstmalig zum 17.Juni das gefühl, das es klappen könnte, die Nazis zu blockieren. Auch die Updates von URA und dem Bündnis über die Naziroute und die Zusammenfassungen aller wichtigen Infos fand ich gut.

    In diesem Sinne. Nächstes Jahr blockieren wir alle 3Naziaufmärsche, in Dresden.!!!

  7. Dr.Martin Focke sagt:

    Ich verstehe nicht Ihren obigen gehässigen Artikel. Am 13.Februar und am 17.Juni Gedenkveranstaltungen abzuhalten ist doch eine gute Sache ! Wenn Sie nicht wissen, was es mit beiden Tagen auf sich hat, so hatten Sie jetzt fast 25 Jahre Zeit und Gelegenheit, sich zu informieren.
    Im Übrigen täte ein wenig mehr Gelassenheit auch ganz gut. Toleranz ist in diesem Lande nicht ausschliesslich „links“ besetzt. Und nebenbei: in einem Land, wo die Kommunisten (noch) im Bundestag und in diversen Landtagen sitzen, sollten Linke wohl doch lieber NICHT eine so „grosse Klappe“ haben…..Jeden Nicht-Linken als „Nazi“ zu beschimpfen zeugt von wenig Demokratieverständnis, was man in 25 Jahren AUCH hätte lernen können, nicht wahr ?

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