Nazis

Ungebetene Trauergäste auf dem Weißiger Friedhof

Von Dirk Wurzel

Die geschändeten Gräber sind wieder in Ordnung gebracht. Der Pfarrer sorgt sich jetzt über braune Pilger zum Kriegerdenkmal.

Nach den Schwarzen suchen nun die Braunen den Weißiger Friedhof heim. Im Oktober vergangenen Jahres hatten vermutlich Satanisten Grabsteine umgeworfen und Holzkreuze umgedreht in den Boden gerammt. Schaden: 7000 Euro (die SZ berichtete).

Mittlerweile haben die Pächter ihre Gräber wieder in Ordnung gebracht. Aber die Polizei tappt immer noch im Dunkeln und sucht nach Tatzeugen, wie Sprecherin Jana Ulbricht mitteilt. Dazu gibt es jetzt ein weiteres Problem auf dem Friedhof. „Zum Volkstrauertag legten NPD-Mitglieder vor dem Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs einen Kranz nieder“, sagt Pfarrer Michael Lehmann. „Wir dürfen diesen Vorfall nicht verschweigen und werden zeigen, dass wir als Eigentümer so etwas nicht dulden“, sagt der Pfarrer resolut. Er weiß aber auch, dass er sich auf dünnem Eis bewegt. Die NPD ist zurzeit eine legale Partei. Deswegen lassen sich rechtlich derartige Treffen schwer verbieten. Im Mai des vergangenen Jahres hat sich ein Ortsverband der NPD mit 15 Mitgliedern im Schönfelder Hochland gegründet, wie der NPD-Kreisvorsitzende Jens Baur gegenüber der SZ erklärte. Er bestätigte auch die Aktion am Volkstrauertag. Um weitere Kranzniederlegungen zu verhindern, berät Beatrice Teichmann den Weißiger Pfarrer. Sie verwaltet die Johannis-, Trinitatis- und Eliasfriedhöfe und weiß, welche Möglichkeiten es gibt, weitere Treffen zu verhindern. „Zum Beispiel lassen sich diese mit strengen Auflagen erschweren“, sagt sie. „Keine Fahnen, keine politischen Bekenntnisse, und die Reden müssen vorher abgesegnet werden.“ Hilfreich sei auch die Kirchen-Bürokratie. Feiern auf Friedhöfen müssen von den Hausherren genehmigt werden.

Quelle: Sächsische Zeitung (06.01.09)

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