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14.02.2009 Dresden: Großaufmarsch der Geschichtsrevisionisten (mit Bildern)

Am späten Nachmittag ging in Dresden der alljährliche Großaufmarsch von Neonazis anlässlich des Jahrestags der Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg zu Ende. Mit etwa 6.500 Teilnehmer_Innen liegt die Zahl etwas unter den prognostierten Erwartungen zurück. Die Rede war im Vorfeld von bis zu 8.000 Neonazis gewesen, deren Kommen erwartet wurde.

Die Teilnehmer stammten aus dem gesamten Bundesgebiet, reisten aber auch aus Österreich, Spanien, Schweden, der Schweiz, Slowakei, Dänemark, Tschechien und anderen europäischen Ländern an. Ebenfalls anwesend waren Führungskader der NPD, wie der Bundesvorsitzende Udo Voigt, Andreas Mohlau, Udo Pasteurs u.a.m. sowie zahlreiche militante Neonazis aus dem Spektrum der parteiungebundenen „Freien Kräfte“. Zu den Teilnehmer_Innen sprachen neben dem Sächsischen NPD-Fraktionsvorsitzenden Holger Apfel unter anderem Hajo Herrmann. Der 96jährige ehemalige Angehöriger der Luftwaffe ist eine Kultfigur für die neonazistische Szene. Als Angehöriger der „Erlebnisgeneration“ geniesst er eine sehr hohe Akzeptanz in der Szene. Außerdem sprachen Enrique Valls für die spanische „Alianza Nacional“, ein slowakischer Neonazi und der DVU-Vorsitzende Matthias Faust.
Der Ordnerdienst der Demonstration wurde gestellt von Dresdner Neonazis aus dem Spektrum der parteiungebundenen „Freien Kräfte“ und Angehörigen und Sympathisanten der neonazistischen „Heimattreue Deutsche Jugend e.V.“ (HDJ) sowie weiteren Neonazis.
Auf mehreren Transparenten wurden antisemitische und die Shoa verharmlosende Parolen gezeigt. Gleich mehrfach war die Rede vom „alliierten Bombenholocaust“. Auf einem Transparent „Freier Nationalisten Rhein/Rahe“ stand in Anlehnung an die nationalsozialistische Parole „Die Juden sind unser Unglück“ „Die USA sind unser Unglück“.

Trotzdem mehrere Tausend Gegendemonstrant_Innen zeitgleich in Dresden gegen den Neonazi-Aufmarsch demonstrierten, konnte der Aufmarsch weitgehend ungestört verlaufen.
Zu Beginn kam es zu einem versuchten Angriff auf Antifaschist_Innen am Hauptbahnhof Dresden. Die Polizei konnte eine direkte Konfrontation verhindern, stattdessen griffen die Neonazis dann einige Journalisten an.
Mit großer Härte ging die Polizei gegen die etwa 2.500 Teilnehmer_Innen einer antifaschistischen Demonstration vor. Unter dem Motto „no pasaran“ wollten diese versuchen, den Neonazi-Aufmarsch zu stoppen. Es kam zu etwa 100 vorläufigen Festnahmen und mehrere Menschen wurden durch den Polizeieinsatz verletzt.

Die Polizei ist mit einem Großaufgebot von offiziell etwa 3.500 Polizisten im Einsatz gewesen. Inoffiziellen Angaben zufolge waren es sogar 5.500 Polizisten.

Der Aufmarsch wird jedes Jahr durch die „Junge Landsmannschaft Ostdeutschland e.V.“ (JLO) in enger Kooperation mit der NPD durchgeführt. Aus diesem Grund und der Fokussierung auf einen „Großaufmarsch“ steht er szeneintern immer wieder in Kritik. Die Kritiker um das „Aktionsbündnis gegen das Vergessen“ führen daher seit 2007 zusätzlich einen Aufmarsch direkt am 13. Februar durch. Es könne zum 13. Februar ausschliesslich das „Gedenken an die deutschen Opfer“ im Mittelpunkt stehen, nicht aber die Frage nach der Teilnehmerzahl oder (partei-)politischen Interessen-so ihre Sichtweise. Dahinter steckt nicht zuletzt auch die übliche Reibungshitze zwischen parteigebundenen und -ungebundenen Neonazis.

Quelle: Recherche Ost (15.02.09)

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