News | Soziales

Allein unter Obdachlosen

Wer zum Abschluss des Jahres noch einmal Lust verspürt, hinter die Fassade der Glitzerwelt zu schauen und etwas Zeit mitbringt, dem/der sei die folgende Reportage über Obdachlosigkeit in Deutschland ans Herz gelegt. Der erfolgreiche Buchautor und Journalist Günter Wallraff war für die Dreharbeiten mehrere Wochen im Westen der Republik als Obdachloser unterwegs und dokumentierte mit versteckter Kamera den Umgang mit Menschen am Rand unserer Gesellschaft. Er zeigt die miserablen Zustände der Notunterkünfte in den für Obdachlose besonders schwierigen Wintermonaten, aber auch die fehlende qualifizierte Betreuung der Menschen, die oft von einem Tag auf den anderen in ihre ausweglose Situation gekommen sind und keine Möglichkeit mehr sehen, wieder am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

In Dresden gibt es nach Schätzungen der Diakonie zwischen 300 und 350 Menschen, die von Obdachlosigkeit betroffen sind. Die Zahl ist seit Jahren konstant. In den kalten Wintermonaten von November bis März und täglich von 20 Uhr bis 7 Uhr bietet das diakonische Werk die Möglichkeit, in so genannten Nachtcafés Dresdner Kirchengemeinden zu übernachten. Sprachrohr ist die monatlich erscheinende Dresdner Straßenzeitung „DrObs“, die von den Betroffenen auf der Straße verkauft wird.

Fehlende Akzeptanz gegenüber Obdachlosen war auch in den vergangenen Jahren in Dresden ein Problem. Vor sechs Jahren hatten Unbekannte im Hechtviertel die Scheiben einer geplanten Notunterkunft für Obdachlose eingeworfen. Kurz zuvor war das Vorhaben der Diakonie von Ortsbeiratsmitglied Holger Mueller (Die Grünen) kritisiert worden. Im Dresdner Stadtrat setzt sich seit mehreren Jahren eine außerparlamentarische Arbeitsgruppe mit dem Problem Wohnungslosigkeit auseinander und sucht nach Lösungsansätzen. Einer kommunalen Bürgerumfrage 2005 zufolge, können von insgesamt 264.700 Haushalten in Dresden 39.700 Haushalte (15%) als einkommensschwach bezeichnet werden.

„Unter Null“ Günter Wallraff „macht Platte“ – Wie Obdachlose leben!:

Die Dokumentation ist Bestandteil seines seit Ende Oktober in ausgewählten Programmkinos kontrovers diskutierten neuen Films „Schwarz auf weiss“.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *