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Dresden: Antifaschistische Demonstration zum 9.11.

Auch in Dresden fand heute Abend eine antifaschistische Demonstration zur Erinnerung an die Novemberpogrome in Deutschland 1938 statt. Ein weiterer kurzfristiger Anlass waren die antisemitischen Schmierereien an der Synagoge vom Wochenende. Etwa 150 Menschen folgten dem Aufruf bzw. teilten das Anliegen von AK Antifa Dresden.

Nach einem Eröffnungsredebeitrag in dem auf den Ablauf des 9. November in Deutschland, als eines der ersten und deutlichsten Vorzeichen auf das Bevorstehende, eingegangen wurde, formierte sich der Demonstrationszug und man ging vom Rathaus zur Dresdner Synagoge. Dort wurden in einer Rede die Geschehnisse am 9.11. 1938 in Dresden erläutert. An diesem Tag wurden erst auf der Prager Straße von SA und SS-Leuten die jüdischen Geschäfte verwüstet, bevor der Mob zur von Gottfried Semper erbauten Synagoge zog und diese in Brand setzte. Die eintreffenden 40 Feuerwehrleute wurden daran gehindert den Brand zu löschen, und durften nur dafür sorgen, dass umstehende Gebäude vom Brand nicht in Mitleidenschaft gezogen wurden. Lediglich ein Davidstern konnte von einem der Feuerwehrmänner gerettet werden und wurde nach 1945 der jüdischen Gemeinde zurück gegeben. Noch lange Zeit nach der militärischen Niederlage NS-Deutschlands hatte die verbliebene jüdische Gemeinde in Dresden kein eigenes Gotteshaus mehr. Nach 1990 begann in Dresden dann die Diskussion um den Wiederaufbau der Frauenkirche, schnell wurden aber auch Stimmen laut, dass man nicht die Frauenkirche wieder einfach so aufbauen kann, wenn noch nicht mal die Synagoge wieder steht. Und so wurde mit Hilfe vieler Spenden am 9. November 2001 die neue Synagoge eröffnet. Gleich die Eröffnungsveranstaltung wurde jedoch von Nazis versucht zu stören, die dann zuerst von Antifas abgefangen werden konnten. Noch im November wurde die Synagoge das erste Mal mit Hakenkreuzen beschmiert, dem noch einige weitere Schmierereien folgten. Erst durch als ein Wachdienst eingesetzt wurde, nahm die Zahl der Schmiererein ab. In der Nacht vom 7. zum 8. November dieses Jahr tauchten dennoch erneute antisemitische Schmierereien auf, die offensichtlich nicht von Nazis stammen, und deutlich machen, dass Antisemitismus auch außerhalb der Naziszene ein Problem in Dresden ist.

Die Demonstration zog dann relativ zügig zum Abschlusskundgebungsort am Bahnhof Neustadt. Wo in einem letzten Redebeitrag die Rolle des Bahnhofs und der Reichsbahn im Rahmen der Deportation von Jüdinnen und Juden in die Vernichtungslager erläutert wurde.

Die Anzahl der Teilnehmer bewegte sich im Rahmen für die relativ kurzfristige Mobilisierung im Rahmen der Erwartungen für Dresdner Verhältnisse und dem OrganisatorInnen der Demonstration merkte man den Organisationsstress von der Aktionskonferenz vom letzten Wochenende an. Der Ablauf war diesmal nicht so flüssig wie sonst und aufgrund technischer Probleme gab es zwischen den Kundgebungen leider kaum Durchsagen von der Moderation, wobei das Anliegen an dem Tag fast selbsterklärend ist, und auch die ersten Reihen machten deutlich worum es ging. Vielen Dank an das Orgateam, es ist keine Selbstverständlichkeit nach so einem arbeitsreichen Wochenende noch eine Demonstration zu stemmen. Natürlich auch vielen Dank an alle die da waren.

Die Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz von der CDU hatte angesichts der Ereignisse nichts besseres zu tun, als die Dresdner dazu aufzufordern gegen Rechts- und Linksextremismus gleichermaßen geschlossen vorzugehen und wollte sich so anscheinend als Vorkämpferin für Demokratie profilieren, zeigt damit aber nur, dass sie eigentlich gar nichts verstanden hat.

Quelle: Indymedia (09.11.09)

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