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Dresden: Stille Besetzung aufgelöst, Bewohner_innen auf der Straße

Heute Mittag auf der Bautzner Straße 99 in Dresden, mehrere Bauarbeiter_innen tragen Möbel aus dem Haus, welches vielen als „Burg Rattenstein“ bekannt war. Grund für die Räumung ist vermutlich ein Eigentumswechsel, denn die Immobilie gehört seit kurzem der „RICHERT & OERTEL GMBH & CO. KG“, eine Firma die sich vor allem auf die Vermittlung von Villen und Wohnanlagen in Dresden und Berlin spezialisiert hat. Zuletzt stand die seit mindestens 10 Jahren ungenutzte Villa für über 350.000 Euro zum Verkauf.

Das Gebäude war seit einer temporär-öffentlichen Besetzung im Juni von mehreren Menschen „still“ (d.h. heimlich) besetzt worden. Die marode Villa war in dieser Zeit Stück für Stück von Müll und Bauschutt befreit worden und es wurden Reparaturen an Dach und Fenstern vorgenommen. Mehrere Menschen bewohnten das Haus dauerhaft, während andere das Gebäude als Rückzugsraum und Treffpunkt nutzten.

Vor 3 Wochen kam, wie auch in vielen anderen leerstehenden Häusern Dresdens, eine Polizeistreife vorbei und verwies die sonst obdachlosen Bewohner_innen aus ihrem Zuhause. Einen Tag später traf eine weitere Streife die Bewohner_innen erneut im Haus und kündigte für den Fall einer dritten Begegnung eine Hausfriedensbruchsklage an. Daraufhin verließen die festen Besetzer_innen das Haus, welches allerdings weiterhin als Treffpunkt verwendet wurde.

Es ist erschreckend, dass gerade zu Beginn der kalten Jahreszeit Wohnungslose von der Polizei auf die Straße geschickt werden, vor allem da mit 600 offiziell Wohnungslosen Menschen (Zahlen nach der Sächsischen Zeitung im Februar diesen Jahres, Streetworker schätzen die Dunkelziffer annähernd doppelt so hoch) die Anlaufstellen ohne solche selbstorganisierten Unterkünfte völlig überlastet wären. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Obdachlosenheime in Dresden nur Nachtquatiere anbieten und keinerlei Privatsphäre ermöglichen. Ärgerlich ist ebenso, dass damit wieder einmal ein unkommerzieller Treffpunkt verschwunden ist.

Es bleibt zu hoffen, dass sich weiterhin engagierte Menschen zusammen tun und gemeinsam den immer kälteren Temperaturen und den harten Bedingungen für Leute ohne Geld die Stirn bieten. Auch bleibt zu hoffen, dass die Stadt endlich den Forderungen nach billigen, soziokulturellen Wohn- und Projektflächen nachgibt.

Quelle: anarchiadd.blogsport.de (12.10.09)

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