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Freispruch für Hooligans

Vor mehr als zwei Jahren kam es vor der Eingangstür der inzwischen geschlossenen Großraumdiskothek „Dance Factory“ auf der Bautzner Straße zum Übergriff von einigen rechten Hooligans auf zwei 21jährige sudanesische Studenten, die zuvor von den Türstehern der Diskothek rausgeworfen worden waren. Dabei wurden die beiden Studenten und ein 20jähriger, der den Angegriffenen helfen wollte, verletzt. „Ob wir es mit einem rechtsextremistischen Hintergrund zu tun haben, wird sich zeigen.“ äußerte sich Polizeisprecher Thomas Herbst damals bereits einen Tag nach den Übergriffen.

Etwa 80-100 Sympathisanten und Mitglieder der Dresdner Hooliganszene hatten sich zuvor in Acki’s Sportsbar auf einer Weihnachtsfeier betrunken. Später waren dann knapp 30 von ihnen unter den Augen eingesetzter Zivilbeamter mit der Straßenbahn zum eigentlichen Ort des Geschehens gefahren. Wenige Monate später war Acki’s Sportsbar zum wiederholten Mal Ausgangspunkt für die rassistischen Übergriffe im Anschluss an das EM-Halbfinale zwischen Deutschland und der Türkei gewesen. Die Tat hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt. Im Zuge der Ermittlungen gegen die Täter waren im vergangenen Dezember mehr als 50 Wohnungen, Geschäftsräume und Autos von Mitgliedern der Dresdner Hooligangruppierung Elbflorenz von der Polizei durchsucht worden. Insgesamt 12 Personen wurden vorläufig festgenommen, von denen vier mittlerweile wieder auf freiem Fuß sind.

Das Verfahren gegen zwei Beschuldigte endete in dieser Woche nach mehr als zwei Jahren Verfahrensdauer wie in Dresden mittlerweile üblich mit Freisprüchen. Damit steht nach mehr als zwei Jahren Ungewissheit für die Betroffenen fest, dass sich auch in Zukunft keiner der rassistischen Schläger von damals für die Übergriffe vor Gericht verantworten wird. Der Anwalt eines der beiden Angeklagten und ehemalige Präsident von Dynamo Dresden, Endrik Wilhelm, nannte das Verhalten der Polizei am Tatabend einen Skandal. Die Gruppe war nach Angaben Wilhelms bereits den ganzen Abend über von der Polizei observiert worden. Auch die zuständige Richterin sprach von skandalösen Umständen. Zwei Polizisten sollen nach Aussagen der beiden Geschädigten die Scheibe ihres Streifenwagens hochgekurbelt haben und losgefahren sein, als sie um Hilfe gebeten hatten.

Der Staatsanwalt kündigte nach den beiden übereinstimmenden Aussagen mehr als zwei Jahre nach der Tat Ermittlungen gegen die zum Tatzeitpunkt eingesetzten Beamten an. Bleibt nur die Frage zu klären, wieso die Dresdner Staatsanwaltschaft mehr als zwei Jahre braucht, um die Ermittlungen gegen die beiden Polizisten wegen unterlassener Hilfeleistung anzustoßen. Ob fehlender öffentlicher Druck oder mangelnde Bereitschaft auch mal das Fehlverhalten der Polizei zur Anzeige zu bringen, wir wissen es nicht. Aber irgendwie passt es auch; wie so oft in der letzten Zeit.

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