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Gedenken an Jorge Gomondai

In der Nacht zum Ostersonntag 1991 stieg der 28jährige Jorge Gomondai in eine Straßenbahn am Albertplatz. Im letzten Waggon wurde der Mosambikaner von einer 14 köpfigen Gruppe rassistisch beschimpft. Wenig später fand die Fahrerin den Mosambikaner nur 150 Meter nach der Haltestelle blutend neben der geöffneten Tür. Nicht einmal eine Woche später erlag er am 6. April 1991 seinen schweren Verletzungen in einem Dresdner Krankenhaus.

Im Prozess mehr als zwei Jahre nach der Tat wurden im Oktober 1993 zwei der Angeklagten zu Bewährungsstrafen verurteilt, ein dritter Angeklagter erhielt eine Jugendstrafe von zweieinhalb Jahren. Die Ermittlungen gegen die anderen an der Tat beteiligten Personen wurden eingestellt. Das Verfahren war wie so oft in solchen Fällen von mangelhafter Ermittlungsarbeit durch die Polizei gekennzeichnet. Neben der unzureichenden Spurensicherung und fehlenden Personenbefragungen direkt am Tatort, wurde ein Videofilm der späteren Täter ohne Auswertung gelöscht. Während des Prozesses versuchten immer wieder Anhänger der rechten Szene den Verlauf zu stören.

Mehr als 200 Menschen beteiligten sich am Montag an der Kundgebung in Gedenken an eines der ersten Opfer rassistischer Gewalt im wiedervereinigten Deutschland. Im Anschluss an die offizielle Gedenkveranstaltung fand eine Demonstration unter dem Motto „Von Jorge zu Marwa…? Rassismus ist immer noch tödlich! Jetzt ist Schluss!“ statt. Ziel der Demonstration war das Dresdner Landgericht am Sachsenplatz, wo im Juli des vergangenen Jahres die schwangere Ägypterin Marwa El-Sherbini von Alex W. niedergestochen wurde und noch im Gerichtssaal starb. In verschiedenen Redebeiträgen vor dem Gericht wurde daran erinnert, wie aktuell das Thema Rassismus in Dresden auch Jahre nach dem Tod von Jorge Gomondai ist und mit welchen Problemen die wenigen Zuwanderer im Alltag in der sich nach Außen offen gebenden Landeshauptstadt konfrontiert werden.

Nach einem Stadtratsbeschluss wurde der bis dahin namenlose Platz in unmittelbarer Nähe zum Tatort 2006 nach Jorge Gomondai benannt. Ein Jahr später wurde er im Beisein der Mutter und eines Bruders von Gomondai sowie des mosambikanischen Botschafters offiziell eingeweiht. Heute erinnert ein Gedenkstein an die Tat vor 19 Jahren.

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