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Nachttanzdemo 2. Teil am 19. September

NachttanzdemoNach der sehr gelungenen ersten Aktion im Frühjahr, wird es Ende September eine Neuauflage der Nachttanzdemonstration geben. Der Treffpunkt ist wie schon im Mai um 20.30 Uhr am Albertplatz. Neben eines Jingles haben die OrganisatorInnen auch eine Chronik der Dresdner Freiraumaktionen 2009 als lesenswertes *.pdf zur Verfügung gestellt. Euch erwarten am 19. September bei hoffentlich schönem Spätsommerwetter mehrere Wägen mit Musik und verschiedene Redebeiträgen.

Dazu hier der Aufruf:

Her mit dem freien, schönen Leben!

Menschen die heutzutage alternativ und selbstbestimmt leben wollen haben es nicht leicht. Immer mehr besetzte Häuser, Wohnprojekte und alternative Zentren fallen weg, wie zuletzt geschehen in Münster, Magdeburg, Erfurt oder bei der äußerst brutalen Räumung des langjährig besetzten Hauses in Prag. Auch in Dresden wurde im März diesen Jahres die Besetzung der Hechtstraße 7 noch am selben Tag geräumt. Alternative und unkommerziellen Projekte erhalten immer wieder kaum erfüllbare Auflagen und werden in Abhängkeit gehalten, so das sie ständig um ihr bestehen fürchten müssen. Auch unangemeldete Parties in verlassenen Industriegeländen werden immer wieder kriminalisiert.

Trotzdem führen wir den Kampf um freie Projekte weiter fort, denn gerade in diesen kann Neues entstehen und sich weitestgehend losgelöst von Gewinnorientierung oder Beeinflussung offizieller Institutionen entwickeln. Freiräume sind Orte, die Schutz bieten sollen vor rassistischen und sexistischen Anmachen und Übergiffen, Plätze um sich und seine Kunst, andere Lebensentwürfe und letztlich auch Alternativen zu derzeit herrschenden Machtverhältnissen zu verwirklichen.

Natürlich können Freiräume auf der Suche nach Alternativen zum derzeit Bestehenden nur Inseln bilden. Diese Inseln sind jedoch wichtig um ansatzweise im solidarischen Miteinander leben und sich selbst und seine Ideen immer wieder neu ausprobieren zu können. Dabei wird deutlich, dass sie trotzdem immer ein Teil des Systems selbst bleiben, da es derzeit noch nicht möglich ist, vollkommen unabhängig von bestehenden Strukturen und Normen zu leben. Somit sind solche Freiräume nicht unser endgültiges Ziel, sondern nur ein Schritt auf dem langen Weg zu einer Gesellschaft, die materiellen Reichtum, soziale Sicherheit und individuelle Freiheit für alle Menschen ermöglicht.

Doch kapitalistische Raumnutzungskonzepte lassen sich mit diesen Bestrebungen kaum in Einklang bringen. In ihnen geht es darum möglichst viel Gewinn zu erwirtschaften. Damit ist eng verknüpft, das auf die Interessen von ’strukturschwachen‘ Bevölkerungsteilen keine Rücksicht genommen werden kann, da sie nicht soviel Profit versprechen. Menschen werden unterdrückt und in ihrer persönliche Freiheit – zum Beispiel da zu wohnen, wo sie schon immer wohnten und wohnen bleiben wollen – allein durch ihr fehlendes Vermögen eingeschränkt. Gegen eine Gesellschaftsform, die so etwas produziert, muss sich zur Wehr gesetzt werden. Aus diesem Grund wollen wir Menschen ein anderes Leben zeigen und sie zum Ausbrechen bewegen. Ein organisiertes Zusammenleben auch ohne Geld, Herrschaft und ständige Konkurrenz ist möglich. In diesem Zusammenhang ist es jedoch auch wichtig zu bemerken, das dieses System in seiner Gesamtheit anzugreifen ist und nicht nur dessen Symptome. Das Problem sind nicht die Menschen, die versuchen im Kapitalismus zurecht zu kommen, sondern der Kapitalismus selbst. Der Latte Macchiato schlürfende Yuppie, der neu in das Szeneviertel zieht, ist nicht der Feind, nach dessen Verschwinden alles wieder „so wie früher“ wird, sondern ein Teil der Marktlogik, wie wir auch.

Die Legitimation unserer Freiraumkämpfe ist nicht aus der Luft gegriffen; Unsere kämpfe für eine utopische Gesellschaft sind nicht weniger unrealistisch als die früheren Kämpfe gegen die Monarchie zu gunsten der Demokratie. Nun wird es Zeit weiter zu denken, die Erde noch lebenswerter zu gestalten – dabei bleibt die Forderung nach Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit – nur das sie konsequenter gestellt wird. Im großen, wie im kleinen haben anarchistische und emanzipatorische Gedanken diese Gesellschaft bereits geprägt, sei es mit dem (immernoch nicht abgschlossen) Kampf um die Gleichberechtigung von weiblichen und transsexuellen Menschen, sei es bei der Gestaltung von Vierteln und Städten und vielen anderen Beispielen. Am Beispiel der Dresdner Neustadt wird es gut deutlich: Was alternative, künstlerische und politisch oft links oder libertär orientierte Menschen geschaffen haben wird von der Stadt und vielen Unternehmer_innen beworben und vermarktet. Gleichzeitig werden selbige Menschen aus den von ihnen geprägten Stadtvierteln bewusst vertrieben, politisch unterdrückt und kriminalisiert.

Wir haben nicht vor, zu warten bis Eigentümer_innen, Stadt- und Landesregierungen auch die letzten Projekte zerstört haben. Wir wollen die Öffentlichkeit auf unsere Ideen, unsere Gegenkultur und unsere Lebensweise aufmerksam machen. Wir fordern Häuser und Plätze um unsere Projekte unabhängig weiterentwickeln zu können. Wir lassen uns nicht mehr vertrösten oder mit halbherzigen Duldungsverträgen abspeisen und uns nicht den Weg in eine bessere Zukunft verbauen.

Kommt deswegen am 19. 9. 2009 20:30 Uhr auf den Albertplatz zur Nachttanzdemo für alternative Freiräume. Wir wollen zusammen auf die Straße gehen, zu guter Musik tanzen und feiern, da ein lautstarker Protest für Freiräume nötig ist. Dabei soll es sich jedoch nicht um eine reine Tanzveranstaltung handeln, sondern selbst um einen temporären Freiraum, in dem Menschen sowohl ihren Protest äußern als auch Spaß haben können – auch ohne Geld oder Angst vor dummer Anmache wegen Ihrer Sexualität oder Äußerem. Deswegen werden wir auf der Demo keine rassistischen, sexistischen oder antisemitischen Inhalte oder Taten dulden. Auch soll dies kein Platz für die Bewerbung kommerzieller Projekte oder Parteien sein. Ein Freiraum soll für alle Menschen da sein die ihn brauchen, und nicht für die, die ihn sich leisten können.

Her mit dem schönen Leben!
Wir sehen uns auf der Demo!

AK Freiraum / Libertäres Netzwerk Dresden

Quelle: anarchiadd.blogsport.de (05.09.09)

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