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Provinzjournalismus made in Dresden

Wenn es das alljährliche kollektive Opferspektakel in Dresden nicht geben würde, es müsste glatt erfunden werden. Die Ursache für den mittlerweile größten Naziaufmarsch Europas liegt nicht nur an der mangelnden Bereitschaft in der Stadt, sich mit Geschichte und Mythen auseinanderzusetzen, sondern auch an „Journalisten“ denen jegliches Gespür von inhaltlicher Tiefe abhanden gekommen ist. Während vor Jahren noch Holocaust Leugner David Irving abgefeiert wurde, so bestimmten in den Folgejahren vor allem subjektiv gefärbte Leserbriefe über Tiefflieger an der Elbe die lokale Berichterstattung über die Ereignisse im Februar 1945. Auch nach den Ergebnissen der Historikerkommission über die tatsächlichen Opferzahlen sieht sich die Stadt mit einem scheinbar unlösbaren Naziproblem konfrontiert ohne dabei auf die Idee zu kommen, das eigene Handeln an dem Tag auch nur im Ansatz kritisch zu hinterfragen.

Ein Beispiel mit welchen totalitären und extremismustheoretischen Vergleichen dabei gearbeitet wird, zeigt ein aktuelles Beispiel in der SPD nahen Sächsischen Zeitung. Fast, so scheint es, sind nicht die Nazis das Problem, sondern vielmehr „Linksautonome“, „Antideutsche“ oder ganz einfach „linke Demokratiefeinde“, die es sich zum Ziel gesetzt haben, den größten Naziaufmarsch Europas wenn nicht zu verhindern, dann wenigstens zu stören. „Noch sind sie friedlich“ schwadroniert SZ-Kulturredakteur Oliver Reinhard und ist wahrscheinlich froh, dass sie von der Polizei natürlich aus Sicherheitsgründen mit Fahrzeugen eingekesselt werden. Merkwürdigerweise finden die Rechtsbrüche der Polizei keine Erwähnung, wahrscheinlich war er immer noch vom Motto der Kundgebung „Keine Versöhnung mit Deutschland“ verwirrt. Aber glücklicherweise bleibt es ruhig, vorerst zumindest. Mehr als 1.000 Nazis können ungestört demonstrieren und niemand stört sich daran, auch nicht tausende Menschen, die sich wie jedes Jahr zum großen Versöhnungsstelldichein auf dem Neumarkt versammelt haben. Wie weit der Versöhnungsgedanke geht, lässt sich wenig später feststellen, als sich einige der trauernden Menschen auf zehn Antideutsche stürzen und vor den Augen der Polizei unter Gebrüll versuchen, ihnen die Fahnen der Alliierten wegzureissen. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn jemand auf diese Idee während des Naziaufmarsches gekommen wäre. Ist aber niemand und darüber können wir froh sein. Am Folgetag weht ein „eisiger Wind“ als sich Olli dem Albertplatz nähert, Clowns tanzen und Musik wird gespielt. Ihr ahnt es vielleicht bereits, es riecht nach Ärger. Am Neumarkt passiert es schließlich: „Autonome wollen den Polizeikordon sprengen“. In Zeiten von herbeihalluzinierter Terrorismusgefahr und einem unter Rot/Grün begonnenen ausufernden Ausbau der „Inneren Sicherheit“ läuft auch linker Protest Gefahr, immer stärker kriminalisiert zu werden. Die Politiker, die den massiven Abbau freiheitlicher Grundrechte forciert und Deutschland zu einem der weltweit führenden Rüstungsexporteure gemacht haben, sind es, die auf der „Geh-Denken“ Demonstration für ein demokratisches Miteinander auf die Straße gehen. Fällt Olli aber auch nicht auf, genausowenig wie die ausufernden willkürlichen Polizeiangriffe vor Beginn der Auseinandersetzungen. Das gehört eben einfach zu einer wehrhaften Demokratie dazu. Auf der Flucht vor der Polizei wird den „Krawallos“ auch beim „Geh-Denken“ deutlich gemacht, dass sie unerwünscht sind. Auf die Idee zu kommen und zu fragen, wovor sie eigentlich weglaufen, kommt aber auch bei den „Antifa“-Aktivisten aus Flensburg niemand. Das Problem ist schnell erkannt, es sind die, die Deckung der friedlichen TeilnehmerInnen suchen. „„Danke, Bomber-Harris“-Provokateure und gewaltbejahende, totalitär argumentierende und handelnde Pseudo-Linke, die nicht merken, dass sie schon nicht mehr rot, sondern bereits rotbraun sind“ fasst Gechichtswissenschaftler Olli das zusammen, was der Chemnitzer Politologe Eckard Jesse seit Jahren vergeblich versucht, wissenschaftlich fundiert zu untermauern.
Kein Wort darüber, dass die Nazis völlig ungestört und ohne Polizei durch die Innenstadt demonstrieren durften und damit zumindest temporär ihren Willen einer National befreiten Zone auch gegenüber Journalisten durchsetzen konnten. Da hat Olli ja nochmal Glück gehabt, die anderen sind sowieso viel wichtiger. Denn und das lernen wir daraus, das Problem in Dresden sind nicht die Nazis und die schweigende Mehrheit der Bevölkerung, sondern offensichtlich die Menschen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen und sich dem entgegenstellen wollen.

Während selbst in Städten wie Wunsiedel CSU-Bürgermeister an erfolgreichen Blockaden gegen Nazis teilnehmen, zeigt das Beispiel der sächsischen Landeshauptstadt eindrucksvoll, wie es im 20jährigen Wendejubiläum um die Zivilgesellschaft im Osten der Republik bestellt ist. Im Vorfeld des „Geh-Denkens“ wurde mit mehr als 15.000 TeilnehmerInnen gerechnet, letztendlich kamen nach positiven Schätzungen nicht einmal die Hälfte der erwarteten Bürgerinnen und Bürger. In Anbetracht der Tatsache, dass mehrere Tausend von ihnen mit kostenlosen Bussen herangeschafft wurden, ist diese Zahl mehr als nur beschämend und ein Armutszeugnis für den demokratischen Willen in der Stadt.

„Die Stadt Dresden hat damit genau den Aufmarsch, den sie verdient hat.“ stand in einem Kommentar bei Indymedia; manchmal kann die Wahrheit so einfach sein.

Nie wieder Deutschland!

Olli freut sich sicher über Post: reinhard.oliver@dd-v.de

Kommentare

  1. AntonLauner sagt:

    Was will die Antifa eigentlich? Erst versagt sie komplett und dann sucht sie die Schuld bei anderen. Die Nazidemo war fast die ganze Zeit unbewacht, aber außer ein paar Bürgern kommt es zu keinen Störungen, weil der sogenannte „Schwarze Block“ sich in Dresden wohl nicht auskennt und sich lieber hinter Sonnenbrillen in der No-Pasaran-Demo versteckt.
    Es wäre so einfach gewesen, die Nazis zu stören. Aber alles was ich gesehen habe, waren ein paar mutige Bürger. Von der Antifa weit und breit nichts zu sehen.

    Zu guter Letzt: Vielleicht bin ich ein bisschen altmodisch, aber warum ist es neuerdings politisch korrekt mit der USA-Fahne auf ne Antifa-Demo zu gehen?

  2. Antifa sagt:

    Auch wenn es vielen Leuten nicht in die Extremismusformel passt, es gibt nicht „die Antifa“. Linke Politik ist im Gegensatz zu dem was Jesse so schreibt ausdifferenziert. Ein klassisches Beispiel für einen Kompromiss ist eine Bündnisdemosntration um gerade Menschen von außerhalb einen legalen Treffpunkt zu ermöglichen und eine Form zu finden, ihre Position in die Öffentlichkeit zu tragen. Das „Glück“, dass Du in die Nähe des Naziaufmarschess gekommen bist hattest Du vielleicht auch nur deshalb, weil Du nicht in das Raster der Polizei gepasst hast und nicht mit einem Wochenendplatzverweis belegt worden bist.

    Die Fahne der USA ist bei Demonstrationen mit Bezug zum II. Weltkrieg aber auch im Zuge der Friedensdemonstrationen anlässlich des Irak-Krieges schon länger auf linken Demonstrationen gezeigt wurden, was nur die Breite des linken Politikverständnisses aufzeigt. Wenn Dich das wirklich interessiert, dann google mal nach „antideutsch“ und Du wirst einen ungefähren Einblick davon bekommen, was die Menschen damit ausdrücken wollen.

    Die Kritik oben bezieht sich wahrscheinlich auf einen heute in der Sächsischen Zeitung veröffentlichten Text und was er letztendlich inhaltlich aussagt, die Befreier waren keine. Das passt einfach nicht zum sowieso schon historisch gesehen völlig deplatzierten und u.a. in der SZ über Tage forcierten Versöhnungsgedanken, sondern setzt die Verbrechen im NS und den Mord an Millionen von Menschen mit den alliierten Luftangriffen gleich.

    Und um auf deine Eingangsfrage zurückzukommen, „die“ Antifa will den größten Naziaufmarsch Europas thematisieren und verhindern. Das ist nur möglich, wenn wie in den alten Bundesländern Bürgerinnen und Bürger auf die Straße gehen und versuchen, diesen zu blockieren.

  3. AntonLauner sagt:

    Wenn das der Wunsch ist, sollte man aber ein wenig über die Strategie nachdenken.
    Wäre es nicht viel eindrucksvoller gewesen, wenn sich alle, die gegen den Nazi-Aufmarsch sind, in einer machtvollen Demonstration vereinigt hätten?
    Oder alternativ, wäre es nicht sinnvoller gewesen, mal die szenetypischen Klamotten zu Hause zu lassen und in Kleingruppen gen Bahnhof zu schlendern, um massenhaft Sitzblockaden zu organisieren?
    Wäre es nicht schlau gewesen, wenn zum Beispiel um 13 Uhr an der Prager Spitze ein „Nazis raus“-Plakat entrollt worden wäre?

  4. Oliver Reinhard sagt:

    Klar freue ich mich über Post, danke dafür. Und danke, dass ich nun nicht mehr nur bei den rechten Einäugigen wie dem Heimatschutz und der JLO usw. im Web auf der Diss-Liste stehe, sondern auch bei Euch. Glückwunsch auch, dass Ihr nur die Leserbriefe der SZ lest, nicht aber die Artikel der Redakteure, die sich seit Jahren gegen rechten Reschichtsrevisionismus und lokale Opfermythen stellen, die Historikerkommission unterstützen und zu Anti-Rechts-Demos aufrufen. Und klar, dass Ihr schlichtweg überlest, dass ich das Verhalten der Polizei am Freitag auf dem Külz-Ring durchaus als provokativ und unangemessen darstelle. Und unterscheide zwischen der Mehrheit friedlicher Autonomer und der Minderheit von Krawallos. Ich habe übrigens an der Synagoge selbst gesehen, wer wohin Steine warf. Ihr auch? Aber Differenzierung ist eben leider nicht euer Ding. Nur – für wen spricht addn.me überhaupt? Für „die Antifa“? Sehr witzig. Nicht für die, die ich kenne. Wie wäre es denn, mal selber für friedliche und gewaltlose Kundgebungen aufzurufen? Und sich von den gewaltbereiten Autonomen zu distanzieren, die sich zwischen den Friedlichen verstecken?
    Aber danke in jedem Fall für den entlarvenden Spruch „und das lernen wir daraus, das Problem in Dresden sind nicht die Nazis und die schweigende Mehrheit der Bevölkerung, sondern offensichtlich die Menschen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen und sich dem entgegenstellen wollen.“ Das genaue Gegenteil steht lang und breit im Text und im Kommentar auf der Seite 1 der SZ.
    Und jetzt? Noch ein schlauer und alles noch viel besser wissender Kommentar von Euch auf meinen Kommentar? Oder habt Ihr das Kreuz, ihn einfach mal so stehen zu lassen?
    Gespannt
    Olli

  5. Oliver Reinhard sagt:

    … sorry, habe was vergessen.
    Nur der Vollständigkeit halber: Meinen kompletten SZ-Artikel, den abzudrucken zwar indymedia, aber nicht Ihr das Kreuz hattet, finden alle, die sich nicht mit Euren selektiven Auszügen zufriedengeben wollen, unter
    http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2076106

    Und hier mein Kommentar in der SZ dazu:

    Sie ist mehr als verständlich, die Sehnsucht vieler Dresdner nach einem stillen und würdevollen Gedenken an die Toten der Bombenangriffe vom 13. und 14. Februar 1945 und alle Opfer des Zweiten Weltkrieges. Doch so sehr es auch schmerzen mag: Stille allein genügt nicht mehr. Oder noch nicht wieder. Nicht solange alljährlich Tausende Rechtsextremisten aus ganz Europa an die Elbe reisen, das Gedenken missbrauchen und die Demokratie gefährden: Sie benutzen das Ereignis als Propagandafeldzug für ihre Politik, die fremdenfeindlich und rassistisch ist und Menschenrechte leugnet.
    Der 13. Februar 1945 ist kein bloßes konkretes Ereignis der Vergangenheit. Er ist ein Symbol von europäischer Bedeutung und Tragweite, eine Mahnung zu Frieden, Versöhnung und Toleranz in Gegenwart und Zukunft. Es ist daher wichtig und richtig, wenn nicht nur Dresdner sich an den Kundgebungen gegen Extremismus und für Demokratie beteiligen, sondern Menschen aus ganz Deutschland und Europa.
    Noch dringender aber ist es, dass sich 2010 alle Parteien und mehr als nur ein paar Tausend Bürger in aktiv praktizierter Toleranz zum Bündnis für Demokratie vereinen und endlich Geschlossenheit zeigen. Mit der Oberbürgermeisterin an der Spitze und dem am Sonnabend in der Öffentlichkeit quasi unsichtbaren Ministerpräsidenten. Weil – auch das haben diese Tage bewiesen – die bloße und zersplitterte Masse an Gegendemonstranten allein die Nazis nicht schreckt.
    Die vielleicht einzige Chance der Stadt besteht darin, sich auch zum kollektiven Symbol einer wehrhaften Demokratie zusammenzuschließen. Und alles Parteien- und Wahlkampf-Geklüngel hintanzustellen. Wenigstens für diese zwei Tage im Februar.

  6. futurzwei sagt:

    mit verlaub: einer der von „rotbraunen, pseudolinken Provokateuren“ schreibt, als diese die Absperrung zu den Nazis überwinden wollten, sollte sich nicht wundern, wenn das wenig beigeisterung auslöst. Nochmal zur Verdeutlichung: Es haben sich alle Demonstranten bis zum Schluß defensiv verhalten und lediglich ihre angemeldete Route durchsetzen wollten. An der Synagoge war es ähnlich, die Antifaschisten hatten sich auf einer angemeldeten Kundgebung versammelt. Gleichzeitig haben dort Antifaschisten auf ihre Busse gewartet. Die Situation eskalierte in beiden Fällen erst, als die Polizei obwohl im Unrecht, auf die Antifaschisten los ging.

  7. Sina sagt:

    Also, wenn es bestimmten Menschen so sehr um Versöhnung geht, wieso trifft man sich statt an der Frauenkirche nicht einfach an der Synagoge statt an der Frauenkirche?

    Die Antifaschisten hatten sich auf einer angemeldeten Demonstration versammelt. Die Polizei war mehr als aggressiv, besonders die Prügelpolzisten aus Berlin. Es kann doch nicht sein, dass Antifaschisten ihre zugesagte Route nicht bekommen, beim Durchsetzen selbiger niedergeknüppelt werden, am Pirnaischer Platz die Wasserwerfer vorfahren, während den Nazi jedes Jahr der rote Teppich ausgerollt wird und selbige unter geringem Polizeischutz (geringer als bei den Antifas) ihren Marsch veranstalten.
    Mal davon abgesehen ist der Nazimarsch ein Trauermarsch, schon immer gewesen, mit Auflagen, wie z.B. nicht rauchen, angemessene Klamotten für die Trauer, Handys aus etc. die Nazis versuchen gar nicht erst auszubrechen, weil sie ihre tolle Route jedes Jahr bekommen und damit glücklich sind. Deshalb schwirren außer Zahlen über deren Demoteilnehmer auch nix in der Presse umher.

    Die Lokalpresse ist mehr als schlecht!

    Lächerlich wieviel DDner sich selbst beim Geh Denken! versammelt haben und so sehr für ihren Frieden und gegen Nazis stehen wollen. Das zeigt man nicht indem man ein Schildchen mit der Aufschrift „Diese Stadt hat Nazis satt“ hält. Und dass die DDnerInnen das weder am 13./14. Februar hinbekommen noch an einem anderem Tag im Jahr ist seit Jahren so.
    In anderen Städten wie Leipzig werden ständig Naziaufmärsch verhindert, nicht nur von Antifas, sondern von der Stadt, die es den Nazis schwer macht, auch von BürgerInnen.

    Wie kommt es denn, dass in Westdeutschland Nazis in einem viel kleinerem Maße die Alltagslandschaft ausmachen und es trotzdem soviel aktive AntifaschistInnen gibt?

    Und ich muss einem meiner Vorredner zustimmen: Es gibt nicht „die Antifa“!!! Das ist ein verklärtes Bild, was aufzeigt, wie sehr involviert jene Person ist, die diesen Satz verfasst hat.

    Kein Frieden mit Deutschland!

  8. Pitti sagt:

    Die Nazis ziehen jedes Jahr vor dem 13. kreative Aktionen durch, kleiden sich unauffällig, sind diszipliniert, wo es nötig ist und stellen interne Grabenkämpfe zugunsten ihres Massenaufmarsches zurück. „Die Antifa“ tut das alles nicht und macht danach den Feind bei der SZ aus. Klasse!
    Btw.: Die Bullenautos sind umgeschmissen (sollen sowieso bald blau lackiert werden) und die Nazis setzen sich gemütlich in den unbeschädigten Bus und überfallen Demonstranten an der Raststätte.
    Wer Anfang der 90er in Dresden gelebt hat findet es auch sicher nicht lächerlich, wie viele Dresdner sich bei Geh Denken! versammeln.

  9. xcantonax sagt:

    Interessanterweise wird nach mittlerweile zehn Jahren nun in der Sächsischen Zeitung der Umgang mit Naziaufmärschen in anderen Städten zumindest thematisiert (btw. Halbe fehlt):

    Wie andere Städte mit großen Neonazi-Demos fertig werden

    15.000 Kölner stoppen rechtsextremen Kongress

    Rund 15.000 Bürger stoppten im Herbst einen Kongress europäischer Rechtsextremisten in Köln. Taxifahrer weigerten sich, die Teilnehmer zu befördern. Wirte druckten „Kein Kölsch für Nazis“ auf Bierdeckel. Demonstranten blockierten die Innenstadt. An der Spitze: Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU). „Die Kölner wünschen sich von ihrem Oberbürgermeister deutliche Worte“, sagte eine Stadtsprecherin. Für Mai ist aber ein zweiter Kongress angekündigt.

    Leipziger verhindern Marsch zum Völkerschlachtdenkmal

    Sechs Jahre lang versuchten Neonazis, einen Aufmarsch zum Völkerschlachtdenkmal zu erzwingen. Leipziger meldeten zeitgleich große Feste an. Der Marsch wurde stets aus Sicherheitsgründen verlegt. Zudem erließ die Stadt zahlreiche Auflagen, deren Einhaltung die Polizei stundenlang kontrollierte. Nie erreichten die Neonazis ihr Ziel. Einen Aufmarsch 2008 sagten sie ab.

    CSU-Sitzblockade gegen Hess-Marsch in Wunsiedel

    Das Grab des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß im bayerischen Wunsiedel zog seit Mitte der 1980er Jahre Tausende Neonazis an. Bürgermeister Karl-Willi Beck (CSU) ertrotzte vom Bundestag eine Verschärfung des Strafrechts. Seit 2005 wurden die Aufmärsche verboten. In den Jahren zuvor hatte es große Gegendemonstrationen gegeben. Beck setzte sich 2004 mit Hunderten auf die Straße, blockierte so den rechten Zug. Beck heute: „Wir hatten auch deshalb so einen Erfolg, weil von der CSU bis zur Linkspartei alle demokratischen Kräfte zusammengearbeitet haben.“

    Jenaer vertreiben rechtes Musikfestival

    In Jena rufen Neonazis regelmäßig zum sogenannten Fest der Völker. 2007 campierten Tausende Jenaer zwei Tage lang auf der Wiese vor dem angemieteten Platz. Im Jahr darauf wichen die Rechtsextremisten nach Altenburg aus. 700 Jenaer reisten zum Protest hinterher, auch Oberbürgermeister Albrecht Schröter (SPD). Anders als Dresden habe Jena seinerzeit die geplante Route der Rechtsextremisten bekannt gegeben, so Schröter. „Die Gegendemonstranten müssen in Ruf- und etwas mehr als Steinwurfweite zu den Rechtsextremisten protestieren dürfen. Es ist ein politisches Recht, dass ihr Protest auch wahrgenommen wird.“

  10. P. sagt:

    Wie man sieht, ist ja rund die Hälfte Eurer alternativen Dresden-News aus der SZ kopiert. Seid Ihr etwa auch Provinzjournalisten (alternative natürlich)?

  11. ra0105 sagt:

    Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass obwohl die SZ sich kritisch zu den so genannten ‚Autonomen‘ verhält, in den letzten Jahren tatsächlich ein Umschwung in der Berichterstattung zu verzeichnen ist. Die Jahre in denen man empfiel bei Naziaufmärschen zu Hause zu bleiben sind, Gott sei Dank, vorbei.
    Gleichwohl muss sich die SZ fragen ob sie mit ihrer mehr als kritischen und äußerst disanzierten Berichterstattung über die ‚No Pasarán‘ – Demo sich tatsächlich einen Gefallen tut.
    Auch für Außenstehende war klar, von wem an diesem Tag die Agression ausging und das dies Teil einer politischen Kampagne ist ‚No Pasarán‘ zu diskreditieren.
    Insofern hätte man sich in der Berichterstattung etwas mehr Kritik an dem Polizeikonzept gewünscht.

  12. Die Begriffe „Provinz“, „Provinzler“, „provinziell“ sowie „Provinzpresse“ werden von sich emanzipiert deuchenden Textschreibern gern oft negativ wertend verwendet.
    Von Brüssel und Paris aus gesehen, mag ganz Europa nur die Provinz sein – doch alle Welt liebt La Provence!

    In unserem Europa der Regionen lieber nicht so tun, als wäre man selbst nicht ebenso aus der Provinz.
    You may get the tiger out of the jungle, but you can’t get the Provinz out of yourself.

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