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Stanislaw Hantz ist tot

„damit das nicht wiederkommt“
Staszek ist tot.

Es war kurz nach seinem 79. Geburtstag, als ich Ende Januar 2002 das erste Mal bei Staszek und seiner Frau Regina in der kleinen Wohnung eines gealterten Neubaublocks in Zgorcelec saß.
Eigentlich hatten wir uns getroffen, um eine Zeitzeugenveranstaltung vorzubereiten und abzusprechen. Wir sprachen über Auschwitz, über den Todesmarsch nach Dachau, über das Leben nach Auschwitz. Plötzlich war Staszek still, ganz in sich gekehrt, dann schüttelte er sich kurz, als wolle, als könne er die Erinnerung abschütteln, und sagte, „Jetzt stoßen wir erstmal an.“  Auf den Geburtstag, auf die Toten und auf die Überlebenden. Wir sangen das polnische Lied „Sto lat“ (100 Jahre soll er leben)

Am 17. Juli 2008 ist Staszek verstorben. Er wurde 85 Jahre alt.

Mit 17 wurde er 1940 verhaftet und nach Auschwitz gebracht. Dort durchlebte er die Errichtung des Konzentrationslager, den Bau des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau und die Auflösung des Lagers im Winter 1944/1945. 1942 überlebt er 53 Tage Bunkerhaft im Todesblock.
Im November 1944 wird er in die westlicher gelegene Konzentrationslager Groß Rosen und Hersbruck transportiert. Am 24. April 1945 erreicht er, nach einem Todesmarsch, das KZ Dachau. Dort wird er am 29. April 1945 von den Amerikanern befreit.
Danach beteiligt er sich am Aufbau des Museums in Auschwitz . Später arbeitet er bis zur Pensionierung 1982 in verschiedenen Tagebau-Werken.
1982 gründet er die Zgorcelecer Vereinigung ehemaliger KZ-Häftlinge und Auschwitz-Überlebender. Seither sprach er über das Erlebte, reiste oft an Schulen in Deutschland und Polen.

Er sprach davon, wie wichtig es sei, dass er vor jungen Menschen immer wieder über seine Erinnerungen spricht. Dass er gar nicht anders könne. „Damit das nicht wiederkommt.“ Dass es so wichtig sei, dass die Jugend weiß, was in Auschwitz geschehen ist, dass die jungen Menschen dafür Sorge tragen, dass es nie wieder geschehe. Er sprach auch davon, wie glücklich er ist, dass soviele Jugendliche sich dafür interessieren und die Veranstaltungen mit ihm besuchen, wo sie ihm zuhören. Er sprach auch von der Angst, dass bald die Überlebenden nicht mehr leben und nicht mehr berichten können. „Dann es ist an euch!“

Trotz des unfassbaren Leids, dass er „durchlebt“ hatte, war er bis zuletzt ein Mann geblieben, aus dessen Augen die Lebenslust blitzte, der mit seinem Beispiel Mut machen konnte, aktiv zu sein.

Mit Staszek haben wir einen Freund verloren und einen der letzten Überlebenden von Auschwitz.
In unseren Herzen lebt er weiter.
Staszek, będziemy nie zapomnieć!

Antifas aus Görlitz und Dresden

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