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Ein Stargast für die Zwingerfestspiele

Eine der Hauptrollen in den ab Sommer 2010 geplanten Zwingerfestspielen in Dresden will Fernsehregisseur Dieter Wedel mit dem nicht mehr ganz taufrischen 106jährigen Johannes Heesters besetzen. Seit seinem Engagement im benachbarten Deutschen Reich boykottiert das niederländische Publikum den in Deutschland beliebten Schauspieler und Sänger. Heesters wird vorgeworfen, im Nationalsozialismus mit den Nazis kollaboriert zu haben. Bei einem Besuch im Konzentrationslager Dachau im Frühjahr 1941, soll er nach Zeugenaussagen eines ehemaligen Häftlings zur Unterhaltung der Wachmannschaft aufgetreten sein. Eine Gerichtsverhandlung über die Hintergründe konnte den Vorwurf im vergangenen Jahr nicht zweifelsfrei entkräften. Der Illustrierten „Bunte“ gegenüber erklärte Heesters daraufhin, dass er „alle Fragen zu dieser unglückseligen Zeit [..] künftig nie mehr beantworten“ werde. Politik habe ihn sowohl damals, als auch heute nicht interessiert. Genau der richtige Mann sozusagen für ein Kulturevent der Superlative in Dresden.

Die erste Fassung des Theaterstücks des Autors John von Düffel ist bereits fertig. Düffel zeigte sich begeistert von der Figur August des Starken, den Intrigen und spannenden Geschichten um Macht und Liebe am sächsischen Hof. Mit dem Stück wird versucht, an die Erfolgsgeschichte des mehrteiligen DDR-Historiendramas Sachsens Glanz & Preußens Gloria anzuknüpfen.

Zur Zeit stehen die zwei Millionen Euro teuren Festspiele noch vor einem Finanzierungsproblem. Aus diesem Grund sucht der Veranstalter, die neu gegründete Dresden Event GmbH, noch nach privaten Sponsoren und nimmt auch die Stadt und den Freistaat in die Pflicht. Etwa die Hälfte der Einnahmen soll durch den Verkauf der Eintrittskarten abgedeckt werden. An 16 Tagen sollen nach Angaben der freien MDR-Mitarbeiterin und Organisatorin Annett Reeder in den spielfreien Sommermonaten insgesamt 16 Aufführungen für bis zu 2.000 Besucherinnen und Besucher stattfinden. Aus der Sicht des Vorsitzenden des Tourismusvereins Jeffrey Pötzsch, soll das barocke Festival mit seiner Mischung aus Tradition und modernem Theater zu einem unverwechselbaren touristischen Markenzeichen der Region werden.

Das Beispiel zeigt wieder einmal sehr gut, welche Kulturvorstellung die CDU regierte sächsische Landeshauptstadt hat. Ein in die Jahre gekommener „Erfolgsregisseur“ und ein seniler Greis als Zugpferde einer von der Öffentlichkeit mit finanzierten Veranstaltung mit dem Ziel, dem schwächelnden Tourismussektor zu helfen. August der Starke würde sich angesichts dieser Ideen wahrscheinlich im Grabe umdrehen.

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