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Studie »Jugend 2009 in Sachsen« veröffentlicht

In den letzten Tagen erschien ein neuer Teil der Längsschnittstudie „Jugend in Sachsen“. Dafür werden seit 1993 vom Institut für Marktforschung Leipzig im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz über 1000 junge Menschen im Alter zwischen 15 und 26 Jahren zu ihrer Lebenssituation, ihren Einstellungen und Wünschen befragt. Die Studie gibt aller zwei Jahre einen Einblick in die Grundbefindlichkeiten der Jugend in Sachsen, ihre Wertestruktur, ihre religiöse Zugehörigkeit, ihr Engagement in unterschiedlichen Bereichen, ihr Freizeitverhalten sowie über die Vorstellungen zur persönlichen Zukunft und über das politische Interesse. Ziel ist es, mit den Ergebnissen „konkret auf die Vorstellungen, Einstellungen und Erwartungen von jungen Menschen einzugehen“, so die sächsische Sozial- und Verbraucherschutzministerin Christine Clauß (CDU). Ein Blick in die umfassende Befragung lohnt sich.

Aufgrund des Umfangs der Studie haben wir uns nur einige der Ergebnisse, vor allem im Hinblick auf politische Einstellungen, etwas genauer angeschaut. Die Studie selbst ist 259 Seiten stark und umfasst ingesamt 16 unterschiedliche Fragebereiche. Die Themenkomplexe sind breit gefächert und reichen von Grundbefindlichkeiten über Fragen zu konfessioneller Bindung und Partnerschaft bis hin zum Medienkonsum.

Im Punkt Neun der Studie wurden Fragen zur gesellschaftspolitischen Interessiertheit gestellt. Demnach ist der Zahl derer, die sich wenig bis gar nicht für Politik interessieren von 37% (1999) auf inzwischen schon 45% gestiegen. Vor allem Studierende interessieren sich im Gruppenvergleich der Bildungsgänge/Tätigkeiten besonders stark für das Themenfeld Politik, wohingegen insgesamt 52% der Jugendlichen in einer Berufsausbildung angeben, sich wenig bis gar nicht für Politik zu interessieren. Vor allem politisch links orientierte Jugendliche interessieren sich im Unterschied zum Rest deutlich häufiger (29%) besonders für aktuelle Ereignisse aus Politik und öffentlichem Leben.

Der Anteil der jungen Menschen, die eine Auseinandersetzung mit dem „Dritten Reich“ für zumindest weniger wichtig hält, ist mit 59% wie schon in den vergangenen Jahren konstant hoch. Ein Wert, der in etwa auch die Bereitschaft, sich mit der DDR-Geschichte (57%) bzw. Nachkriegszeit der BRD (61%) auseinanderzusetzen, widerspiegelt. Dem gegenüber stehen fast drei Viertel der Befragten, die eine „Auseinandersetzung mit Problemen der heutigen Demokratie“ für sehr wichtig bzw. wichtig erachten. Dazu zählen sie vor allem (61%) Themen wie soziale Probleme/soziale Ungerechtigkeit, Kritik am Bildungswesen und Arbeitslosigkeit, aber auch die Kritik am politischen System (19%). Zu den Ergebnissen der Studie gehört auch die Tatsache, dass mit zunehmenden Alter das Interesse, sich mit der jüngeren deutschen Geschichte auseinanderzusetzen, zunimmt.

Ausgeglichen sind die Zahlen der politischen Selbstverortung der Befragten. Etwa 20% der Jugendlichen würden sich in ihrer politischen Grundhaltung rechts der Mitte zuordnen, 22% links davon. Der Anteil politisch rechter Jugendlicher ist besonders bei Männern im Alter von 22 bis 26 Jahren groß. Im Unterschied dazu würde sich vor allem viele Studentinnen und Studenten links der politischen Mitte einordnen. Die Bereitschaft der befragten sächsischen Jugendlichen zu persönlichem politischen Engagement ist der Studie nach weiter zurückgegangen. Während beispielsweise 2005 noch 38% an einer genehmigten politischen Demonstration teilnehmen würden, ist die Zahl im vergangenen Jahr auf 26% gesunken. Auch die Bereitschaft, sich in einer Partei oder einer Bürgerinitiative zu engagieren, ist in den letzten Jahren immer weiter gesunken. Dieses Ergebnis wird von den Zahlen, die Aufschluss über Sympathien der Jugendlichen zu einer konkreten politischen Partei geben sollen, bestätigt. Insgesamt 49% der Jugendlichen wollen oder können sich keiner der bekannten Parteien zuordnen.

Charakteristisch für vor allem männliche Jugendliche im Alter zwischen 22 und 26 Jahren ist eine ablehnende Einstellung gegenüber so genannten Ausländern. Insgesamt 65% aller Befragten sind der Ansicht, dass der Ausländeranteil in Deutschland zu hoch sei. Für Sachsen ergeben sich ganz ähnliche Zahlen, auch hier empfinden 51% der Jugendlichen den Ausländeranteil von weniger als 3% als zu hoch. Eine Untersuchung des Dresdner Kommunikationswissenschaftlers Wolfgang Donsbach von der TU Dresden hatte erst kürzlich herausgefunden, dass die Dresdner den Anteil der Ausländer in der Stadt dreimal höher einschätzen, als er tatsächlich ist. Die Zahlen zur Einstellung gegenüber Ausländern decken sich mit den Ergebnissen aus der so genannten „Heitmeyer-Studie“, in der die Wissenschaftler 2005 für Sachsen zu dem Ergebnis kamen, dass mehr als 65% der befragten Personen der Meinung waren, dass zu viele Ausländer in Deutschland leben. Die Ergebnisse der beiden Antworten waren dennoch auf dem niedrigsten Stand seit 2003. Der Aussage, „Die Gesellschaft sollte Ausländern gegenüber aufgeschlossener sein.“, über die in der medialen Debatte oft vernachlässigte Wechselseitigkeit von Integration, stimmten insgesamt 68% der Jugendlichen zumindest zu.

Interessant ist ein Blick in die Statistik über den Waffenbesitz. Mehr als ein Viertel aller befragten Jugendlichen rechts der Mitte geben an, im Besitz von Waffen verschiedenster Art zu sein. Insgesamt liegt dieser Wert mit durchschnittlich 12% deutlich darunter.

Bei den Fragen zu Drogen sprachen sich zwei Drittel der Jugendlichen gegen eine Legalisierung von Drogen aus. Ein Frage, die vor allem von männlichen Jugendlichen positiv beantwortet wird. Insgesamt 86% aller befragten Jugendlichen konsumierten 2009 Alkohol auf unterschiedliche Art und Weise. Die Verantwortlichen der Studie gehen bei den Zahlen zum Alkoholkonsum bei mindestens 10% aller Befragten von Alkoholproblemen aus.

Die sächsische Grünen-Politikerin Elke Hermann kritisierte in einer Pressemitteilung die angekündigten Kürzungspläne der Landesregierung angesichts der Ergebnisse der Jugendstudie. Danach sollen die Zuschüsse für Maßnahmen zur Stärkung von Demokratie und Vorbeugung antidemokratischen Handelns von bisher 2 Millionen Euro jährlich in den kommenden Jahren um 50 Prozent auf 1 Millionen Euro gekürzt werden. Auch bei der Suchtprävention und Suchtkrankenhilfe sieht die schwarz/gelbe Koalition im aktuellen Doppelhaushaltsentwurf Einsparpotential.

Kommentare

  1. Astro sagt:

    In den Daten sehe ich derartige Schwankungen so daß ich N=1002 nicht für repräsentativ halte. Interessant ist der Bericht dennoch.

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