Alle Artikel zum Thema: Antiziganismus

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Pogromartige Stimmung gegen Roma in Tschechien

Demonstration gegen Roma in Tschechien

Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche verhinderten tschechische Spezialeinheiten der Polizei ein Pogrom gegen Roma in Varnsdorf.

Erst der Bürgermob…

Seit Wochen spitzt sich die Lebenssituation der tschechischen Roma, die im so genannten Schluckenauer Zipfel in Nordböhmen leben, dramatisch zu. Durch den Zuzug vieler Roma in den letzten Monaten sei die Kriminalität in den grenznahen Ortschaften massiv angestiegen, mehrfach kam es zu teils gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen “weißen Tschechen” (so deren Selbstbezeichnung in tschechischen Medien) und Roma. Im Anschluss an eine dieser Auseinandersetzungen Ende August, fand in Rumburk eine Versammlung unter dem Motto “Gegen Gewalt und Kriminalität” statt. Vor 1.500 Menschen forderte ein Redner das Ende des Zuzugs von “Nichtanpassungsfähigen” (so werden Roma nicht nur von Nazis in Tschechien bezeichnet). Daraufhin zog für mehrere Stunden ein Mob unter antiziganistischen Parolen durch Rumburk. Erst nachdem sie damit begonnen hatten, ein von Roma bewohntes Haus mit Steinen anzugreifen, schritt die Polizei ein und trieb die Menschenmenge auseinander. Weiterlesen

Nazis

Interview: Die Situation der Roma in Tschechien

Pogromartige Übergriffe im Litvinov im November 2008 (Quelle: Recherche Ost)Der Watchblog “Antizig” beobachtet Ereignisse rund um die Minderheiten der Sinti und Roma. Diese werden besonders im osteuropäischen Ausland immer wieder diskriminiert, ausgeschlossen und nicht selten tätlich angegriffen. Oft sind in den Augen der Gesellschaft Sinti und Roma das Problem. Zuletzt sorgten Jagdszenen in einem ungarischen Dorf für ein internationales Medienecho. Aber auch der Brandanschlag im tschechischen Vítkov im April 2009 sorgte international für Entsetzen, als ein zweijähriges Mädchen durch einen Brandsatz schwer verletzt worden war. Nicht einmal 100 Kilometer südöstlich von Dresden ließen vor drei Jahren Nazis den Aufruf der mittlerweile verbotenen rechten Arbeiterpartei “Dělnická strana” Taten folgen. Mehrere hundert Nazis griffen in Litvínov unter dem Beifall der Bevölkerung pogromartig und schwer bewaffnet ein Stadtviertel an, in dem vorwiegend Roma leben. Wir möchten deshalb im Folgenden ein Interview mit dem Menschenrechtsaktivisten Markus Pape dokumentieren, welches der Watchblog mit ihm über die Situation der Sinti und Roma im Nachbarland Tschechien führte. Weiterlesen

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Rassistischer Brandanschlag auf Sinti-Familie in Klingenhain

Bereits am 2. Weihnachtsfeiertag kam es im nordsächsischen Klingenhain zu einem Brandanschlag auf ein von einer Sinti-Familie bewohntes Haus. Dabei brannte das Wohnhaus und damit die Existenzgrundlage der Familie komplett aus. Schon seit sechs Jahren sieht sich die Familie rassistischen Anfeindungen ausgesetzt. So mussten in der Vergangenheit bereits die Kinder der Familie nach mehreren Drohungen die Schule wechseln. Beschimpfungen als „Zigeuner“ oder „Dreckspack“, Schläge, Einbrüche und Vandalismus waren an der Tagesordnung. Einmal beschoss ein Nachbar der Familie sogar das Haus. Mehrere Anzeigen bei der Polizei wurden jedoch alle eingestellt. Weiterlesen

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30.11.2009 Vortragsreihe zu Antiziganismus in Europa (Teil 4/4)

Zwischen den Fronten – Die Vertreibung der Roma aus dem Kosovo und die Verantwortung der Internationalen Gemeinschaft

Wann? 30. November 2009, 20.00 Uhr
Wo? AZ Conni Dresden
Wer? Dirk Auer

Die Internationale Gemeinschaft hat während der vergangenen acht Jahre im Kosovo das größte Nationbuilding-Projekt aller Zeiten gesteuert. Geldmengen in Milliardenhöhe flossen und fließen jedes Jahr für Demokratie, den Aufbau der Ökonomie und die Durchsetzung und Einhaltung von Menschenrechten und rechtsstaatlichen Prinzipien. Doch die Situation der Roma hat sich nach der und durch die Intervention der Internationalen Gemeinschaft nicht gebessert. Im Gegenteil: Schätzungen zufolge wurden schon kurz nach dem Krieg von den ehemals 150.000 in Kosovo lebenden Roma zwei Drittel aus dem Land getrieben – und das alles unter den Augen der bereits stationierten NATO-Soldaten.
Die Situation der im Kosovo verbliebenen Roma ist bis heute desolat. Doch nun haben die deutschen Länderinnenminister und die Behörden des Kosovo ein Rücknahmeabkommen abgeschlossen. Massenweise erhalten die 25.000 Roma aus dem Kosovo, die zurzeit noch als geduldete Flüchtlinge in Deutschland leben, Briefe von den Ausländerämtern, in denen sie zur unverzüglichen Ausreise aufgefordert werden. Kommen sie dieser nicht nach, droht ihnen die Abschiebung – in ein Land, in dem Roma nach übereinstimmenden Berichten von Menschenrechtsorganisationen kaum eine Chance haben, ihre Existenz zu sichern.

Dirk Auer, Dr., geb. 1970, Sozialwissenschaftler. Lebt seit 2006 als freier Korrespondent in Sofia, von wo aus er für den ARD-Hörfunk über die verschiedenen Länder des Balkans berichtet (www.balkanbiro.de). Interessenschwerpunkte: Migration, Roma, Minderheitenpolitik. Betreibt die Webseite www.roma-kosovoinfo.com

Quelle: a.l.i.a.s. Dresden

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12.11.2009 Vortragsreihe zu Antiziganismus in Europa (Teil 3/4)

Übergriffe gegen Romaflüchtlinge in Italien und rassistische Hetzkampagnen

Wann? 12. November 2009, 20.00 Uhr
Wo? AZ Conni Dresden
Wer? Katrin Lange

In Italien greifen antiziganistische Stimmungsmache durch die Politik, Hetze gegen Roma und Sinti durch die Medien und antiziganistische Übergriffe durch die Bevölkerung in den letzten Jahren immer unheilvoller ineinander. Diese Entwicklung ist auch Teil von Faschisierungs-Tendenzen seit dem Regierungsantritt Berlusconi, aber bei weitem nicht alleine dadurch zu erklären. Antiziganistische Ressentiments sind vielmehr in der italienischen Mehrheitsbevölkerung seit langem weit verbreitet.
In dieser Veranstaltung soll der zunehmende Antiziganismus der letzten Jahre anhand von konkreten Beispielen auf dem Hintergrund seiner strukturellen Verankerung (Stichwort „Nomadencamps“) beleuchtet werden. Gleichzeitig werden Protagonist_innen eines Widerstandes gegen diese Entwicklungen vorgestellt.

Katrin Lange wohnt in Bremen und ist seit vielen Jahren in antirassistischen Initiativen aktiv, u.a. mehrjährige Mitarbeit im Roma-Bündnis-Nordwest. Sie hat mehrere Jahre in Italien und Albanien gelebt und gearbeitet.

Die letzte Veranstaltung der Vortragsreihe findet am 30.11. statt.

Quelle: a.l.i.a.s. Dresden

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29.10.2009 Vortragsreihe zu Antiziganismus in Europa (Teil 2/4)

Arbeitsgesellschaft und Antiziganismus

Wann? 29. Oktober 2009, 20.00 Uhr
Wo? AZ Conni Dresden
Wer? Roswitha Scholz

Selbst Linken ist es gewissermaßen peinlich, sich mit dem Thema Antiziganismus auseinanderzusetzen. “Zigeuner” gelten in der romantisierenden Vorstellung im Gegensatz zum disziplinierten Individuum der “Dominanzkultur” (Birgit Rommelspacher) als “wild and free”. Sie leben scheinbar auf der arbeitsabgewandten Seite der Gesellschaft. Dabei handelt es sich beim Antiziganismus gleichzeitig um eine Form des Rassismus, der sich wie kein anderer durch tiefe Verachtung auszeichnet. Die “Zigeuner”, zu deren Kultur es angeblich gehört, dass sie lügen, betrügen und stehlen, wurden wie keine andere Bevölkerungsgruppe in der modernen Geschichte pauschal kriminalisiert und polizeilich erfasst. Lange hat es gedauert, bis die Massenvernichtung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus überhaupt in der rassistischen Dimension thematisiert wurde. Und noch heute tut man sich mit dieser Erinnerung “schwer”. Irgendwie scheint es sich um “unwürdige” Opfer zu handeln. In dem Vortrag soll die Grundstruktur dieser zu Unrecht vernachlässigten Variante des Rassismus herausgearbeitet werden. Weiterlesen

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22.10.2009 Vortragsreihe zu Antiziganismus in Europa (Teil 1/4)

Antiziganistische Zustände – Einführung in Geschichte und Gegenwart des Antiziganismus.

Wann? 22. Oktober 2009, 20.00 Uhr
Wo? AZ Conni Dresden
Wer? Kathrin Herold und Markus End

Auftaktverstaltung zu einer vierteiligen Vortrags- und Diskussionsreihe unter dem Titel “Antiziganismus in Europa. Zur Aktualität der Feindschaft gegenüber Roma”. Die beiden Referent_innen geben eine allgemeine Einführung in den Themenkomplex des Antiziganismus. Dabei wird auf die lange Geschichte dieses Ressentiments in Europa, den nationalsozialistischen Massenmord an Roma und Sinti und deren Nachkriegsverfolgung in der BRD eingegangen. Auch die gegenwärtig wieder zunehmenden Ausschreitungen und Pogrome gegen Roma in vielen Länder Europas werden Thema sein. Weiterlesen

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19.06.2009 Vortrag zur aktuellen Situation in Ungarn

“Ungarn 2009: Antiziganismus, Antisemitismus und Neonazismus”

Wann? 19. Juni 2009, 19.00 Uhr
Wo? AZ Conni Dresden
Wer? Karl Pfeifer, Wien

Fast täglich marschieren uniformierte Rechtsextremisten in Dörfern und Städten Ungarns gegen “Zigeunerkriminalität”, mörderische Anschläge gegen Roma mehren sich. Rechtsextremisten demonstrieren vor der deutschen Botschaft in Budapest mit Parolen wie “Nieder mit dem Holocaust-Dogma”. Weiterlesen

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Die Landeshauptstadt Dresden und der Umgang mit Bettlern Teil 2

Bereits im Dezember berichteten wir über den Umgang der sächsischen Landeshauptstadt Dresden mit Bettlern. Inzwischen hat sich in dieser Frage in der Stadt etwas bewegt, leider nicht zum Guten. In einem Artikel der Sächsischen Zeitung vom 2. April wird schon in der Überschrift deutlich, wohin die Diskussion letztendlich führen wird. Da heißt es, dass das Rathaus und allen voran Dresdens Ordnungsbürgermeister Detlef Sittel (CDU) in Zukunft so genannte “Schummel-Bettler ins Visier” nehmen wird. Weiterlesen

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Die Landeshauptstadt Dresden und der Umgang mit Bettlern

Bereits im April beklagte sich der Gästeführerverband der Stadt Dresden in einem in der Sächsischen Zeit in Teilen veröffentlichten offenen Brief über die zunehmende Bettelei in der Innenstadt. In Dresden ist es bspw. verboten, auf der Brühlschen Terrasse oder im Zwinger nach Geld zu fragen, während die Polizeiverordnung nach §12 nur “aggressives Betteln” mit Platzverweisen ahnden darf. Nach Angaben der stellvertretenden Vorsitzenden des Gästeführerverbandes Kristina Kaden hätte sich die Situation in den letzten Jahren “spürbar verschärft”. Zeitgleich wurde versucht, über die inzwischen insolvente Dresden Werbung und Tourismus GmbH (DWT) bei der Stadt Druck auszuüben. Weiterlesen