Freiräume

Sind hier alle noch ganz sauber?

Am Samstag sollen Teile der Äußeren Neustadt Schauplatz einer intensiv beworbenen Sauberkeitskampagne des Gewerbe- und Kulturvereins Dresden Neustadt e.V. werden. Hintergrund der Aktion sind die Resultate einer Umfrage durch zwei Studierende der TU bei den etwa 600 Gewerbetreibenden in der Neustadt. Neben zahlreichen Fragen zu den Gründen für eine Gewerbe in der Neustadt war vor allem die Beurteilung der aktuellen Lage im Hinblick auf die Aktion am kommenden Wochenende interessant. Mehr als 70% der Befragten waren demnach mit den Punkten Ordnung/Sauberkeit und der allgemeinen Parkplatzsituation unzufrieden und befürworteten Maßnahmen zur Verbesserung der Situation.

Aus diesem Grund plant der Verein am Samstag gemeinsam mit interessierten Bewohnerinnen und Bewohnern im Rahmen der stadtweiten Kampagne „Sauber ist schöner!“ das Viertel nach „sozialistischer Tradition“ von Unrat zu befreien. Dabei ist, so die Initiatoren weiter, beinahe alles erlaubt vom Nackt-Putzen bis zum Öko-Putzen. Aber, und das sei typisch für die Neustadt, der Spaß soll im Vordergrund stehen. Als Belohnung winkt eine kleine Überraschung, die beste Aktion soll sogar mit einem „Goldenen Blumenkübel“ ausgezeichnet werden. Das eigentliche Ziel des 2009 gegründeten Vereins mit seinen aktuell etwa 40 Mitgliedern ist eine Vernetzung aller Gewerbetreibenden um damit eine bessere Verhandlungsposition gegenüber den Verantwortlichen in der Stadt zu erreichen. Erst im vergangenen Jahr hatte Dresdens Stadtverwaltung einen umstrittenen Aktionsplan mit dem Ziel vorgestellt, Ordnung und Sauberkeit in der Äußeren Neustadt zu verbessern um darüber hinaus das Image des Viertels aufzuwerten. Dazu soll es in den kommenden Jahren Plakataktionen, Kinowerbung im Stadtteil und Anzeigen in lokalen Zeitungen geben.

Der Samstag ist als Tag nicht zufällig gewählt, denn gerade an den Wochenendtagen erfreut sich das Viertel großer Beliebtheit bei der Abendgestaltung vieler vor allem junger Menschen. Das bringt auf der einen Seite den Gewerbetreibenden hohe Umsätze, sorgt aber auf der anderen Seite bei etlichen Bewohnerinnen und Bewohnern zunehmend für Ärger, wenn wieder einmal der Hauseingang als öffentliche Toilette benutzt wird. Auch hat die besondere Attraktivität des Viertels in den letzten Jahren unter anderem dazu geführt, dass Mieten immer weiter steigen konnten und damit vor allem Menschen mit geringerem Einkommen in andere Stadtteile verdrängt worden sind. Diese Veränderung des Stadtteils weg von einem heterogenen Kneipen -und Ausgehviertel hin zu einem alternativen Wohlfühlpark für Familien mit Kindern, aber auch die Strategie der Stadt, auf der Altstadtseite eine Kneipenmeile zu etablieren, sorgt für Unmut bei einigen Gewerbetreibenden. Auf der Suche nach Antworten kommt ihnen dabei das omnipräsente Thema von Ordnung und Sauberkeit gelegen, um einmal mehr die Folgen inhaltsleerer Party- und Spaßkultur auf die Schulter derer zu verteilen, die in der Neustadt wohnen und leben. Denn es stellt sich nicht die Frage, welche Möglichkeiten das Viertel für Menschen mit Ideen aber ohne finanzielle Möglichkeiten bietet, sondern wer als Partner für eine eigene Imagekampagne gewonnen werden kann.

Doch nicht nur die Neustadt steht in der nächsten Woche im Zeichen einer Reinlichkeitskampagne der Stadt. Dresdens City Managerin Tanja Terruli sieht zum Beispiel in der Altstadt den Schwerpunkt in der „Entfernung von Aufklebern auf Laternen“, um damit „die City in der Frühlingssonne zum Glänzen [zu] bringen“. Ein Höhepunkt der Aktionswoche vom 9. bis 16. April ist die geplante Elbwiesenreinigung am 16. April. Von Cotta bis Leuben sollen dann wieder Familien, Unternehmen, Vereine und Schulen gemeinsam die Elbwiesen von Abfällen und Schwemmgut befreien.

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Kommentare

  1. Nicole sagt:

    oh gott, mir wird schlecht 🙁

  2. anwohner*in sagt:

    also ich hab‘ eigentlich nichts dagegen, dass dann zb der eingang der frauenkirche als öffentliche toilette genutzt wird, anstatt meines hauseingangs

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