Nazis

Tausende bei rassistischen Proteste in Berggießhübel

28. September 2023 - 10:31 Uhr - Eine Ergänzung

Zwischen zwei- und dreitausend Menschen beteiligten sich am vergangen Montag an einem Demonstrationszug im Sächsischen Berggießhübel. Anlass für die Demonstration, an der fast doppelt so viele Menschen teilnahmen, wie der Ortsteil Einwohner:innen hat, war eine mögliche Belegung des Schloss Friedrichsthal mit Asylsuchenden. Zu den Protesten aufgerufen hatte der Heidenauer Neonazi Max Schreiber, bei dem die Polizei Dresden erst unlängst eine Hausdurchsuchung vollzog. An einer Gegenkundgebung beteiligten sich rund 80 Personen.

Es dürfte einer der größten Antiasyldemonstrationen der letzten Jahre in Sachsen gewesen sein. In den letzten Jahren konnten Proteste gegen die Unterbringung von Asylsuchenden eher eine Personenanzahl im mittleren dreistelligen Bereich mobilisieren. Während der MDR und Tag24 von 2.000 Demonstrierenden sprach, zählte die Polizei Sachsen rund 3.000 Personen auf dem Demonstrationszug, der sich am Montag Abend durch Berggießhübel bewegte. Während die Demonstrierenden selber fast schweigend durch den kleinen Ortsteil liefen, wurde über den Lautsprecherwagen von Max Schreiber laut u.A. die Naziband „Sleipnir“ abgespielt. Beobachter:innen berichteten, dass vereinzelt Böller in den Seitenstraßen gezündet wurden. Darüber hinaus blieb die Veranstaltung friedlich, auch wenn die Anwesenheit von dutzenden gewaltbereiten Neonazis nicht zu übersehen war. 

Max Schreiber, der einzige Redner an diesem Abend, zeigte allerdings deutlich, was in den kommenden Monaten auf Migrant:innen, People of Colour und Geflüchtete zu kommen könnte. Neben den üblichen Lügen über „Messerstechereien“ und „NoGo-Areas“ spielte der ehemalige NPD-Landtagskandidat ganz offen mit der Androhung eines neuen Heidenaus, sollten die Pläne für Asylunterkünfte weiter aufrecht erhalten werden. Im August 2015 kam es in der Stadt Heidenau an zwei aufeinanderfolgenden Abenden zu Ausschreitungen durch Nazis, kurz bevor Asylsuchende einen leerstehenden Baumarkt beziehen sollten. Schreiber hatte damals sein Anteil an den Krawallen, bei denen dutzende Polizist:innen verletzt wurden. So berichtete das „Antifa Recherche Team“, dass „Schreiber 2015 die Flyer produziert haben soll, die zur Blockade der Busse aufriefen, die die Erstaufnahmeeinrichtung in Heidenau ansteuern sollten“.

Die Pläne zur Unterbringung von Asylsuchenden in Berggießhübel scheinen jedoch vorerst vom Tisch. Nach Angaben des Bürgermeisters Thomas Peters (CDU) hatte der Eigentümer des leerstehenden Schlosses dem Landratsamt Pirna ebendieses zur Unterbringung von Geflüchteten angeboten. Doch nach den Protesten vom Montag zog er das Angebot wieder zurück, wie das Landratsamt auf ihrer Website bekannt gab. Der Besitzer selbst erklärte jedoch, dass ein solches Angebot nie bestanden habe. Lediglich das Angebot zur temporären Unterbringung ukrainischer Asylsuchender sei dem Landratsamt unterbreitet worden.

Während die Kapazitäten zur Unterbringung von Geflüchteten immer knapper werden, feiern die „Freien Sachsen“ und Max Schreiber die Information des Landratsamtes über den Rückzug des Angebotes als großen Erfolg.

Bildquelle: Screenshot Youtube/5nach12


Veröffentlicht am 28. September 2023 um 10:31 Uhr von Redaktion in Nazis

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