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Kritik an Akademikerball in Pieschen

Am kommenden Wochenende findet im Ball- und Brauhaus Watzke in Dresden-Pieschen zum ersten Mal ein von der Gesellschaft zur Förderung Studentischer Kultur (GFSK) organisierter so genannter Akademikerball statt. Die GFSK hatte in der Vergangenheit nach eigener Darstellung vor allem Wissenschafts- bzw. Kulturtagungen, Vortragsreihen zu Studentenverbindungen und Kolloquien organisiert. Der Ball am 27. Oktober diene „ausschließlich der Pflege der (akademischen) Tanzkultur“ und verfolge explizit keine „politischen Absichten“. Aus diesem Grund distanzierten sich die Veranstalterinnen und Veranstalter im Vorfeld mit einer Erklärung „von jeglicher extremistischer, nationalistischer oder menschenverachtender Haltung und bekannten sich vorbehaltlos zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung“. Dennoch gibt es zum Teil deutliche Kritik an der für diesen Samstag geplanten Tanzveranstaltung.

In einem im Internet veröffentlichten offenen Brief kritisiert die sexismuskritische Dresdner Gruppe e*vibes die Veranstaltung in den traditionsreichen Räumlichkeiten am Pieschener Elbufer. So sei die GFSK entgegen ihrer eigenen Darstellung eine „Vernetzungsplattform verschiedener studentischer Verbindungen, darunter auch einer rechtsradikalen Burschenschaft“. Außerdem seien „zahlreiche personelle Überschneidungen“ von Dresdner Verbindungen wie dem „Corps Teutonia“ oder „Cheruscia“ in die rechte Szene hinlänglich bekannt. Das „sexistische, chauvinistische und patriarchale Weltbild“ der meisten studentischen Verbindungen stehe im Widerspruch zur Stellungnahme der GFSK. In die Häuser der nach Außen hin oft rein heterosexuell wirkenden Männerbünde würden demnach Frauen und Personen mit einer anderen sexuellen Orientierung nur in Begleitung oder auf Einladung Zutritt erhalten. Obwohl es in der GFSK auch eine gemischte sowie eine reine Damenverbindung gibt, teilen diese jedoch auch „die inhaltlichen Grundsätze der Männerverbindungen – Deutschnationalismus, Elitenbildung, Konservatismus, Obrigkeitstreue und das Idealbild einer hierarchisch organisierten Gesellschaft“. Aus diesem Grund fordert die Gruppe das Ball- und Brauhaus auf, das Mietverhältnis aufzulösen. Auch die neu gegründete Antifaschistische Aktionsgruppe Dresden hat für den Tag zu Aktionen unter dem Motto „Fang den Hut!“ aufgerufen.

In der Vergangenheit hatte es in Dresden in unregelmäßigen Abständen immer wieder Veranstaltungen gegeben, die von Burschenschaften organisiert worden sind. So wollte der Linken-Politiker und ehemalige Fraktionsvorsitzende seiner Partei im Sächsischen Landtag, Peter Porsch, im Verbindungshaus der „Cheruscia“ im Oktober 2005 einen Vortrag zum Thema „Linke, Heimat, Vaterland“ halten, welchen er jedoch im letzten Moment nach Kritik aus den Reihen seiner eigenen Partei absagte. Im Jahr davor war es anlässlich eines Vortrags des Ex-Brigadegenerals des Kommandos Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr, Reinhard Günzel, im Burschenschaftshaus auf der Eisenstuckstraße 50 zu tumultartigen Szenen gekommen. Im vergangenen Jahr referierte schließlich der Dresdner Politikwissenschaftler Werner Josef Patzelt auf Einladung der „Cheruscia“ zum Thema „Wie viel Platz ist zwischen CDU und NPD?“ und bemängelte dabei nicht nur einen „Mangel intellektueller Kräfte im rechtskonservativen Bereich“, sondern auch einen „fehlenden Nationalstolz der geläuterten [deutschen] Nation“.

Hintergrundinformationen: Ein alter Hut – Kritik studentischer Verbindungen in Dresden

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