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Leidensort von V. Klemperer markiert

Anfang dieser Woche wurde in der Dresdner Caspar-David-Friedrich-Straße 15 der ehemalige Leidensort von Victor Klemperer mit einer Sprühaktion kenntlich gemacht. Victor Klemperer war ein Dresdner Germanist jüdischer Herkunft, der im Nationalsozialismus verfolgt wurde und nur durch viel Glück und Zufall überlebte. Berühmt sind seine Tagebücher und sein Werk „Lingua Tertii Imperii“, in dem er die Sprache des „Dritten Reiches“ analysiert. Beides eine unbedingte Leseempfehlung!

Victor Klemperer lebte 2 ½ Jahre in einem so genannten „Judenhaus“ in der Caspar-David-Friedrich-Straße 15b (Mai 1940 – September 42), dort bewohnte er mit seiner (nichtjüdischen) Frau Eva zwei Zimmer. Die deutschen Juden, die nicht rechtzeitig fliehen konnten oder wollten, wurden von den Nationalsozialisten während des Krieges zwangsweise in Häusern konzentriert und später aus diesen deportiert. Allein in Dresden gab es 40 solcher „Judenhäuser“. Klemperer entkam der Deportation zunächst dadurch, dass er eine nichtjüdische Ehefrau hatte, die sich trotz des Druckes und der Nachteile und Diskriminierung durch eine Ehe mit einem Juden nicht von ihm trennen wollte. Eine im Februar 1945 angesetzte Deportation wurde durch die Bombardierung Dresdens verunmöglicht und ermöglichte es dem Ehepaar unterzutauchen.

Weitere BewohnerInnen des „Judenhauses“ in der Caspar-David-Friedrich-Straße 15 waren: Ida Kreidl (Schwägerin von Ernst, mit dem „5. Dresdner Transport V/5“ nach Theresienstadt deportiert), der Haus-Besitzer Ernst Kreidl (wurde November 1941 von der Gestapo verhaftet und am 22.05.1942 im KZ Buchenwald ermordet), Käthe Voss (1892-1943?, Witwe eines Versicherungsdirektors), Julia Pick (beging im Angesicht der drohenden Deportation nach Theresienstadt im August 1942 Selbstmord) und Richard Katz (+ Januar 1942, ehemaliger Kaufmann).

Klemperer schreibt in einem Tagebuch-Eintrag vom 2. September 1942:
„Was an mir liegt, so soll das Judenhaus Caspar-David-Friedrichstraße 15 b mit seinen vielen Opfern berühmt werden.“
Nun finden sich aber bis heute am Leidensort von Victor Klemperer und weiterer jüdischer DresdnerInnen keine Gedenktafel oder andere Hinweise auf die Geschichte des Ortes.

Kurz vor dem 65. Jahrestag der militärischen Niederwerfung des Nationalsozialismus haben wir uns entschlossen auf eigene Faust den ehemaligen Leidensort in der Caspar-David-Friedrich-Straße zu kennzeichnen. In der Hoffnung damit einen Prozess anzustoßen, der zu einer offiziellen Markierung dieses Leidenortes führt.

Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!

Quelle: Indymedia (08.04.10)

Kommentare

  1. brata sagt:

    Eine kleine Berichtigung: Victor Klemperer war Romanist, nicht Germanist.

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