Antifa

Ruinen statt Barock

Auch in diesem Jahr finden in der Stadt wieder etliche Veranstaltungen rund um den 13. Februar statt. Während die Stadt mit Plakaten, Postkarten und in Straßenbahnen für ihre vom Rektor der TU Dresden angemeldete Menschenkette wirbt, läuft die Mobilisierung von „Dresden Nazifrei“ inzwischen auf Hochtouren. Wer noch an Plakaten und Aufrufen zur diesjährigen Kampagne „Wieder setzen“ interessiert ist, kann sich diese noch bis zum 5. Februar kostenfrei zuschicken lassen. Am Tag selbst wird wieder der Mahngang „Täterspuren“ stattfinden, um damit an die NS-Geschichte in Dresden zu erinnern und um darüber hinaus „einen Kontrapunkt zur offiziellen städtischen Erinnerungspolitik zu setzen“. Im Anschluss daran plant das Bündnis auch in diesem Jahr wieder, den Naziaufmarsch zum nunmehr schon fünften Mal in Folge zu blockieren.

In einem zweiten Aufruf mobilisiert das neu gegründete antifaschistische Bündnis „No Excuses – Put an end to the Myth of Dresden!“ nicht nur gegen den Naziaufmarsch, sondern auch gegen die Gedenk- und Erinnerungspolitik in der Stadt. Das Material der Kampagne könnt ihr euch entweder im Infoladen des Alternativen Zentrums Conni im Hechtviertel abholen oder ebenfalls zuschicken lassen. Von Seiten der Nazis liegt der Stadt aktuell nur eine Anmeldung für eine Veranstaltung am 13. Februar vor, zu der etwa 500 Personen erwartet werden. Es ist jedoch davon auszugehen, dass es in den Tagen davor wie in den Vergangenheit zu verschiedenen spontanen Aktionen von Nazis in Dresden kommen wird. Insgesamt wurden für den Tag bislang sechs Veranstaltungen bei der Stadt angemeldet.

Nicht erst seit der Absage von Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) zu Gesprächen mit „Dresden Nazifrei“ und dem Rücktritt durch Frank Richter von seiner Funktion als Moderator der städtischen Arbeitsgruppe zum 13. Februar entsteht allerdings der Eindruck, als ob ein Jahr vor den Trauerfeierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Bombardierungen, die Diskussion über die geeignete Form der Erinnerung in der Stadt auf der Stelle tritt. Der vom Leiter der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung (SLpB) kritisierte fehlende Diskurs über die Erinnerungskultur ist jedoch weniger ein Missverständnis, als vielmehr das Markenzeichen einer in Fragen der Geschichte besonders konservativ ausgerichteten Landespolitik. So verwundert es auch nicht, dass sich Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) beim Neujahrsempfang der „Dresdner Neuesten Nachrichten“ für „ein kraftvolles Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und Extremismus“ am 13. Februar aussprach, um damit die Menschenkette letztlich als Symbol für die eigenen politischen Vorstellungen zu instrumentalisieren.

Stellvertretend für den Stillstand des Gedenkens steht das Vorhaben von Yadegar Asisi, im hiesigen Panometer über drei Monate ein 360° Panoramabild des zerstörten Dresdens nachzubilden. In der für 2015 geplanten Ausstellung „Glanz und Tragik einer europäischen Stadt“ sollen Besucherinnen und Besucher nach den Vorstellungen von Asisi vom Rathausturm nicht mehr auf die Barockstadt, sondern hinunter auf das nach den alliierten Bombenangriffen vom 13. und 14. Februar 1945 zerstörte Dresden blicken. Ob sich mit einem solchen Vorhaben etwas an der inhaltlichen Ausrichtung und historischen Bewertung des Tages positiv verändert, bleibt fraglich. Fakt ist aber auch, dass sich mit dem über die letzten Jahre immer kleiner werdenden Naziaufmarsch in Zukunft die Möglichkeit eröffnet, verstärkt das eigentliche Gedenken in den Fokus der Auseinandersetzung zu rücken, um damit etwas stärker am Mythos einer unschuldigen Stadt zu rütteln.

Vom Mythos der unschuldigen Stadt (Februar 2006, Dresden):

Kommentare

  1. Welli sagt:

    Krieg ist immer schrecklich und das was in Dresden passiert ist, ist auch in anderen Städten passiert. Natürlich geht es einem als Dresdner besonders nah und auch ich denke oft daran , nicht nur am 13 Februar, wenn ich durch die Stadt gehe.
    Von den Aktionen, welche am 13.Februar statt finden, distanziere ich mich jedoch. Einzig die Aktion Aufmärsche von Nazis zu verhindern, finde ich zwar richtig. Doch da sich ja auch da Unmengen von Protest-Touristen beteiligen, denen es wohl mehr um das Protestieren im allgemeinen geht und sie es nicht schaffen ohne selbst zu Randalieren, geht der Sinn dieser Aktion etwas unter. Auch solche Aktionen, wie die Menschenkette, finde ich von der Idee her sehr gut. Was aber störend daran ist, ist das sich immer Parteien oder Organisationen als Schirmherr artikulieren und es für sich in Anspruch nehmen, das ihnen so und so viele Leute gefolgt sind. Geht also auch am wahrem Gedenken vorbei.
    Ich würde mir einfach wünschen, das Dresden an diesem Tag besonders friedlich ist. Es keine Reden von egal wem gibt und als einziges Zeichen, die Glöcken geläutet werden und die Sirenen heulen. So kann jeder auf seine Art gedenken und wer Kränze und Blumen auf die Friedhöfe bringen möchte, braucht dazu niemanden der das organisiert.
    Euer Video war trotzdem ein guter Beitrag zu dem Thema!
    MfG Welli

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