Feminismus

Solidaritätskundgebung zum polnischen Frauenstreik in Dresden

1. November 2020 - 19:19 Uhr

Am 30. Oktober fand in Dresden eine Spontankundgebung statt, mit der auf die Situation in Polen aufmerksam gemacht wurde. Dort finden aktuell im ganzen Land zunehmende Proteste gegen ein Urteil des Verfassungsgerichtes vom 22.10. statt. Durch dieses wurden die bereits stark eingeschränkten Möglichkeiten eines legalen Schwangerschaftsabbruches quasi komplett verboten. Trotz des herbstlich-kühlen Regenwetters sammelten sich im Alaunpark um 20 Uhr rund 70 Menschen, um ihre Unterstützung der Forderungen zum Ausdruck zu bringen.

In mehreren auf polnisch, englisch und deutsch gehaltenen Redebeiträgen wurde die prekäre Situation von ungewollte schwangeren Menschen im Nachbarland geschildert und ein Einblick in den aktuellen generationsübergreifenden Aufstand gegeben. Wie eine polnische Aktivistin schilderte, beteiligten sich in den letzten Tagen immer breitere Bevölkerungsschichten an den vielfältigen Protestaktionen, die auch in kleineren Orten des Landes großen Zuspruch fanden. Bereits 2016 war es nach der Ankündigung, Schwangerschaftsabbrüche zu verbieten, unter dem Motto „Czarny Protest“ landesweit zu Protesten zehntausender Menschen gekommen.

Zuletzt waren am Freitag in der Hauptstadt Warschau 100.000 Menschen auf die Straße gegangen. Sie folgten dabei einem Aufruf des polnischen Frauenstreik-Bündnisses nach einem Generalstreik, um gegen die regierende rechtskonservative PiS-Regierung und für das Recht auf Selbstbestimmung zu demonstrieren.

Außerdem wurde auf der Kundgebung von Angriffen polnischer Faschisten und Hooligans auf die Proteste der Frauen berichtet. Neben Hinweisen darauf, wie die Pro-Choice-Bewegung über Ländergrenzen hinweg unterstützt werden kann, wurde auch gefordert, sich die beeindruckenden Leistungen der polnischen Aktivist:innen zum Vorbild zu nehmen und von ihnen zu lernen.

Nach gut einer Stunde wurde die Veranstaltung mit dem Aufruf beendet, eine lokale Ciocia-Basia-Gruppe zu gründen. Die bislang in Berlin, Leipzig und seit neuestem auch in Wien aktiven ehrenamtlichen Initiativen unterstützen ungewollt Schwangere aus Polen und anderen Ländern mit fehlendem Zugang zu sicheren und legalen Abtreibungen dabei, diesen z.B. in Deutschland durchzuführen. Nicht zuletzt angesichts der pandemiebedingten Einschränkungen würde diese Aufgabe immer wichtiger.

Hintergrundinfos über die rechtliche und gesellschaftliche Situation in Polen finden sich in diesem Übersichtsbeitrag:

https://weiterdenken.de/de/2020/10/02/zum-recht-auf-abtreibung-in-polen

Bild: strajkkobiet.eu/


Veröffentlicht am 1. November 2020 um 19:19 Uhr von Redaktion in Feminismus

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