Soziales

Walk of Care in Dresden: Pflegekräfte aller Stationen vereinigt euch!

20. Mai 2022 - 10:15 Uhr

Am Donnerstag den 13. Mai demonstrierten rund 350 Menschen aus dem Pflegesektor in Dresden. Anlass war der Internationale Tag der Pflegenden, welcher jährlich begangen wird. Neben den Organisator:innen des „Bündnis für Pflege Dresden“ riefen Beschäftigte des Uniklinikums, der Gewerkschaften ver.di und FAU zur Demonstration auf. Im Vorfeld der Aktion überreichten Beschäftigte des Uniklinikums der Klinikleitung eine Aufforderung zur Verhandlung eines Tarifvertrags mit dem Schwerpunkt Personalentlastung. Insgesamt 2.587 Unterzeichnende fordern darin eine deutlich bessere Mindestpersonalausstattung.

Gegen 17 Uhr setzte sich der bunte Zug aus Menschen mit Fahnen und Transparenten am Trinitatisplatz in Bewegung und zog zum Kulturpalast, wo die Abschlußkundgebung stattfand. Mit Trillerpfeifen und Sprechchören machten die Teilnehmer:innen lautstark auf ihre Forderungen aufmerksam. Diese reichten von besserer Bezahlung für Pflegekräfte über den Stopp aller Schließungs- und Kürzungspläne bis zur Kollektivierung von Gesundheitswesen und Pharmaindustrie. Die Demonstration stand unter dem Motto „Profite pflegen keine Menschen!“

Im Aufruf zur Demonstration kritisierte das Bündnis, dass die Corona-Pandemie zwar vielen die gesellschaftliche Bedeutung von Pflegeberufen vor Augen geführt hätte, „doch statt endlich die wichtigen grundlegenden Änderungen vorzunehmen, bleibt alles wie es ist oder wird noch schlimmer“. Das Bündnis kritisierte dabei die sogenannte Fallpauschale, die Abwanderung von Pflegekräften aufgrund von Überlastung und die Abspeisungen mit einmaligen Corona-Prämien anstelle einer dauerhaft besseren Bezahlung.

Auf der Demonstration sprachen viele Pflegekräfte über ihren Berufsalltag. Dieser sei geprägt von Überlastung, wenig Zeit für Klient:innen und hoher Frustration. Als dies führt dazu, dass Pflegekräfte immer kürzer in ihrem Beruf arbeiten. Nicht weil ihnen der Beruf nicht liegt, sondern weil schlichtweg die Belastung zu hoch ist, wie ein Sprecher erklärte. Er verwies auf ein Studie von Socium – Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik, die unlängst aufgezeigt hatte, dass die Arbeitsunzufriedenheit in der Pflege deutlich höher ist, als in anderen Berufen. Zudem hätten Pflegekräfte ein deutlich höheres Risiko an körperlichen, psychischen und gesundheitlichen Schäden zu erkranken.

Dennoch mache die Studie auch Mut zum politischen Handeln, so der Redner weiter. Es zeige sich, dass das Pflegekräftepotenzial unerwartet hoch ist. So könnte bei einer Verbesserung der Bedingungen in der Pflege eine Vielzahl von Pflegekräften wieder in ihren Beruf zurückkehren. Bei der von der Hans-Böckler-Stiftung (HBS) mitfinanzierten Studie wurde errechnet, dass bis zu 300.000 Stellen wieder besetzt werden könnten. Optimistische Schätzungen gehen sogar von 660.000 aus. „Die Aussagen sind ein klarer Auftrag an Politik und Arbeitgeber, die Arbeitsbedingungen grundlegend und dauerhaft zu verbessern“, erklärte Sylvia Bühler vom ver.di-Bundesvorstand zur Veröffentlichung der Studie.

Im Nachgang zur Demonstration zeigten sich die Dresdner Organisator:innen erfreut über die Veranstaltung und die rege Teilnahme. „Es war toll, dass wir so viele waren, dass so viele kämpferische Kolleginnen vom UKD dabei waren, dass wir so coole Transparente am Start hatten, dass es so interessante und mitreißende Beiträge gab“, erklärten sie auf Facebook. Die Veranstaltung, so das Bündnis für Pflege Dresden weiter, habe nach zwei Jahren Corona-bedingter Zwangspause Mut und Optimismus verbreitet.

Ungeachtet dieses ersten Erfolges erklärte das Bündnis gegenüber addn.me, dass die Demonstration erst ein Anfang sein könne. Wichtig sei es, sich weiterhin gemeinschaftlich und gewerkschaftlich zu organisieren: „Gemeinsam heißt: alle Berufsgruppen, aus Krankenhäusern und Pflegeheimen und unabhängig von Herkunft, Religion und Hautfarbe.“ Denn, so das Bündnis abschließend: „Nur solidarisch können wir unsere Kraft entfalten und zeigen, dass die Grenzen zwischen oben und unten verlaufen“.

Bild: facebook


Veröffentlicht am 20. Mai 2022 um 10:15 Uhr von Redaktion in Soziales

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