Freiräume

Deutliche Stadtratsmehrheit stimmt Alaunparkerweiterung zu

Etwas verspätet wollen wir an dieser Stelle noch einmal kurz die Geschehnisse zur Zukunft der Westfläche des Alaunparks dokumentieren. Im Augenblick befindet sich das Gelände noch im Besitz des Freistaats, der in der Vergangenheit die Fläche für einen Umzug des Polizeireviers Nord vorgesehen hatte. Die vom Stadtrat in einer Sitzung am 12. Mai mit großer Mehrheit angenommenen Pläne von SPD und den Grünen sehen dagegen eine Nichtbebauung des Grundstücks und einen Rückkauf durch die Stadt vor. Für den Kauf ist ein Budget von 800.000 Euro vorgesehen. Außerdem ist im Erneuerungskonzept für die Neustadt der Einsatz von 1,25 Mio. € zur „Umgestaltung und Erweiterung der Grünanlagen am Alaunplatz“ zwischen 2011 und 2013 geplant. Jedes Jahr aufs neue zeigt sich speziell in den warmen Monaten, dass der Bedarf an Grünflächen in der Äußeren Neustadt weitaus größer ist, als das Angebot. Geeignete Grünanlagen für den Freizeitbereich sind in einem der kinderreichsten Bezirke der Bundesrepublik Mangelware.

Nachdem aus diesem Grund ein Kreis von „Freund/innen des Hauptmann Mumm“ am ersten Mai einen Zugang zu einer seit mehr als zehn Jahren ungenutzten Freifläche westlich des Alaunparks geschaffen hatte, stürmten in den Abendstunden des Tages 50 Beamtinnen und Beamte der Dresdner Bereitschaftspolizei unter dem Einsatz von Gefechtsfeldbeleuchtung das Gelände, um von den etwa 20 anwesenden Menschen die Personalien aufzunehmen. Dazu mussten sich die von der Maßnahme betroffenen Menschen nach eigenen Angaben in dem knapp zwei Stunden andauernden Einsatz fotografieren und durchsuchen lassen. Zuvor hatten Unbekannte in Höhe des Spielplatzes einen Eingang und einen Weg zum Gelände freigelegt. Zeitgleich wurden die zahlreichen Besucherinnen und Besucher des Alaunparks auf Flugblättern über die Aktion informiert und zur Nutzung des Geländes aufgefordert.

Der polizeiliche Großeinsatz, der im Nachgang vom Pressesprecher der Dresdner Polizei, Mario Laske, gegenüber dem Neustadt-Blogger Jan Frintert geleugnet wurde, ist auch deshalb von Brisanz, weil zur etwa gleichen Zeit in der nur 60 Kilometer von Dresden entfernten Kreisstadt Bautzen fast 300 Nazis vermummt und mit Fackeln ausgestattet, ungestört durch das historische Zentrum der Stadt ziehen konnten. Da mutet das rabiate Vorgehen der Polizei wegen des Verdachts auf Hausfriedensbruch und unerlaubten Feuermachens einigermaßen überzogen an.

Die in der Neustadt auch als „Russensportplatz“ bezeichnete Freifläche diente bis 1993 den im Dresdner Norden stationierten sowjetischen Soldaten als Sport- und Exerzierplatz. Nach ihrem Abzug wurde das Gelände dekontaminiert und liegt seitdem brach. Bereits seit mehreren Jahren fordern Vertreterinnen und Vertreter der Parteien von den Verantwortlichen der Stadt, den Platz vom Land zu kaufen, um ihn damit öffentlich nutzbar zu machen.

Mittlerweile wurde das fehlende Zaunstück wieder ergänzt, um die auf dem Gelände befindlichen seit Jahren der Witterung ausgesetzten „historisch wertvollen Steine“ des Staatshochbauamtes nicht weiter zu gefährden.

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