Freiräume

„kick racism“ – Erster antirassistischer Fußballcup im Gedenken an Marwa El-Sherbini

Letzten Sonntag fand parallel zur Mondiali Antirazzisti in Italien im Rahmen der Marwa El-Sherbini Gedenkwoche ein antirassistischer Fußballcup im Heinz-Steyer-Stadion statt. Das Turnier wurde vom Ausländerrat, dem Fanrat des Dresdner Sportclubs und der Gruppe raddix veranstaltet. Insgesamt 24 Teams waren zum Teil aus ganz Deutschland angereist, um auf Alltagsrassismus, Homophobie, Sexismus und Antisemitismus aufmerksam zu machen. Dabei zeigten die Teams, die zum Teil auch in einer emanzipatorischen Fankultur aktiv sind, dass menschenverachtenden Strukturen gerade im Fussball mittlerweile mit Aufklärung und Widerstand begegnet wird.

In seiner Eröffnungsrede wies der Vorsitzende des Ausländerrates, Sebastian Vogel, auf den Alltagsrassismus der sogenannten gesellschaftlichen Mitte hin, der Nährboden für das sei, was sich in seiner schlimmsten Form im antiislamisch motivierten Mord an der Ägypterin Marwa Ali El-Sherbini gezeigt hat. Er forderte zu mehr Mut im Umgang mit alltgäglichen Diskriminierungen auf. Eine Botschaft, die nicht neu ist, aber weiterhin viel zu selten Gehör findet.

Im Casino des Heinz-Steyer-Stadions konnten Besucherinnen und Besucher die Ausstellung „Strafraum Sachsen“ besichtigen, die u.a. vom Verein Roter Stern Leipzig und der Bunten Kurve erstellt wurde. Diese thematisiert in Form von Informationssäulen die Schwerpunkte Antisemitismus, Rassismus, Homophobie, Sexismus und Neonazismus. Dabei geht es jeweils nicht nur um Erscheinungsarten und Ausmaß einer nationalen und rechtsradikalen Fankulutur, sondern die Ausstellung stellt auch eine Vielzahl von Initiativen vor, die sich gegen rassistische Fangesänge, sexistische Beschimpfungen und [gewalttätiges] Fanverhalten engagieren. Ebenso zeigt die Ausstellung, wie die unterschiedlichen Formen der Diskriminierung über den Fußball als Träger die Stadien verlassen können, etwa in Form sexistischer Werbung oder auch dann, wenn Weltmeisterschaft oder Europameisterschaft den Hurra-Nationalismus in Deutschland wieder an die Oberfläche befördern.

Anders als bei üblichen Fußballturnieren ging es bei dem Antira-Cup um das Fördern eines bunten und fairen Zusammenspiels. So waren neben Hobbyvereinen auch Migrant_innenverbände sowie Fan-Initiativen einzelner Vereine, Kulturinitiativen und Jugendverbände der Linken und SPD vertreten. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten den Anlass für einen teils intensiven Austausch von Erfahrungen. So kam dem Turnier vorrangig der Charakter eines Vernetzungstreffens zu. Ob sich daraus etwaige Multiplikatoren ergeben, wird die Zukunft zeigen. Zu hoffen ist, dass u.a. mit Hilfe eines solchen Turniers diejenigen gestärkt werden, die sich seit Jahren für eine emanzipatorische und diskriminierungsfreie Fankultur einsetzen.

Einen Sieger gab es schließlich auch: Die Dresdner Freizeitmannschaft von „Keeds United“ gewannen im Finale gegen das Team des Vietnamesischen Studentenvereins Dresden-Nord (SVVN). Der Trostpreis des Tages ging an das Team „Scheissegal St. Pauli“, bei dem im Turnierverlauf gleich zwei Spieler_innen verletzungsbedingt ausfielen und mit einem Krankenwagen abtransportiert werden mussten. Die Marwa El-Sherbini Mahnwoche, die bereits am 2. Juli mit einer Erinnerungsstunde begann, findet ihren Abschluss am kommenden Freitag. In der Blauen Fabrik geht es dann in einer Veranstaltung der Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt um „racial profiling“ der Sicherheitsbehörden und seine Folgen für die Betroffenen.

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