Feminismus

Fußball-Ausstellung im Zentralwerk: Fantastic Females

5. April 2022 - 14:01 Uhr

Am vergangenen Samstag fand im Zentralwerk Dresden die Eröffnungsveranstaltung zur Ausstellung „Fantastic Female – Football her.Story“ statt. Die Ausstellung beschäftigt sich mit der Beteiligung an und der Perspektive von Frauen auf die Fußballfankultur. Sie wurde vom Fanprojekts Dresden und dessen Ehrenamtsgruppe in die Landeshauptstadt geholt und ist noch bis zum 9. April jeweils zwischen 14 und 20 Uhr im Saal des Zentralwerks im Stadtteil Pieschen zu sehen.

Die Ausstellung wirft einen umfangreichen Blick auf Frauen im europäischen Fußball. Die Idee wurde in einem Workshop im Rahmen eines Treffen des Netzwerkes Football Supporters Europe (FSE) geboren und ist Resultat einer langjährigen Vernetzung weiblicher Fußballfans. Für den deutschsprachigen Raum beteiligte sich die Initiative „F_in – Frauen im Fußball“ an der Ausgestaltung. Seit mehreren Jahren tourt die Ausstellung durch verschiedene europäische Städte. Nachdem zunächst die Corona-Pandemie dazwischenfunkte, ist das umfangreiche und spannende Material nun auch in Dresden zu sehen.

In dutzenden Interviews beleuchtet die Ausstellung „die Historie weiblicher Fankultur und den Weg von Frauen im Fußball in Europa von damals bis heute“. Dabei geht sie vielen Fragen nach: Wann und in welchem Kontext tauchten Frauen erstmals in der Fußballgeschichte auf? Ab wann fingen weibliche Fans an, sich zu organisieren und ein aktiver Teil der Fankultur zu werden? Oder auch: Wie wurden und werden Frauen im Fußball in den Medien dargestellt und stimmt das Gerücht, dass Frauen im Stadion zur Beruhigung beitragen und Gewalt verhindern? Mit QR-Codes können die Interviews abgerufen werden, in denen Frauen ihre Geschichten, Erfahrungen und Gefühle in den Fanszenen erzählen. Das geht auch von zu Hause aus, ein entsprechendes Ticket kann gegen eine kleine Spende im Zentralwerk erworben werden.

Das Projekt versteht sich dabei weniger als Ausstellung über Frauen, sondern vielmehr als Ausstellung über Fankultur aus weiblichen Perspektiven, wie die Mitgründerin  von „F_in – Netzwerk Frauen im Fussball“ und Leiterin des Fanprojektes der Kickers Offenbach, Antje Hagel, dem Publikum im Zentralwerk erklärte. Die Kulturwissenschaftlerin beschäftigt sich seit mehreren Jahrzehnten auf professioneller wie auch auf ehrenamtlicher Ebene mit Sexismus im Fußball, gendersensibler Fanarbeit und Repression und war auch an der Ausgestaltung der Ausstellung beteiligt. In einem kurzen Beitrag vor Beginn der Ausstellung erklärte sie, dass Frauen schon immer in Fußballkontexten aktiv gewesen seien. Mit gesellschaftlicher Repression, etwa dem Verbot von Frauenfußball, seien Frauen herausgedrängt und Fußball zur „Männersache“ erklärt worden. Zwar habe sich daran einiges geändert, so Hagel, die Unsichtbarkeit von Frauen, sowohl im professionellen Bereich, als auch in der Fankultur sei aber weiterhin ein großes Problem. Dem soll die Ausstellung Abhilfe schaffen und Frauen ermutigen, sich im Fußball zu engagieren.

Dass dies durchaus Erfolg hat, zeigt der Film „Immer wieder Dynamo„, welcher durch die Ausstellung Fantastic Females inspiriert und im Anschluss an den Beitrag von Antje Hagel gezeigt wurde. Die einstündige Dokumentation war bereits am 8. März 2021 veröffentlicht worden und Interviewt mehrere weibliche Dynamo-Fans. Die Akteurinnen sind vielfältig in die Aktivitäten des Vereins eingebunden: Ob im Fanprojekt, in der Geschäftsstell oder als Fans, jung oder alt. Sie vereint ihre Liebe zum hiesigen Verein. Die Dokumentation gibt persönliche und durchaus kritische Einblicke zu Themen wie Repression, Polizei, Emotionen, Familie, Tradition oder Arbeit. Insbesondere wenn die jungen Protagonistinnen über ihre Erfahrungen im männlich dominierten K-Block sprechen wird deutlich, dass Frauen im Fußball und besonders bei Dynamo Dresden immer noch keine Selbstverständlichkeit sind.

Auf der Podiumsdiskussion im Nachgang der Filmvorführung berichtet eine Frau, dass es auch negative Reaktionen auf den Film gab. Im Großen und Ganzen habe die Resonanz jedoch die Erwartungen der Beteiligten übertroffen. Bis heute wurde der Film über 85.000mal auf Youtube geschaut und hat bundesweit für Aufmerksamkeit in den Fanszenen gesorgt. Dies, so mutmaßte eine Beteiligte auf dem Podium, könnte vor allem daran gelegen haben, dass von Dynamo Dresden niemand so ein Projekt erwartet hätte. Sorgte doch ein Teil des Dynamo-Anhangs mit sexistischen Spruchbändern bundesweit wiederholt für negative Aufmerksamkeit.

Dass die Ausstellung Fantastic Females in Dresden gastiert, ist ein Gewinn weit über die organisierte Fanszene Dresdens hinaus. Auch für alle jene, die eher versuchen, der Fußballfankultur Samstag für Samstag aus dem Weg zu gehen, bietet sie interessante und ehrliche Einblicke. Insbesondere dazu, was Frauen antreibt, trotz aller Widerstände Woche für Woche die Stadien Deutschlands zu besuchen. Allein bei der Sportgemeinschaft sind ein Fünftel aller Dauerkartenbesitzer:innen Frauen. Es bleibt zu hoffen, dass die Ausstellung gut besucht wird und einen weiteren Schritt hin zur Öffnung der Fankultur für Frauen darstellt.

Bild: Fanprojekt Dresden


Veröffentlicht am 5. April 2022 um 14:01 Uhr von Redaktion in Feminismus

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