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Antifaschistische Spontankundgebung vor russischem Kulturverein

Heute Nachmittag versammelten sich etwa 40 Menschen vor dem Gebäude des neu eröffneten deutsch-russischen Kulturinstituts e.V. in der Radeberger Vorstadt in Dresden. Mit der Aktion wollten sie an die Ermordung eines russischen Antifas in Moskau erinnern.

Gegen 15 Uhr war im Haus des Vereins die feierliche Eröffnung eines „Russischen Zentrums“ geplant. Es ist das erste derartige Zentrum im deutschsprachigen Raum und mit den deutschen Goethe-Instituten vergleichbar. Neben dem Dresdner Ordnungsbürgermeister Detlef Sittel war auch der russische Generalkonsul in Deutschland eingeladen worden.

Eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn tauchten plötzlich 40 junge Menschen vor der Villa in der Zittauer Straße auf und verteilten Flyer und Flugblätter an zufällig vorbeikommende PassantInnen und BesucherInnen der Veranstaltung. Anlass war die Ermordung des russischen Antifaschisten Iwan Chutorskoi am Montag. Iwan war am 16. November im Hauseingang seiner Moskauer Wohnhauses erschossen worden. In Moskau ist dies bereits der sechste Mord an Antifaschisten durch militante Nazis. Im April 2006 starb der 19-jährige Alexandr Rjuchin an Messerstichen, im März 2008 wurde bei einem Messerangriff Alexej Krylow getötet. Im Oktober 2008 wurde Fedor Filatow, ein antifaschistischer Skinhead, neben seinem Hauseingang ermordet und am 28. Juni 2009 starb der Antifaschist Ilja Dshaparidse bei einem Überfall durch Nazis.

Am 19. Januar diesen Jahres wurde bereits der antifaschistisch engagierte Menschenrechtsanwalt Stanislav Markelov und die Journalistin Anastasia Baburowa nach der Pressekonferenz über den Prozess gegen einen Offizier der russischen Armee auf offener Straße erschossen. Als Täter kommen nach Angaben von Ermittlern auch russische Nazis in Betracht. Leider wird bei Übergriffen und Morden auf MenschrechtsaktivistInnen oder mit fremdenfeindlichen Motiven in der russischen Justiz nur sehr schleppend ermittelt. Wenn dann doch einmal Täter ermittelt und verurteilt werden, dann fallen die Strafen oft vergleichsweise gering aus. Aus diesem Grund ist es wichtig, die eklatanten Menschenrechtsverstöße in Russland öffentlich zu machen und sich mit den Opfern zu solidarisieren.

Die Organisatoren der Veranstaltung im Kulturinstitut reagierten nicht besonders erfreut über die Versammlung vor ihrem Haus und versuchten, über den Sinn und Unsinn der Protestaktion gerade an diesem Ort zu diskutieren. Nach einem offenen Gespräch wurde von Seiten der Veranstalter schließlich die Möglichkeit gegeben, mit dem Generalkonsul zu sprechen und ihm einen Flyer mit den Hintergründen der Tat zu überreichen. Nach einer dreiviertel Stunde wurde die Aktion ohne besondere Vorkommnisse beendet. Die Polizei war diesmal erfreulicherweise nicht vor Ort.

Für die Familie von Iwan wurde ein Spendenkonto eingerichtet, um die Kosten für seine Beerdigung bezahlen zu können.

Bella Ciao Genosse Иван Хуторской!!!

Die sehenswerte Dokumentation „Antifascist Attitude“ über die Arbeit von AktivistInnen in Russland findet ihr hier:

Kommentare

  1. c&p sagt:


    Festnahmen im Fall Markelov / Baburova


    * aka * 19.11.2009 – 19:34

    Am Vorabend des „Tags der Nationalen Einheit“ und den „Russischen Märschen“ radikaler Nationalisten wurden Evgeninja Chasis und Nikita Tichonov im Zusammenhang mit dem Mord an Stas Markelov und Nastja Baburova festgenommen. Beide gehören zur militanten, freien Naziskinszene. Tichonov war in den „Vereinigten Brigade – 88“ (OB-88), die mit mehreren Morden in Zusammenhang gebracht werden. Unter anderem auch den Mord an dem Antifaschisten Alexandr Rjuchin, deren Eltern Markelov vertrat.

    Die russische Antifa glaub nicht daran, daß Tichinov und Chasis die Täter waren. Seit Tagen gibt es Diskussionen, wer eigentlich dahinter steckt. Der erneute Mord mit einer Schußwaffe könnte darauf verweisen, daß es in Moskau sehr viel gefährlichere paramilitärische Kreise als die Nationalsozialisten des „Slawischen Bundes“ (SS), der „Bewegung gegen illegale Einwanderung“ (DPNI) oder dumpfe Naziskinschläger gibt. Beide Nazigruppen haben sich distanziert und schiben den schwarzen Peter weiter an geheimnisvolle geheime Sicherheitseinheiten.

    Wahrscheinlcher ist allerdings, daß freie Nazis mit guten Kontakten zu Sicherheitskreisen und / oder kremlnahen Jugendorganisationen in Moskau eine „Todesliste“ abarbeiten und seit Monaten prominente Antifaschisten töten. Ein Kontaktmann zu kremlnahen Strukturen ist Maximo Mischenko, Parteimitglied der regierenden Partei „Edinja Rossija“ (Einiges Russland) und Chef der Jugendorganisation „Rossija Molodaja“ (Junges Russland). Er pflegt sehr gute Kontakte zur militanten Nazisszene.
    http://aka.blogsport.de

    Quelle:
    http://de.indymedia.org/2009/11/266389.shtml

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