Antifa

Antifaschistischer Laienchor singt zum 8. Mai im Pirnaer Zentrum

17. Mai 2021 - 17:56 Uhr

Singende Personen im Kreis auf einem Platz in Pirna

Anlässlich des 76. Jahrestages der Befreiung vom Nationalsozialismus trat der antifaschistische Laienchor Pir-Moll zur Mittagszeit des 8. Mai im Klosterhof des ehemaligen Dominikanerklosters von Pirna auf. Während sich die warmen Sonnenstrahlen durch das satte Maigrün der Bäume im Klosterhof bahnten, richteten sich die Mitglieder des 2017 in Pirna gegründeten Chors mit mahnenden Worten an die anwesenden Menschen im Pirnaer Stadtzentrum.

„Bereits kurz nach der Machtübergabe an die Nazis, begann hier im Landkreis ab März 1933 die Einrichtung der ersten Konzentrationslager. Dies gilt beispielsweise für die Burg Hohnstein, die ehemalige Herberge Halbestadt (Königstein), das Amtsgericht Altenberg, das Schloss Struppen und andere. Tausende überwiegend Oppositionelle wurden inhaftiert, gefoltert, viele ermordet. Die genauen Zahlen aller Konzentrationslager und Haftstätten dieser Phase sind auch nach über 70 Jahren noch nicht abschließend geklärt.“ Noch im März 1945 waren in der Region hunderte Menschen in Konzentrationslagern gefangen oder wurden auf so genannten Todesmärschen durch den Landkreis geschickt.

Bis heute bleibt der Landkreis Sächsische Schweiz/Osterzgebirge schwieriges Terrain für antirassistische und antifaschistische Arbeit. Eindeutige Wahlergebnisse, militant und organisiert aufgetretene Neonazis, rassistische Übergriffe auf Menschen und zuletzt Versammlungen aus dem rechten Spektrum in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Zwischen in verschiedenen Sprachen vorgetragenen antifaschistischen Liedern füllten kurze Redebeiträge die Pausen. Auch ein Text des VVN-BdA Sachsen wurde verlesen.

Die Lieder stammen überwiegend von Autor:innen, welche selbst im Widerstandskampf aktiv waren oder verfolgt wurden. Das Repertoire wird immer wieder erweitert. Vor allem Lieder für Freiheit, antirassistische Lieder, Lieder über Gleichberechtigung und Ungleichheit, antifaschistische jiddische Lieder, Lieder aus Revolutionen, feministische Lieder, Lieder über Gefangenschaft, Streik und den Kampf für eine gerechte Welt interpetriert der Chor. Gesungen wird unter anderem auf Griechisch, Englisch, Italienisch, Französisch, Deutsch, Jiddisch, Hebräisch, Serbo-Kroatisch, Russisch, Spanisch und Nguni.

Gegen rechte Tendenzen und Diskriminierung in Pirna und Umgebung vorzugehen, machte sich das Alternative Kultur- und Bildungszentrum AKuBiZ e. V. 2001 zur Aufgabe. Geschichtliche Aufarbeitung und Jugend- und Kulturarbeit gehören zu den Schwerpunkten des Vereins. Auch im Rahmen des Chorauftritts richtete sich das AKuBiZ mit einigen Worten an die Anwesenden: „Wir wünschen uns allen, dass wir den Mut haben nazistischen Tendenzen entschlossen und kraftvoll entgegenzutreten. Dass wir dort aktiv und laut sind, wo es weh tut. Seit 20 Jahren gibt es das AKuBiZ in Pirna und wir werden uns auch in Zukunft nicht entmutigen lassen.“ 

Reibungslos endete nach zwei Stunden die Veranstaltung im Pirnaer Klosterhof. Bei wem das Interesse am Chor geweckt wurde oder wer sich selbst gern beteiligen möchte, findet hier den Kontakt: https://www.pir-moll.de/kontakt/.


Veröffentlicht am 17. Mai 2021 um 17:56 Uhr von Redaktion in Antifa

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