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Erinnerungsprojekt in Lety rückt in greifbare Nähe

Nach jahrzehntelangem Kampf steht der Errichtung einer Gedenkstätte in Erinnerung an die im Zweiten Weltkrieg im tschechischen Konzentrationslager Lety ermordeten und deportierten Menschen offenbar nichts mehr im Weg. Erst am Montag hatte der tschechische Kulturminister Daniel Herman (KDU-ČSL) mitgeteilt, eine Einigung mit den Eigentümern der Schweinemastanlage über den Verkauf der Anlage erzielt zu haben. Nun muss nur noch das tschechische Parlament im September den Plänen zustimmen. Erst im Mai hatten rund zweihundert Menschen am Jahrestag der Deportation aller verbliebenen Häftlinge in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau gedacht und sich für ein würdiges Gedenken eingesetzt. In dem Konzentrationslager starben in der Zeit des Nationalsozialismus mehrere hundert Menschen, die meisten davon Sinti und Roma.

In einer ersten Stellungnahme begrüßte ein Sprecher der Dresdner Gruppe gegen Antiromaismus das Vorhaben: „Damit scheinen sich die hartnäckigen und mitunter unbequemen Kämpfe um das KZ Lety endlich auszuzahlen. Wir begreifen uns als Teil der Protestbewegung, die nicht locker gelassen hat und dieses Thema immer wieder auf die Tagesordnung setzte. Jetzt muss auch die deutsche Regierung endlich ihre Verantwortung übernehmen und sich finanziell am Kauf beteiligen.“ Die Verantwortung für die Konzeption und Verwaltung der künftigen Gedenkstätte soll an das Museum für Roma-Kultur in Brno in Zusammenarbeit mit dem „Komitee für die Entschädigung der Opfer des Roma-Holocausts“ übertragen werden, welches seit mehreren Jahren die Gedenkveranstaltung in Lety organisiert hatte.

Das ehemalige Konzentrationslager war 1939 als Strafarbeitslager im Rahmen des nationalsozialistischen Programmes „Vernichtung durch Arbeit“ errichtet worden. Dabei wurden die inhaftierten Menschen unter katastrophalen hygienischen Bedingungen zur Arbeit gezwungen. Allein zwischen August 1942 und Mai 1943 waren insgesamt 1308 Roma im KZ Lety eingesperrt, 327 von ihnen starben, mehr als 500 wurden nach Auschwitz-Birkenau verschleppt und umgebracht. Nach dem Krieg entstand in den 1970er Jahren auf dem ehemaligen Lagergelände eine Schweinemastanlage, die bis heute ein würdevolles und angemessenes Erinnern verhinderte.

Nachdem Anfangs führende tschechische Politiker immer wieder versucht hatte, den Status von Lety als Konzentrationslager zu leugnen, ist es vor allem den kontinuierlichen Protesten tschechischer Roma-Organisationen zu verdanken, dass solche Positionen inzwischen der Vergangenheit angehören: „Dass diese unsägliche Schweinmastanlage über vierzig Jahre an dem Ort eines Konzentrationslagers für Roma stehen konnte ist ein Skandal. Gleichzeitig ist diese Tatsache jedoch auch ein gesamteuropäisches Symbol für die mangelnde Anerkennung und Aufarbeitung des Roma-Holcausts. Mit dem Aufkauf des Geländes und dem Errichten einer würdigen Gedenkstätte kann in Lety die Auseinandersetzung mit diesem historischen Verbrechen wie auch mit der fortdauernden Diskriminierung von Sinti und Roma in Europa beginnen.“

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