Soziales

Forderung nach mehr Fahrradstellplätzen an der TU

5. Juli 2016 - 23:01 Uhr

Vor dem Hintergrund einer seit Jahren steigenden Zahl von Radfahrerinnen und Radfahrern, hat es sich eine Initiative von Studierenden der TU Dresden zum Ziel gesetzt, an der Universität mehr Abstellmöglichkeiten für Fahrräder zu schaffen. Dazu wurden in den zurückliegenden Tagen an mehreren ausgewiesenen Stellen mit Kreide und Farbe Markierungen mit der Forderung nach 2.500 neuen und sicheren Fahrradstellplätzen hinterlassen. Zugleich riefen sie die TU Dresden dazu auf, den Druck auf andere Beteiligte wie das Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) und die Stadt Dresden zu erhöhen, um gemeinsam ein Gesamtkonzept für einen attraktiven, fußgänger- und radfahrerfreundlichen Campus zu erarbeiten.

Bereits Mitte Mai hatten sich aus diesem Grund Teile der Studierendenschaft mit der Universitätsleitung auf einer Podiumsdiskussion unter dem Motto: „Campus: Grün, offen, lebendig – autofrei?“ mit dem Thema „Mobilität“ beschäftigt. Während von Seiten der Studentinnen und Studenten auf die Notwendigkeit eines Mobilitätsbeauftragten hingewiesen wurde, sehen Rektorat und Stadtverwaltung derzeit lediglich einen Bedarf bei der Schaffung weiterer PKW-Stellplätze, um damit den Anforderungen einer wachsenden Universität gerecht zu werden. Obwohl es sowohl von Seiten der Fakultät Verkehrswissenschaft, als auch dem Institut für Landschaftsarchitektur, viele Ideen und Ansätze zur Neugestaltung des Campus gibt, scheiterten viele der eingebrachten Vorschläge an der fehlenden Zuständigkeit der TU bei der Gestaltung des Universitätsumgebung.

Dass ein Mehr an Fahrradbügeln dabei helfen könnte, gerade in den Sommermonaten die Stellplatzsituation an einigen Stellen zu verbessern, dürfte auch der Universitätsleitung nicht verborgen geblieben sein. Dennoch wird vor allem im Winter und der vorlesungsfreien Zeit klar, dass es alternativer Konzepte bedarf, wenn die bereits existierenden Fahrradständer und Fahrradbügel häufig ungenutzt bleiben und die meisten Studierenden den Drahtesel gegen die kuschelige Atmosphäre in völlig überfüllten Bussen und Bahnen eintauschen. Viel wichtiger ist jedoch eine Diskussion darüber, wie die Radwegsituation auf dem Campus insgesamt verbessert und das Radfahren für Studierende attraktiver gemacht werden kann. Warum gibt es zum Beispiel abseits der als Radweg ausgewiesenen Strecken kaum die Möglichkeit, problemlos von einem Gebäude zum nächsten zu fahren, ohne dabei auf Grund von Treppen vom Rad absteigen zu müssen?

Angesichts des Zustandes des Radwegenetzes an Dresdens größter Universität ist es eigentlich verwunderlich, dass überhaupt eine nennenswerte Anzahl Studierender mit dem Fahrrad zur Uni fährt. Jede Person, die schon einmal die Nürnberger Straße mit dem Fahrrad in beide Richtungen gefahren ist, weiß um die Problematik. Der viel zu schmale Radweg wurde seit Jahren nicht mehr erneuert, ist holprig und aus diesem Grund fast nicht nutzbar. Deswegen weichen die meisten Radfahrerinnen und Radfahrer zum Überholen und Umfahren der schlimmsten Stellen häufig auf den benachbarten Fußweg aus. Ganz ähnlich ist die Situation für Menschen, die vom Hauptbahnhof auf einem äußerst schmalen Radweg hoch in Richtung Zellescher Weg fahren müssen. Da auch dort Überholen kaum möglich ist, gestaltet sich nicht nur der Anstieg entsprechend schwierig, sondern ist im Bereich der Haltestelle Reichenbachstraße geradezu gefährlich.

Andere, ebenfalls stark von Radfahrerinnen und Radfahrern frequentierte Strecken, lassen Radwege gleich gänzlich vermissen. Ein Beispiel dafür ist die Ackermannstraße, welche die Fakultäten der Wiener Straße und des Weberplatzes mit dem Hauptcampus verbinden. Wer dort mit dem Fahrrad eingezwängt zwischen parkenden Autos auf der einen und Straßenbahnen sowie Autoverkehr auf der anderen Seite unterwegs ist, bekommt häufig Probleme mit dem motorisierten Kraftverkehr. Dabei reichen die oft lebensgefährlichen Maßregelungen vom Hupen über dichtes Auffahren bis hin zum knappen Überholen. Aus diesem Grund ist die Forderung nach einer besseren Fahrradinfrastruktur, auch in Form von Parkbügeln, berechtigt. Dennoch sollte dabei auch nicht die desolate Gesamtsituation für radelnde Menschen in Dresden vergessen werden, welche bereits in diesem Jahr drei Menschen das Leben kostete.


Veröffentlicht am 5. Juli 2016 um 23:01 Uhr von Redaktion in Soziales

Ergänzungen

  • Lieber Paul,

    vielen Dank für diesen Artikel! In der Hochschulgruppe Fahrrad haben wir natürlich auch die Radwege im Blick, aber so lange gibt’s uns ja noch nicht und alles gleichzeitig kann man nicht anpacken.
    Für 2020 oder später, wenn die Straßenbahn entlang von Nürnberger Straße und Zelleschem Weg gebaut wird, sind wir jetzt schon im Gespräch mit dem Stadtplanungsamt, um unsere Ideen für Fuß- und Radverkehr mit einzubringen 😉

    Entspanntes und sicheres Radfahren wünscht
    Gregor

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