Soziales

Nachrichten aus dem Süden Europas – Griechenland (5)

30. Dezember 2015 - 22:14 Uhr

In Zusammenarbeit mit dem Internationalistischen Zentrum Dresden

Seit dem 24.12. ist eine Delegation des „Internationalistischen Zentrums“ aus Dresden in Griechenland. Das Ziel ihrer Reise ist es, Informationen über die aktuelle Situation von Geflüchteten zu sammeln. Gleichzeitig wollen sie zusammen mit dem Dresden-Balkan-Konvoi herausfinden, welche selbstorganisierten Solidaritätsgruppen und Projekte es derzeit in Griechenland gibt und wie diese unterstützt werden könnten. In ihrer ersten Erklärung betonen Sie, wie wichtig es ist, dass Solidarität einen politischen Rahmen bekommt. Fluchtursachen sind ihrer Ansicht nach zumeist politisch-ökonomischer Natur und eine ausschließlich „karitativ“ verstandene Hilfe würde nichts an der Abschottungspolitik Europas und den „globalen Ausbeutungsverhältnissen“ ändern. Dabei beziehen sie sich u.a. auf neo-koloniale Ausbeutungsverhältnisse, die Unterstützung von Diktaturen und autoritären Regimen sowie eine zunehmende Militarisierung der europäischen Außengrenzen.

Seit dem 24.12. sind sie in der nordgriechischen Stadt Thessaloniki und erhalten dabei Unterstützung durch die antiautoritäre Plattform Alpha Kappa, in deren besetzten Haus sie untergebracht wurden. Gemeinsam mit Menschen vom Dresden-Balkan-Konvoi machten sie zunächst auf den Weg zu ihrer ersten Station in Eidomeni, einem Ort an der griechisch-mazedonischen Grenze (Fotos). Bereits seit Dezember 2014 existiert dort ein gesonderter Grenzübergang für Menschen auf der Flucht. Innerhalb der letzten drei Monate wurde durch massive Repression eine Infrastruktur errichtet, die es heute möglich macht, Geflüchtete zu selektieren, um damit ungewollte Migrationsbewegungen zu illegalisieren. Die Gruppe berichtet darüber in einem ihrer Reiseberichte.

Die zweite Station war das Orfanotrofio in Thessaloniki. Ein Ort, der von Geflüchteten, dem „antiautoritären Raum“ und weiteren politisch aktiven Menschen gemeinsam besetzt und verwaltet wird. Mit der Schließung der Grenze in Eidomeni vor drei Wochen wurde die Notwendigkeit selbstverwalteter Räume gerade für die an der Grenze abgelehnten geflüchteten Menschen sichtbar. „Für viele war spätestens an dem Punkt klar, dass gehandelt werden musste“, so ein Teilnehmer der Delegation gegenüber addn.me. Das besetzte Haus ist dringend auf Unterstützung angewiesen. Über die Möglichkeiten, wie das Orfanotrofio direkt unterstützt werden kann, wird gerade diskutiert. Denkbar wäre z.B. eine Einbindung in den momentan in Griechenland und Deutschland diskutierten antiautoritären, internationalen Solidaritätsfond.

In den nächsten Tagen soll es für die Delegation weiter in Richtung Mazedonien gehen. Dort wollen sie sich mit verschiedenen No Border Aktivistinnen und Aktivisten treffen, um Einblicke in ihre Arbeit zu erhalten. So gibt es z.B. ein Notfalltelefon für Refugees. Zudem gibt es die Idee, illegalisierte Menschen auf ihrem Weg durch die Wälder und an den Straßen Mazedoniens mit Hilfsgütern, wie Winterkleidung, Nahrungsmitteln oder Medizin zu versorgen. Später soll es für die Delegation dann noch weiter in die Hauptstadt Athen und auf die griechischen Inseln Lesbos und Chios gehen, wo sie wieder auf den Dresdner-Balkan-Konvoi treffen werden.

Wer mehr über ihre Reise erfahren möchte, sollte einen Blick auf ihre Homepage werfen, auf der sie in regelmäßigen Abständen über ihre Erfahrungen und Erlebnisse berichten. Nach dem Abschluss ihrer Reise wollen sie ihre Eindrücke mit Vorträgen und Diskussionen auch nach Dresden tragen. Für aktuelle Informationen sind auch die beiden folgenden Twitteraccounts empfehlenswert: Asylum Seekers Movement | Dresden-Balkan-Konvoi


Veröffentlicht am 30. Dezember 2015 um 22:14 Uhr von Redaktion in Soziales

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