Soziales

Skate- und Bikepark statt Parkplatzwüste im Rudolfkiez

10. Mai 2021 - 10:52 Uhr

Am 6. Mai ging die Anwohner:inneninitiative „Rudolf Rollt“ mit einer e-Petition an die Öffentlichkeit. Die an den Stadtrat und Oberbürgermeister Dirk Hilbert gerichtete Petition setzt sich für eine alternative Nutzung des im so genannten Rudolfkiez geplanten Baus eines Privatparkplatzes auf dem DREWAG-Gelände ein. Statt eines Parkplatzes will die Initiative an gleicher Stelle einen unkommerziellen sozialen Ort für Alle in Form eines Skateplatzes sowie eines Pumptracks für Radfahrer:innen in Kombination mit einer Grünanlage schaffen.

Entlang der Friedensstraße hat sich in den letzten Jahren so einiges geändert. An der Ecke zur Fritz-Reuter-Straße verschwand eine große Gartensparte. Etwas weiter die Straße runter wurde eine große Industriebrache der Deutschen Bahn (DB) neu erschlossen: Gebäude abgerissen, eine neue Straße und ein neues Schulgebäude gebaut. Wie überall in der Stadt ist auch im Rudolfkiez räumliche Verdichtung und Flächenversiegelung zu beobachten. 

Gleichzeitig weiß, wer sich ein wenig im Viertel auskennt, dass hier ganz regelmäßig das Ordnungsamt auf der Suche nach falschparkenden Autos Streife läuft, die im Viertel aus der Not heraus gern mal in der zweiten Reihe oder an der Straßenecke geparkt werden. Dabei ergibt sich zwar ein Bild, dass auf deutschen Straßen selten zu sehen ist: es wirkt ein wenig wild und unsortiert. Gleichwohl geht die Parksituation aber zu Lasten von Menschen, die beispielsweise auf abgesenkte Bordsteine angewiesen sind, um Straßen überqueren zu können.

Ob das Unternehmen SachsenEnergie diese Situation vor Augen hatte, als es die Planung bekannt gab, auf einem Areal nahe des neuen Schulgebäudes an der Friedensstraße einen Parkplatz einzurichten? Tatsächlich erscheint es gar nicht so abwegig, dass das Unternehmen auch die konkrete Situation im Viertel in die Planungen mit einbezogen hat – und natürlich die unmittelbare Nähe zum Neustädter Bahnhof und dem jenseits der Hansastraße entstandenen Bürokomplex, welche zahlungskräftige Autofahrer:innen versprechen.

Gegen die Pläne gab es jedoch bereits vielfältigen Protest und der Stadtbezirksbeirat Neustadt stellte sich gegen das Vorhaben. Nun kommen zwei Petitionen hinzu, die sich für andere Konzepte stark machen. Die Initiative „Rudolf Rollt“ setzt sich für die Einrichtung eines Skateplatzes und einer „Erschließung neuer Räume für Begegnung ohne Konsumzwang“ ein. Auch weisen die Initiator:innen der Petition auf eine drohende Zunahme des Autoverkehrs durch den geplanten Parkplatz hin und kritisieren die Folgen für die Mobilitätswende. In unmittelbarer Nähe zur neu entstandenen Schule sei ein altersgerechter Sportplatz sehr viel naheliegender, als ein Parkplatz, der den Autoverkehr fördere.

„Wir brauchen einen sozialen Ort, der für Jung und Alt Möglichkeiten bietet, sich sportlich und sozial zu betätigen und damit eine nachhaltige Verbesserung der Lebenssituation in der Neustadt ermöglicht. Durch die Verbindung mit Grünfläche und Sitzmöglichkeiten kann so, ein kultur- und milieuübergreifender Ort entstehen.“ heißt es von Rudolf-Rollt. Skateparks und Pumptracks seien seit Jahren erprobte und beliebte Orte, die sich reger Nutzung erfreuen, hält die Initiative fest. „In der gesamten Neustadt gibt es keine einzige Anlage dieser Art und die Aktiven müssen auf Straßen und öffentliche Plätze ausweichen oder weite Wege in Kauf nehmen. Der Mangel solcher Orte kann zu Interessenskonflikten mit anderen Nutzer:innen, wie an den Terrassen der Elbnächte.“

In Sozialen Netzwerken hat die Petition bereits großen Zuspruch erfahren, so teilte der internationale Slopestyle und Social Media-Star Lukas Knopf aus Chemnitz den Aufruf von „Rudolf Rollt“ in seiner Insta-Story. Innerhalb von wenigen Tag unterzeichneten mehr als 3.000 Personen die Petition. Für die Aktivist:innen scheint die e-Petition jedoch nur der Anfang einer breiteren Kampagne zu sein, so geben sich die Aktivist:innen kämpferisch: „Unser klares Ziel ist es, einen breiten politischen Druck aufzubauen, denn das ist die einzige Chance, unser Vorhaben umzusetzen. Wir werden zeigen, dass es einen großen Bedarf zur Schaffung sozialer Orte gibt und sich viele der Anwohner:innen eine andere Nutzung für dieses Gelände wünschen“ betont die Initiative.

Ganz ähnlich argumentiert eine zweite Petition, welche die Schaffung eines Parks mit integriertem Open Air Gym und eines Stadtteilgartens vorschlägt. Rudolf-Rollt erklärte gegenüber addn.me, mit den Zeichner:innen der Open Air Gym-Petition in Kontakt zu stehen und auf eine gemeinsame Lösung des Areal hinzuarbeiten. Gemeinsam haben beiden Petitionen, dass sie eine „Parkplatzwüste“ auf dem Areal verhindern wollen.

Tatsächlich existiert im Viertel bereits eine Parkfläche, die allerdings Nachts unbenutzt bleibt: der Parkplatz einer Supermarktfiliale in der Hansastraße 50. Auf Anfrage teilte ein Mitarbeiter des Unternehmens mit, dass die Nutzung durch Anwohner:innen untersagt sei. Ob der Konzern bereit wäre, eine Veränderung dieses Zustands anzugehen, ließ das Unternehmen offen. Auch die Corona-Pandemie könnte als Argument für die „Rudolf Rollt“-Initiative herangezogen werden. Denn auch wenn die Ansteckungsraten im Freien nach wie vor gering sind, zeigen die ersten sonnigen Tage, dass Platz im Freien und Grünen rar ist. So lange Cafés und Bars geschlossen bleiben, ist der Zustrom auf öffentliche Grünflächen groß. Die Lösung wäre natürlich nicht, den Zugang zu diesen Grünflächen zu reglementieren, sondern neue zu schaffen.


Veröffentlicht am 10. Mai 2021 um 10:52 Uhr von Redaktion in Soziales

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