Soziales

Tatort am Albertplatz markiert

Mit Glasscherben, Farbe und Graffiti haben Unbekannte am Albertplatz für kurze Zeit einen Ort markiert, an dem vor gut zwei Wochen eine 24jährige Frau vergewaltigt worden war. Die junge Frau hatte sich am 27. Februar zwischen 7 und 9 Uhr auf die Parkbank vor einem Brunnen gesetzt und wurde dort kurz darauf von einem Mann angesprochen. Anschließend hielt er ihr den Mund zu und zog die Frau in ein angrenzendes Gebüsch. Nachdem der 185-190cm große Mann die Frau unter Drohungen vergewaltigt hatte, verschwand der Täter in Richtung Bautzner Straße. Zum Zeitpunkt der Tat trug der 25 bis 30 Jahre alte Mann eine Jeans sowie eine Lederjacke, an der die Ärmel mit Stoff abgesetzt waren. Er hatte kurze dunkelblonde bis hellbraune Haare und sprach mit ortsüblichem Dialekt. Wer Hinweise zu dem Täter geben kann wird gebeten, sich unter der 0351-4832233 mit der Polizei in Verbindung zu setzen. Gesucht werden insbesondere eine Frau und ein Mann, die zur fraglichen Zeit unmittelbar an der Parkbank vorbeiliefen.

Markierte Parkbank am Tatort auf dem AlbertplatzIn einem im Internet aufgetauchten Text bekannten sich Unbekannte für die Farb- und Glasscheibenattacke am Tatort und zeigten sich darin zugleich solidarisch „mit allen Betroffenen sexualisierter Gewalt“. Ihrer Ansicht nach würden Vorfälle wie der vom 27. Februar in der Öffentlichkeit nur dann skandalisiert, wenn, wie in Köln, „manche Täter Geflüchtete sind“. Anders als nach den Ereignissen in der Silvesternacht, bei denen es im Anschluss einen bundesweiten Aufschrei über die teilweise sexualisierten Übergriffe gegeben hatte, würden Übergriffe wie der an jenem Samstagmorgen kaum jemanden interessieren: „Um die betroffenen Frauen“, so der Text weiter, „geht es den sexistischen und rassistischen Deutschen nur, wenn es die vermeintlich „eigenen“ Frauen sind.“ Zur Erinnerung an den Übergriff, war nicht nur die Bank mit weißer Farbe und Glasscherben markiert, sondern auch am Springbrunnen „Stilles Wasser“ ein Graffiti angebracht worden.

Die Vergewaltigung ist allerdings kein Einzelfall, sondern nur die „sichtbare Spitze des Eisbergs“: Fast jede siebente Frau in Deutschland wird nach Angaben des Vereins „Terre des Femmes“ in ihrem Leben Opfer sexualisierter Gewalt. Zwischen 2001 und 2006 wurden jährlich rund 8.000 Vergewaltigungen angezeigt. Deutschland liegt mit jährlich 9,85 Anzeigen auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner im unteren europäischen Mittelfeld. Doch nur die wenigsten Taten werden überhaupt angezeigt. Das hat zum einen damit zu tun, dass Frauen oft nicht geglaubt und ihnen stattdessen selbst die Schuld gegeben wird. Zudem finden die wenigsten Vergewaltigungen im öffentlichen Raum, sondern vielmehr in Vertrauensverhältnissen wie Familie, Ehe, Beziehungen und dem näherem Umfeld der Betroffenen statt. „Der fremde Mann im Gebüsch“ ist, so das Schreiben weiter, „ein leider sehr zäher Mythos.“

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