Antifa

Erinnern und Gedenken

Am frühen Mittwochabend fand auf dem Jorge-Gomondai-Platz eine Gedenkkundgebung zum 21. Todestag von Jorge Gomondai statt. Etwa 150 Menschen legten Rosen am Gedenkstein des ehemaligen Vertragsarbeiters und erinnerten in Redebeiträgen an das erste Todesopfer durch rechte Täter nach der Wiedervereinigung. Nach einem Streit mit einer Gruppe rechter Jugendlicher war der 28jährige Mosambikaner knapp 150 Meter vom Albertplatz entfernt, aus einer fahrenden Straßenbahn geworfen worden und wenige Tage nach der Tat in einem Dresdner Krankenhaus gestorben. Auf Grund schlechter Ermittlungen am Tatort durch die Polizei, konnte im Prozess nur einer der mutmaßlichen Täter zu einer Gefängnisstrafe verurteilt werden, zwei erhielten Bewährung.

Von Seiten der Stadt war abgesehen von der Integrations- und Ausländerbeauftragten Uta Kruse niemand gekommen und das obwohl zeitgleich im nahe gelegenen Kulturrathaus der Dresdner Stadtrat tagte. Insgesamt beteiligten sich nur Vetreterinnen und Vertreter der Linken, Grünen und SPD an der Kundgebung, zu der die Stadt in diesem Jahr nicht einmal offiziell aufgerufen hatte. Doch nicht nur die Stadt schwieg zum 21. Todestag Gomondais, auch das in diesem Jahr so erfolgreiche Bündnis „Dresden Nazifrei“ beteiligte sich nicht an der Kundgebung und macht damit deutlich, dass Antirassismus noch immer nicht als notwendiger Teil antifaschistischer Politik verstanden wird. Angesichts der überschaubaren Anzahl von Menschen bleibt die Frage offen, wie sich der Tag in Zukunft gestalten wird.

In ihrem Redebeitrag erinnerte die Vertreterin der Opferberatung des RAA Sachsen e.V. daran, dass noch immer viele Menschen bei rassistischen Übergriffen wegschauen. So sei es im vergangen Jahr allein in Dresden zu insgesamt 43 solcher Übergriffe gekommen. Zumeist passieren diese Taten an Haltestellen, in Straßenbahnen oder belebten Straßen und damit Orten, die oft alles andere als menschenleer sind. Betroffene berichten in anschließenden Gesprächen immer wieder davon, dass die Ignoranz eines großen Teils der Bevölkerung mindestens genauso schlimm sei, wie der eigentliche Übergriff. Die Rednerin verwies angesichts der jahrelangen Mordserie des NSU aber auch auf die Ignoranz staatlicher Stellen, rassistische Taten als das wahrzunehmen, was sie sind.

Die Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt kritisierte im Anschluss daran das Engagement des Freistaats im Rahmen des Programms „Weltoffenes Sachsen“ als bloße „Imagekampagne“. Ziel des Programmes sei es, Migrantinnen und Migranten nach wirtschaftlichen Kriterien in nützlich und unnützlich zu kategorisieren und damit letztendlich nichts an der jahrelangen oft schlechten Situation von Flüchtlingen zu ändern.

Kommentare

  1. Medienfuzzi sagt:

    Das sich das Bündnis „Nazifrei! – Dresden stellt sich quer“ nicht beteiligt liegt in der Natur dieses Bündnisses. „Dresden Nazifrei!“ ist kein „Bürgerbündnis gegen Rechts“ oder etwas dergleichen, es ist ein Aktionsbündnis. Und das Einzige, was das Bündnis bearbeitet, sind die Tage der Naziaufmärsche im Februar. Jetzt zu fordern, dass sich das „so erfolgreiche“ Bündnis als Lösung für alle Dresdner Probleme hergibt halte ich für grundlegend falsch (schon, weil das Bündnis nicht nur von Dresdner_Innen getragen wird).

  2. Klara sagt:

    Hallo, ich finde die formulierung:

    „Nach einem Streit mit einer Gruppe rechter Jugendlicher war der 28jährige Mosambikaner knapp 150 Meter vom Albertplatz entfernt, aus einer fahrenden Straßenbahn gefallen…“

    ziemlich verharmlosend. Jorge-Gomondai hat sich nicht mit irgend jemanden gestritten und ist aus der Bahn gefallen. Er wurde rassistisch angegriffen und aus der fahrenden Bahn geworfen. Das scheint mir doch ein ziemlicher Unterschied.

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