Nazis

TU Dresden lässt Party von rechten Schlägern absichern

Am gestrigen Abend fand an der vom Wissenschaftsrat und der Deutschen Forschungsgemeinschaft frisch als „Exzellenzuniversität“ geadelten TU Dresden schon zum 17. Mal die so genannte Campusparty statt. Auf „einem der größten Universitäts Open Airs“ feierten nach Medienberichten auch gestern wieder mehrere tausend Menschen ausgelassen zu Bands wie den Emil Bulls oder GusGus. Doch es gab auch einen faden Beigeschmack der so gar nicht in das Bild einer sich nach Außen als weltoffen gebenden staatlichen Universität passt. Denn neben tausenden Studierenden und zahlreichen anderen Gästen sorgten einige dutzend Sicherheitskräfte für Sicherheit und einen geregelten Ablauf der Veranstaltung. Unter ihnen waren jedoch auch etliche bekannte Gesichter der lokalen Naziszene.

Als Sicherheitsunternehmen und Partner der Veranstaltung fungierte wie schon im vergangenen Jahr die Dresdner Konzertsicherheit Service GmbH deren Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen unter anderem auch am so genannten „Tag der Sachsen“ 2011 in Kamenz, dem 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag im letzten Jahr und anderen größeren Konzerten für Ordnung und Sicherheit sorgen. Weitere Partner und Unterstützer der Veranstaltung sind die Radeberger Brauerei, die AOK, die ostsächsische Sparkasse, die DREWAG und NRJ Sachsen. Auf Fotos und nach Angaben von Besuchern der Veranstaltung waren unter den Security-Leuten mit Christian Leister und Willy Kunze etliche bekannte Gesichter der lokalen Naziszene. Es wirkt einigermaßen skurril wenn ausgerechnet die Personen für Ordnung und Sicherheit sorgen sollen, die in der Vergangenheit mit rechten Überfällen auf sich aufmerksam gemacht haben und sich bis heute nie davon distanziert haben.

Einrasierter Scheitel und Anzüge: Rechte Schläger als Sicherheitskräfte bei der Campusparty der TU Dresden Einrasierter Scheitel und Anzüge: Rechte Schläger als Sicherheitskräfte bei der Campusparty der TU Dresden

Der Abend hat wieder einmal gezeigt, wie wenig von dem eigenen Bild einer weltoffenen Universität mit der Realität in der Sächsischen Landeshauptstadt zu tun hat. So verwundert es auch nicht, dass wenige Tage zuvor der Studentenrat die Universität darüber informieren musste, dass auf dem „Public Viewing“-Gelände hinter dem Hörsaalzentrum auf der Bergstraße die Security mit einschlägig bekannten Sachen der vor allem in rechten Kreisen beliebten Modemarke „Thor Steinar“ für den reibungslosen Ablauf der EM-Übertragung sorgen sollte. Nach der Intervention des StuRa betonte Kim-Astrid Magister, die Sprecherin der TU Dresden, ganz im Sinne der politischen Ausrichtung im Freistaat: dass „jegliche Äußerungen und Handlungen mit rechts- oder linksradikalem (!) Hintergrund“ nicht geduldet werden. Doch das war nicht der erste Vorfall dieser Art. Bereits im November vergangenen Jahres soll einem Bericht der Studentenzeitung CAZ zufolge einer der zur Campusnacht eingesetzten Securities eine „Schwarze Sonne“ und ein Hakenkreuz auf dem Unterarm tätowiert gehabt haben, auch damals hatte der TU-Rektor danach betont, dass er dafür sorgen wolle, „dass so etwas nicht wieder vorkommt“.

Diese Ereignisse zeigen auf der einen Seite, dass die Universität durchaus in der Lage ist, auf Vorfälle wie diese zu reagieren. Andererseits wird durch das geballte Auftreten der Sicherheitsleute auf dem Campus nur wenige Tage nachdem im Bezug auf das „Public Viewing“ Fehler eingeräumt wurden jedoch auch deutlich, dass es den Verantwortlichen nicht nur an Sensibilität im Umgang mit rechtem Gedankengut mangelt, sondern auch kein gemeinsamer Handlungs -und Forderungskatalog zu existieren scheint, der klar macht, dass rechte Einstellungen an einer Hochschule nichts zu suchen haben und entsprechendes Auftreten zu Konsequenzen führt. Ob damit der von Rektor Hans Müller-Steinhagen im Siegestaumel selbst gewählte Anspruch „international eine der angesehensten Universitäten zu werden“ erreicht werden kann, bleibt angesichts der offenkundigen Ahnungs- und Tatenlosigkeit der Universitätsleitung hoffentlich Wunschdenken.

Kommentare

  1. Frauke sagt:

    Auch im Dresdner Musikpark arbeiten einige von ihnen unter anderem auch Sebastian Reiche.
    Dieser ist ja auch negativ bekannt.
    Wie kann eine Sicherheitsfirma solche Leute einstellen, werde diese nicht geprüft?

  2. Tobias Schmidt sagt:

    Es ist doch nichts neues, das in vielen Dresdner Sicherheitsfirmen stadtbekannte Nazis arbeiten. Der Skandal daran ist ja aber in erster Linie das nichts passiert.
    Seit Jahren sichert die Firma „Ihre Wache“ alle Heimspiele von Dynamo Dresden ab. Jeder weiß, dass die ein Haufen Nazis beschäftigen, aber keiner tut etwas.
    Im Musikpark für die Firma DSD arbeitet seit Jahren Sebastian Reiche als Türsteher, ein bekennder Fascho, der auch immer wieder in Erscheinug tritt.
    Wenn man sich weitere Mitarbeiter des DSD anschaut, sieht man weitere bekannte Hooligans oder Neonazis. Aber keiner tut was… Selbst ein Willy Kunze, der immer wieder straffällig wird hat vor seiner Verhaftung im Musikpark an der Tür gestanden.

  3. Egal sagt:

    Nicht nur Sebastian Reiche arbeitet im musikpark auch der einschlägig vorbestrafte Willy Kunze arbeitet dort. Wie sich solche Firmen erlauben können schwer vorbestrafte rechtsextreme gewaltäter zu beschäftigen kann ich einfach nicht verstehen

  4. Egal sagt:

    Und, hat sich was geändert? 2012 der riesen Skandal und 2013 spricht niemand darüber?!? Anscheinend ist dieses Problem auch bei euch nur mit temporärer von Priorität versehen. Die Firma hat auch 2013 gearbeitet und weder Veranstalter noch die TU haben irgend etwas unternommen – dann seid doch wenigsten so fair und schützt die Umwelt, in dem Ihr nicht weiterhin riesige Serverfarmen und somit Ressourcen und Strom für eure kurzweiligen Erkenntnisse beansprucht…

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