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Ein Sozialticket für Dresden?

Die für den 1. November angekündigte Fahrpreiserhöhung des Verkehrsverbund Oberelbe stößt immer mehr auf Kritik. Bereits im vergangenen Herbst war der Preis für eine Monatskarte um 1.50 Euro erhöht worden. Begründet wird der erneute Preisanstieg mit gestiegenen Personalkosten und Stahlpreisen. Seit 1991 sind die Preise für normale Abo-Monatskarten der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) um mehr als 100% gestiegen – von ca. 17 Euro auf inzwischen 39.50 Euro.

Ein Anfang dieses Jahres gegründetes Bündnis aus 25 Gruppen, Vereinen und vielen Betroffenen fordert aus diesem Grund die Einführung eines so genannten „Sozialtickets“ auch für Dresden. Die in Leipzig und mehr als 30 anderen deutschen Städten umgesetzte Idee einer ermäßigten Fahrkarte soll ausschließen, dass finanziell schlechter gestellte Menschen aus Mobilitätsgründen, vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden. Ende April überreichten VertreterInnen des Bündnisses dem parteilosen Dresdner Sozialbürgermeister Martin Seidel mehr als 20.000 Unterschriften, um ihrer Forderung nach „Mobilität für Alle!“ Nachdruck zu verleihen.

ALG II Beziehenden stehen dem Gesetz nach monatlich ca. 15 Euro für Bus und Bahn zur Verfügung, zusammen mit einer über den Dresden-Pass von der Stadt und der DVB AG finanzierten Wertmarke von acht Euro ergibt sich immer noch eine gerade für Familien mit Kindern kaum finanzierbare aber dennoch für den Schulbesuch oft notwendiger Kostenfaktor. (Zum Vergleich: Der Preis für eine ermäßigte Monatskarte im Tarifraum Dresden liegt im Augenblick bei 29.50 €.) Fast 1/3 der mehr als 16.000 Menschen mit einem Dresden-Pass nutzen bereits jetzt die Ermäßigung von acht Euro und zeigen damit, wie notwendig eine schnelle Entscheidung ist, um für eine finanzielle Entlastung zu sorgen. Aus den Ergebnissen einer Marktstudie der TU Dresden im Auftrag der DVB AG und der Landeshauptstadt Dresden geht hervor, dass in Dresden bis zu 40.000 Menschen Anspruch auf ein solches Ticket haben könnten. Trotz einer berechtigten Kritik an der Studie lässt sich aus der Auswertung der mehr als 1.000 Interviews schließen, dass fast die Hälfte der Personen aus der Zielgruppe die öffentlichen Verkehrsmittel „fast täglich“ nutzen und, dass vielen der grundsätzlich Anspruchsberechtigten der Dresden-Pass mit seinen zahlreichen Vergünstigungen überhaupt nicht bekannt ist.

Im Oktober will der Dresdner Stadtrat über die geplanten Erhöhungen abstimmen. Ein Eilantrag der Grünen, dass einer Fahrpreiserhöhung nur dann zugestimmt wird, wenn gleichzeitig im Verkehrsverbund Verhandlungen über ein Mobilitätsticket für Einkommensschwache stattfinden, wurde im Stadtrat Anfang September überraschend angenommen.

Es bleibt festzuhalten, dass die Einführung eines Sozial- oder Mobilitätstickets für einen großen Teil der Dresdner Bevölkerung eine wichtige Forderung ist. Das Ticket soll finanziell benachteiligten Menschen aber auch und gerade Kindern dazu dienen, möglichst kostenlos öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, um letztendlich gesellschaftliche Unterschiede abzubauen. Beteiligt euch an Aktionen des Bündnisses und informiert die Betroffenen über ihre Möglichkeiten.

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