Antifa

Erinnerungsveranstaltung zum 22. Jahrestag des rassistischen Pogroms von Hoyerswerda

10. Oktober 2013 - 05:14 Uhr

Vor 22 Jahren ereignete sich das rassistische Pogrom von Hoyerswerda. Die Initiative „Pogrom 91“ hatte dazu zusammen mit der Initiative Zivilcourage Hoyerswerda eine Podiumsdiskussion mit Harry Waibel und Angelika Nguyen im Martin-Luther-King-Haus organisiert, die von 50 Zuhörerinnen und Zuhörern besucht wurde. In den vergangenen beiden Jahren hatten die Verantwortlichen dazu Demonstrationen in der ostsächsischen Kleinstadt organisiert, an denen sich mehrere hundert Menschen beteiligten. Begleitet wurde die Veranstaltung, die an die Ereignisse im Herbst 1991 erinnern sollte, durch die beiden regionalen Tageszeitungen Sächsische Zeitung und Lausitzer Rundschau sowie einem Interview in der linken Wochenzeitung Jungle World.

Auf dem Podium diskutierten Angelika Nguyen und Harry Waibel die Frage: „1991 – wie konnte es dazu kommen? Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in der DDR.“. Angelika Nguyen, die in der DDR als Tochter einer deutschen Übersetzerin und eines vietnamesischen Arztes geboren wurde, berichtete zunächst von ihren Erfahrungen als DDR-Bürgerin, die auf Grund ihres Namens und Aussehens oft Erfahrungen mit Ausgrenzung und Diskriminierung machen musste. Sie schilderte Begegnungen im Alltag in der DDR zwischen offiziellen Solidaritätsbekundungen für das zum damaligen Zeitpunkt „sozialistische Bruderland“ Vietnam auf der einen und ihren Erlebnissen von Ausgrenzung als „Fremde“ auf der anderen Seite.

Anschließend erläuterte der Autor und Historiker Harry Waibel wie die DDR, die sich als antifaschistischer Staat verstand, rassistische Vorfälle systematisch gegenüber der Öffentlichkeit verschwieg. Nach dem in der politischen Führung der DDR vorherrschenden Selbstverständnis waren Nazis und Rassismus durch den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft besiegt worden. Wie falsch diese Einschätzung für viele Menschen tatsächlich war, zeigte sich nicht erst mit Hoyerswerda 1991 und den tödlichen Konsequenzen für Migrantinnen und Migranten seit 1990, sondern erwies sich auch für die DDR als falsch. Denn schon vor Hoyerswerda war es seinen Recherchen zufolge auch auf dem Gebiet der damaligen DDR zu rassistischen Ausschreitungen gekommen.

Im Herbst 1991 hatten Nazis gemeinsam mit Teilen der normalen Bevölkerung von Hoyerswerda zwei von ehemaligen Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeitern sowie Flüchtlingen bewohnte Gebäude tagelang angegriffen. Da die überforderte Polizei nicht in der Lage war, die Übergriffe zu stoppen, wurden die angegriffenen Menschen nur wenige Tage nach Beginn der Ausschreitungen am 20. September unter Polizeibegleitung mit Bussen aus der Stadt gebracht. Fast alle Bewohnerinnen und Bewohner wurden, nachdem sie in Frankfurt am Main und Berlin angekommen waren, abgeschoben. Die Ereignisse von Hoyerswerda waren der Auftakt einer Kette rassistischer Ausschreitungen, in die sich das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen aber auch die Mordanschläge von Mölln und Solingen einreihen sollten. Nach der Welle von rassistischen Gewalttaten, beschloss der Deutsche Bundestag im Mai 1993 mit den Stimmen der SPD einen „Asylkompromiss“, der die faktische Abschaffung des Grundrechts auf Asyl bedeutete.


Veröffentlicht am 10. Oktober 2013 um 05:14 Uhr von Redaktion in Antifa

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