Antifa | Freiräume

Interview zur Situation des a.l.i.a.s.

11. August 2014 - 19:15 Uhr

Einige aufmerksame Menschen sind vielleicht in den letzten Wochen über Flyer vom a.l.i.a.s. gestolpert, in welchen um Dauerspenden gebeten wird. Wir haben dies zum Anlass genommen, uns mit einem der Initiatoren des Flyers zu treffen, um mehr über das 2002 gestartete Projekt auf der Böhmischen Straße 12 und die aktuell angespannte Situation zu erfahren. Hallo. Möchtest Du Dich und Deine Arbeit zunächst kurz vorstellen? Ja klar, gern. Mein Name ist Robyn. Ich lebe seit 2008 in Dresden und bin aus einer ostdeutschen Kleinstadt zum Studieren hierher gezogen. Mein politischer Fokus liegt vorallem auf Antifa bzw. Antira. Natürlich bin ich auch sonst an allem interessiert, was mit linker Praxis und Theorie zu tun hat. Diesbezüglich bin ich in der Vergangenheit auch in verschiedenen Initiativen aktiv gewesen. Wie bist Du dabei auf das a.l.i.a.s. gestoßen? Kennengelernt habe ich das a.l.i.a.s. bei einem Seminar zu Faschismustheorien im Mai 2010. Kurz darauf habe ich mich entschlossen, auch solche Arbeit zu machen, sprich Veranstaltungen zu organisieren und das umfangreiche Archiv auf dem aktuellen Stand zu halten. Das a.l.i.a.s. hat nicht so eine große Außenwirkung wie andere linke Projekte in Dresden, existiert aber auch schon über ein Jahrzehnt, was meiner Meinung nach ziemlich cool ist. Gerade bei der großen Fluktuation in der linken Szene finde ich es umso respektabler, dass es geschafft wurde, den Raum und die damit verbundenen Projekte so lange am Laufen zu halten. Leider scheint in Dresden immer weniger Platz für unkommerzielle Ideen zu sein, was auch die Verdrängung zahlreicher weiterer alternativer Projekte in der jüngsten Zeit zeigt. Das Interview und sein Anliegen soll dabei ein kleiner Beitrag sein, dass dieses Schicksal dem a.l.i.a.s. erspart bleibt. Was ist das a.l.i.a.s.? a.l.i.a.s. steht für „antifascist literature information archive stuff“. Mit dieser Bezeichnung wird schon ein guter Eindruck davon vermittelt, was Besucherinnen und Besucher alles machen und finden können. Natürlich hat sich seit der Eröffnung vor nunmehr schon 12 Jahren einiges verändert. Damals haben sich ein paar junge Menschen aus Dresden überlegt, dass sie einen eigenen Raum brauchen, in dem sie sich selbst verwirklichen können. Mit der VVN-BDA haben sie dabei einen zuverlässigen Partner gefunden, der dabei geholfen hat, das Projekt zu starten und trotz der für Sachsen üblichen Probleme solange am Leben zu halten. In seiner Entstehungszeit war der Ort oder vielmehr die Menschen, die sich darin getroffen haben, auch eine eigenständige Gruppe, die gemeinsam Vorträge und Veranstaltungen angeboten und ausgerichtet haben. Leider ist das zur Zeit nicht mehr so. Für mich ist der Ort zunächst ein Raum, in dem sich Menschen antifaschistisch, antisexistisch, antiautoritär, kurzum nonkonform organisieren können und der gleichzeitig Platz für Treffen, Seminare, Lesekreise und vieles mehr bietet. Parallel dazu dient er jedoch auch als Archiv. Im a.l.i.a.s. sind über 20 Jahre linker Jugend- und Subkultur, aber auch Dokumente zu (neo-)nazistischen Umtrieben, vor allem in Dresden bzw. Sachsen, „konserviert“. Es wurde dabei immer versucht, alles zu sammeln, was interessant sein könnte – ob nun Flyer, Plakate, Sticker, Zeitungsartikel oder Zeitschriften. Der Hauptfokus liegt allerdings auf letzteren, sodass diese schon den größten Teil der Sammlung ausmachen. Du erwähnst, dass sich gerade einiges verändert, was zeichnet diese Veränderung aus? Das Konzept eines Infoladens, welches zu Beginn der Nullerjahre noch wichtig für linke Zusammenhänge war, ist heute, wo Informationen über das Internet jederzeit abrufbar sind, nicht mehr so relevant. Kaum jemand kommt noch in einen Infoladen, um dort die neuesten Flyer abzuholen. Deswegen ist die Bedeutung des Raumes an sich mehr in den Vordergrund getreten. Dieser Wandel macht sich vor allem dadurch bemerkbar, dass wir vordergründig nicht mehr versuchen, das neueste Infomaterial am Start zu haben. Aber auch die prekäre finanzielle Situation des a.l.i.a.s hat dafür gesorgt, dass wir derzeit nicht mehr, wie früher, Vorträge anbieten und Veranstaltungen organisieren können. Du sagst das Projekt gibt es seit 2002, wie wurde die Räumlichkeit vorher finanziert und wieso jetzt der Aufruf zu Dauerspenden? Im Moment ist die Situation wirklich sehr akut. Wir haben in den letzten Jahren immer über verschiedene Soliaktionen, zum Beispiel Cocktailstände auf Partys oder durch verschiedene Einmal-Spenden, die Miete finanziert bekommen. Leider trägt sich das Projekt so nicht mehr weiter. Schade dabei ist vor allem, dass in letzter Zeit durch ständiges Beschäftigen mit der Miete, die „eigentliche“ Arbeit in den Hintergrund getreten ist. Auch eine schon vor geraumer Zeit geplante Renovierung der Räumlichkeiten und Überarbeitung des Archives konnte deshalb noch nicht realisiert werden. Die Finanzierung bzw. der Erhalt stand für uns immer im Vordergrund. Damit wir auch in Zukunft weiter politisch arbeiten können und das a.l.i.a.s. nicht schließen muss, haben wir eine Spendenkampagne gestartet. Wir hoffen damit die monatlichen Kosten in Höhe von 250€ decken zu können. Gleichzeitig hat die Spendenkampange den positiven Nebeneffekt, dass wir uns und das a.l.i.a.s. vorstellen und unsere Arbeit transparent machen können. Bisher ist die Kampagne gut angelaufen und wir haben schon sehr viel positives Feedback bekommen, aber das reicht leider noch nicht. Wir haben ein vorgedrucktes Formular für eine Einzugsermächtigung, welches nur noch ausgefüllt werden muss. Anschließend bekommt ihr vom VVN-BDA eine Nachricht mit einer Identifikationsnummer, die dann bei euch auf dem Kontoauszug erscheint. Diesen Zettel gebt ihr entweder direkt beim a.l.i.a.s. ab oder ihr schickt ihn direkt an unsere Adresse: Böhmische Straße 12 – 01099 Dresden. Ihr versucht also durch die Dauerspenden eine sichere kontinuierliche Arbeit zu gewährleisten, was ist denn für Dich das Besondere des a.l.i.a.s.‘? In unserem Archiv haben wir versucht alles zusammenzutragen, was bezüglich linker Jugend- bzw. Subkultur in Dresden und in Sachsen interessant sein könnte. Ursprünglich wurde das Archiv vom alten Infoladen Schlagloch übernommen, welcher seit Anfang der 1990er Jahre an wechselnden Orten in der Äußeren Neustadt bestand. Das führte dazu, dass wir seit über 20 Jahren Publikationen zu veschiedenen Themen linker Politik archivieren konnten, so z. B. auch kurzzeitig erschienene Fanzines und lokale Zeitschriften wie die „Venceremos“. Parallel dazu verfügen wir aber auch über eine Sammlung verschiedener bundesweit erscheinender Publikationen, wie bspw. die „Phase 2“, das „Antifaschistische Infoblatt“ oder den „Rechten Rand“. Dadurch können Entwicklungen von Antifa- und Antirabewegung, sowie Teilen der linken Szene nachvollzogen werden. Darüber hinaus können sich Gäste auch über Nazistrukturen in Sachsen und der BRD informieren. Für mich vereint das a.l.i.a.s. einfach viele Dinge an einem Ort, zum einen dieses unglaublich coole Archiv, in dem sich Menschen von vergangenen Projekten und Veranstaltungen inspirieren lassen können, zum anderen ist es natürlich auch ein Ort, um selbst aktiv zu werden und eigene Ideen zu spinnen. Wie kann sich im a.l.i.a.s. eingebracht werden? Wir freuen uns natürlich riesig über Menschen, die den Raum nutzen wollen. Gruppen, die Treffen bei uns abhalten wollen, aber auch Menschen, welche lediglich das Archiv nutzen wollen, können sich per E-Mail (alias[at]systemli.org) bei uns melden. Auf unserer Internetseite findet ihr auch noch andere Infos und mehr zur Geschichte des a.l.i.a.s. Ansonsten ist uns mit Spenden aller Art geholfen. Wir hoffen mit euch gemeinsam den Bestand des a.l.i.a.s. auch über die nächsten 12 Jahre sicherzustellen und bedanken uns bei all den Menschen, die bislang schon so fleißig gespendet haben. Dann wünschen wir Dir und dem a.l.i.a.s. viel Erfolg und hoffen auf eine große Spendenbereitschaft.

Veröffentlicht am 11. August 2014 um 19:15 Uhr von Paul in Antifa, Freiräume

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