Freiräume

Erinnerung an 20 Jahre zapatistischen Aufstand

Für viele von Euch ist es wahrscheinlich nur ein schwacher Moment in der Erinnerung, dennoch sei zum Start des neuen Jahres noch einmal an den Beginn des zapatistischen Aufstandes vor 20 Jahren in den lakandonischen Urwäldern erinnert. Damals hatten in einer Nacht und Nebel Aktion mehrere tausenden Zapatistinnen und Zapatisten in einem der ärmsten mexikanischen Bundesstaaten den Aufstand gegen die mexikanische Armee geprobt. Das Ziel ihrer von einer breiten Öffentlichkeit weltweit wahrgenommenen Aktionen, bei denen Rathäuser, Armeeposten und zahlreiche weitere wichtige Gebäude in fünf Städten von Chiapas besetzt wurden, war es, am Tag des Inkrafttretens des nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA, auf dessen Folgen für die indigene Bevölkerung aufmerksam zu machen und zum Aufstand aufzurufen.

Erst nachdem sich die Zapatistinnen und Zapatisten nach bewaffneten Kämpfen in die unzugänglichen Dschungelregionen Chiapas zurückgezogen hatten, konnte nach 12 Tagen auf Druck der Zivilgesellschaft aus den mexikanischen Großstädten heraus ein Waffenstillstand erreicht werden. Obwohl in den anschließenden Friedensverhandlungen unter der Vermittlung des mittlerweile verstorbenen katholischen Bischofs Samuel Ruiz García der indigenen Bevölkerung weitgehende Autonomierechte zugesichert wurden, sind diese bis heute trotz internationaler Kampagnen nicht in die mexikanische Verfassung aufgenommen worden. Bei den Konflikten starben von 1994 bis 2000 nach Angaben der EZLN über 1.000 Menschen, mehr als 15.000 wurden vertrieben.

„Habt ihr das gehört?
Das ist der Klang ihrer Welt, die zusammenbricht.
Es ist die unsere, die wiederkehrt.
Der Tag, der Tag war, wurde Nacht,
und die Nacht wird der Tag sein, der Tag sein wird“.

aus einem Kommuniqué der EZLN vom 21. Dezember 2012

Die Bilder der maskierten zapatistischen Bevölkerung wurden zum Symbol für den Widerstand gegen die Folgen der Globalisierung, die in Mexiko besonders die arme Landbevölkerung trifft. Seit dem Tag tritt die bereits 1983 gegründete Ejército Zapatista de Liberación Nacional (EZLN) immer wieder öffentlich in Erscheinung, um sich vor allem in politischen Kampagnen für die Rechte der indigenen Bevölkerung Mexikos sowie für eine selbstorganisierte und basisdemokratische Selbstverwaltung einzusetzen.

Erst vor knapp einem Jahr waren mehrere tausend Menschen auf einem „Marsch des Schweigens“ durch sechs Städte im Osten Chiapas gezogen, um damit nicht nur an den angeblich von den Mayas vorhergesagten Weltuntergang, sondern auch an die Ernennung von Emilio Chuayffet zum Erziehungsminister zu erinnern. Dieser war in seiner Funktion als mexikanischer Innenminister in den neunziger Jahren mitverantwortlich für das Scheitern der Friedensverhandlungen in Chiapas. Nach dem Massaker von Acteal, bei dem 45 betende Menschen durch Paramilitärs in unmittelbarer Nähe einer Polizeiwache umgebracht wurden, musste er zurücktreten.

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