Nazis

Kult um einen Toten

5. September 2011 - 22:55 Uhr

Von Falk Scheerschmidt

Rechtsextremisten marschieren zum Grab von Uwe Leichsenring.

Vor nunmehr fünf Jahren ist einer der wichtigsten rechtsextremen Politiker der sächsischen NPD bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Am 30. August 2006 kollidierte der NPD-Landtagsabgeordnete Uwe Leichsenring bei einem Überholmanöver auf dem Weg von Pirna nach Königstein mit einem Lastwagen. Der Fahrlehrer starb noch an der Unfallstelle.

Seit diesem Tag ranken sich die Verschwörungstheorien um die Unfallursache. Die rechtsextreme Szene sprach von Sabotage an dem Mercedes Dienstwagen. Die Stelle an dem der Unfall geschah lässt zudem weitere Spekulationen zu. So passierte der Unfall auf einer geraden und gut einsehbaren Strecke bei einem Überholmanöver. War der Unfall beabsichtigt? Fragen die wahrscheinlich nie aufgeklärt werden können.

Um den Kult um Leichsenring aufrechtzuerhalten kamen Ende August zirka 100 Rechtsextremisten in Königstein zusammen, darunter zahlreiche NPDler und Junge Nationaldemokraten. Mit Fackeln und schwarzen Fahnen marschierten sie zum Grab von Leichsenring und legten Kränze nieder.

Schwarze Fahne an der Unfallstelle

Die Abgeordneten der NPD-Landtagsfraktion und wichtige Funktionäre der rechtsextremen Szene aus Sachsen nahmen an dem Trauerzug teil. Aber auch ehemalige SSS-Mitglieder wohnten dem Marsch bei. Einige der Anwesenden hielten anschließend an der Unfallstelle an, legten auch dort Blumen ab und stellten eine schwarze Fahne auf.

Uwe Leichsenring war eine Größe in der Neonazi-Szene in der Sächsischen Schweiz. Er pflegte gute Kontakte zur der 2001 verbotenen Organisation „Skinheads Sächsische Schweiz“ (SSS) und holte in Königstein zweistellige Wahlergebnisse für die NPD ein. Immer wieder sorgte Leichsenring für Skandale und rhetorische Entgleisungen im Sächsischen Landtag. Der letzte Skandal endete mit einem Ausschluss aus allen Sitzungen im Landtag für drei Tage, weil er im Nachgang der Proteste am 1. Mai 2006 gegen einen Neonazi-Aufmarsch in Leipzig die Forderung aufstellte, alle „linken Gewalttäter“ mit „Sonderzügen“ abzuführen.

Quelle: Blick nach Rechts (02.09.11)


Veröffentlicht am 5. September 2011 um 22:55 Uhr von Redaktion in Nazis

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