Nazis

NPD plant Aufmarsch am 17. Juni

Nachdem es den Nazis am 17. Juni zuletzt kaum noch gelungen war, den Jahrestag des Volksaufstandes in der ehemaligen DDR für ihre Zwecke zu instrumentalisieren, wollen sie in diesem Jahr im Osten der Stadt aufmarschieren. Das gab die NPD letzten Donnerstag bekannt. Als Treffpunkt am Mittwoch wurde der Vorplatz des S-Bahnhofs in Niedersedlitz ausgegeben, von dort soll es um 18.30 Uhr in Richtung des ehemaligen Sachsenswerkes gehen, wo am 17. Juni 1953 mehrere tausend Arbeiter beschlossen hatten, gegen die Erhöhung der Arbeitsnorm auf die Straße zu gehen. In diesem Jahr hat das Bündnis „Dresden Nazifrei“ für den Tag zu lautstarken Protesten aufgerufen.

Nachdem sich im Juni 1953 auch Angestellte aus anderen Betrieben den Protesten angeschlossen hatten, strömten tausende Menschen in die Innenstadt und versammelten sich am frühen Nachmittag auf dem Theaterplatz. Als schließlich durch Kräfte der Volkspolizei und sowjetische Einheiten der Platz gewaltsam geräumt wurde, konnte die Menge bei ihrem Versuch, das Telegrafenamt auf dem Postplatz zu stürmen, nur durch Warnschüsse aufgehalten werden. In dem Jahr war es nicht nur in Dresden, sondern auch an über einhundert anderen Orten der DDR zu Streiks und Demonstrationen gekommen. Bei den Auseinandersetzungen zwischen der Bevölkerung und den Sicherheitskräften waren mindestens 55 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 2.000 Personen wurden verhaftet.

Schon seit mehreren Jahren nehmen die Nazis in Dresden den Tag zum Anlass, um an die Ereignisse vor mehr als 60 Jahren zu erinnern. Während sie sich anfangs noch an den städtischen Veranstaltungen auf dem Postplatz beteiligten, sorgten sie seit 2010 immer wieder mit eigenen Veranstaltungen für Unruhe. Im vergangenen Jahr war es nach einer Kundgebung der NPD vor dem Haus der Presse zu tumultartigen Szenen gekommen, als die Polizei versuchte, eine Gruppe von 40 Nazis in den Sächsischen Landtag zu eskortieren. Dabei war es an mehreren Stellen zu Übergriffen durch eine Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) auf Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Gegenproteste gekommen.

Den genauen Ort für die Gegenveranstaltung will „Dresden Nazifrei“ erst am Dienstagabend bekanntgegeben. Das Ziel der Veranstaltung soll es sein, „den Nazis in Sicht- und Hörweite zu zeigen, dass sie auch in Niedersedlitz nicht willkommen sind“. Die letzten Jahre hätten gezeigt, „dass die Nazis ihre Demo zum 17. Juni nicht mehr wie in den Vorjahren in der Innenstadt abhalten können“. „Jetzt“, so das Bündnis abschließend, „gilt es, ihnen zu zeigen, dass sie sich auch nicht in ihren vermeintlichen Nazi-Kiezen verstecken können! Auch in Niedersedlitz und Umgebung gibt es viele Leute, die die Nazihetze nicht unkommentiert stehen lassen wollen. Unterstützen wir sie bei ihrem Protest!“ Auf Grund mehrerer rechter Übergriffe empfiehlt das Bündnis anreisenden Menschen, „nicht allein oder in Kleingruppen nach Niedersedlitz zu kommen“.

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