Nazis

Rechter Jugendbund campiert auf Grundstück von AfD-Stadtrat

14. Juni 2019 - 14:40 Uhr

Über das Pfingstwochenende schlug eine Gruppe des rechten „Sturmvogel – Deutscher Jugendbund“ ihre Zelte in Spechtshausen auf, einer kleinen Gemeinde nahe der Forst- und Studentenstadt Tharandt. Anwohnerinnen und Anwohner beobachteten etwa 50 uniformierte Kinder und Jugendliche mit Symbolen, die auf den „Sturmvogel“ schließen lassen.

Der herbeigerufenen Polizei zufolge soll es sich bei dem Lager lediglich um eine Art Pfadfindertreffen gehandelt haben. Eine verbotene Reichskriegsflagge, die von Anwohnerinnen und Anwohner gemeldet wurde, wollen die Beamten nicht vorgefunden haben.

Anders als Pfadfindergruppen ist der „Sturmvogel“ nicht aus der bündischen Jugendbewegung entstanden. 1987 spaltete er sich von der später verbotenen „Wiking Jugend“ ab. Einige Gründungsmitglieder standen der ebenfalls verbotenen „Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei“ (FAP) nahe. Im Gegensatz zur „Wiking-Jugend“ und der „Heimattreuen Deutschen Jugend“ tritt der „Sturmvogel“ nach Außen hin moderater auf, aber auch in ihm engagierten sich bekannte Nazi-Funktionäre. Zu ihnen zählen die frühere Vorsitzende der NPD-Unterorganisation „Ring Nationaler Frauen“ (RNF), Edda Schmidt, und Bernhard Schaub, Gründer der Holocaustleugner-Vereinigung „Europäische Aktion“. Auch die Multifunktionärin Petra Müller wurde bei einem „Sturmvogel“-Lager beobachtet. Sie engagierte sich in der HDJ und nahm an Treffen der rassistischen „Artgemeinschaft – Germanische Glaubensgemeinschaft“ teil. 2006 gehörte sie zu den Mitgründerinnen des RNF.

„Regelmäßig werden Lager dieser Art vom „Sturmvogel – Deutscher Jugendbund“ organisiert, um bereits Kinder und Jugendliche gegen die bundesdeutsche Gesellschaft zu stärken, Feindbilder zu projizieren und die Integration in die „Volksgemeinschaft“ mit nationalem, völkischen Siedlungscharakter zu stärken“, erklärt Lisa Krug von der Recherchegruppe AST.

Frühere Lager fanden bei NPD-Funktionären wie Roy Godenau aus Hessen und einem Siedlungsprojekt der „Anastasia“-Bewegung in Grabow statt. Als 2016 ein konspiratives „Sturmvogel“-Lager in Schweden durchgeführt wurde, konnten Beobachter uniformierte Kinder beim Morgenappell beobachten: „Der militärische Ton der Gruppenführer, dessen Amt von den älteren Teilnehmern übernommen wird, hallte durch die morgendliche Stille.“ Laut Sächsischer Zeitung wurden die Zelte am Pfingswochenende auf dem Privatgrundstück von Jürgen Matthes aufgeschlagen, der künftig für die AfD im Tharandter Stadtrat sitzt.

Matthes ist nicht die einzige Verbindung der AfD zu völkischen Jugendbünden. Anfang der 1990er Jahre hielt der heutige AfD-Bundesgeschäftsführer Hans-Holger Malcomeß Vorträge bei der „Wiking Jugend“. Brandenburgs AfD-Chef Andreas Kalbitz nahm 2007 an einem Lager der „Heimattreuen Deutschen Jugend“ teil, derselben Organisation gehörte ein früherer Mitarbeiter von Alexander Gauland an.

Die Spechtshausener indes sind beunruhigt, dass sich derartige Treffen in Zukunft wiederholen könnten. Deshalb wollen sie sich mit einem Brief an die Verwaltung und den Stadtrat wenden. Ihren Unmut zeigten am Pfingstwochenende einige Anwohnerinnen und Anwohner indem sie mit selbst gemalten Plakaten spontan gegen das Treffen protestierten.

Titelbild: Strumvogel Sommerlager 2015 in Grabow (Quelle: Recherchgruppee AST)


Veröffentlicht am 14. Juni 2019 um 14:40 Uhr von Klara in Nazis

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