Soziales

Gedenken an Jorge Gomondai in Dresden

8. April 2021 - 21:21 Uhr

Auch in diesem Jahr wurde in Dresden dem Tod Jorge João Gomondai am 6. April 1991 gedacht. Gomondai ist das erste Todesopfer rassistischer Gewalt in der Bundesrepublik Deutschland nach dem Zusammenbruch der DDR. In diesem Jahr musste die Kundgebung des Ausländerrat Dresden auf dem Jorge-Gomondai-Platz pandemiebedingt abgesagt werden. Stattdessen luden der Verein gemeinsam mit dem Projekt „Support für Betroffene rechter Gewalt“ der RAA Sachsen zu einem Online Mahngang ein. Am Gedenkstein legten den ganzen Tag über Menschen Blumen, Kränze und Kerzen nieder, unter ihnen auch der erste Bürgermeister der Stadt Dresden, Detlef Sittel (CDU).

Jorge Gomondai wurde in der Nacht auf den 1. April 1991 auf seinem Heimweg von etwa zehn Nazis in der Straßenbahnlinie 7 attackiert. Die Angreifer waren zuvor schon an Angriffen in der Dresdner Neustadt beteiligt gewesen. Eine Kontrolle durch die Polizei, kurz bevor die Gruppe die Straßenbahn am heutigen Albertplatz bestieg, blieb folgenlos. Bis heute sind die genauen Todesumstände ungeklärt. Jorge Gomondai wurde von den Nazis beleidigt und angegriffen, ob er jedoch in Angst vor den Angreifern  zu entkommen versuchte oder gewaltsam aus der Bahn gestoßen wurde, ist unklar. Er erlitt bei seinem Sturz aus dem Waggon schwere Kopfverletzungen, an denen er fünf Tage später im Krankenhaus verstarb. 

An den Mord schloss sich an, was heute 30 Jahre später für viele Angehörige von Opfern rechter und rassistischer Gewalt immer noch nur allzu vertraut ist: schleppende behördliche Ermittlungen, mangelndes Interesse bis ihn zu aktivem Desinteresse offizieller Stellen und ein zäher Kampf um ein würdiges Gedenken. Auf der Website »gegenuns.de« , einem Projekt des Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt findet sich seit letztem Jahr eine umfangreiche Aufarbeitung des Mordes an Jorge Gomondai. Beleuchtet wird sowohl die Geschichte von organisiertem Rassismus und Neonazismus in der ehemaligen DDR, als auch der Situation der Vertragsarbeiter:innen aus Mosambik vor und nach der Wende.

Ebenfalls am 6. April, im Jahr 2006, wurde Halit Yozgat  als neuntes und letztes Opfer vom Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) in Kassel ermordet. Auch hier wurde das Gedenken der Pandemie angepasst, jedoch in kleinem Kreis am nach ihm 2012 benannten Halitplatz durchgeführt. In Dresden war 2006 auf Vorschlag des Ausländerrat durch den Stadtrat ein Platz in unmittelbarer Nähe zum Tatort nach Jorge Gomondai benannt worden. Als im Jahr darauf die Einweihung im Beisein der Mutter und eines Bruders stattfand, entstand in Dresden bundesweit zum ersten Mal ein Erinnerungsort an ein Opfer rassistischer Gewalt.


Veröffentlicht am 8. April 2021 um 21:21 Uhr von Redaktion in Soziales

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