Soziales

„Geld für Pflegepersonal statt fürs Waffenarsenal“ – Knapp 200 Menschen bei Demonstration in Dresden

14. Mai 2019 - 20:10 Uhr

Anlässlich des dritten „Walk of care“ zum internationalen Tag der Pflege haben am Samstag in Dresden knapp 200 Menschen für ein Ende des Pflegenotstands protestiert. Dem Aufruf der Demonstration des „Bündnis für Pflege“ folgten vor allem Beschäftigte aus Krankenhäusern und Pflegeheimen, um damit auf den drohenden personellen Kollaps im Pflegebereich aufmerksam zu machen. Nach Angaben der Gewerkschaft ver.di fehlten bereits vor fünf Jahren bundesweit 162.000 Vollzeitstellen, davon rund 70.000 Fachkräfte. In ihrem 2017 veröffentlichten Nachtdienst-Report ging die Gewerkschaft hierzulande von mehr als 19.500 fehlenden Stellen für eine ordentliche Versorgung in den Krankenhausnächten aus.

Vom Albertplatz ging es nach einer Auftaktkundgebung über den Schloßplatz bis zur Abschlusskundgebung am Wiener Platz. Ein Auszubildender schilderte in seinem Redebeitrag auf dem Schloßplatz die Diskrepanz zwischen dem eigenen Anspruch seiner Arbeit und dem, was in der Realität für pflegebedürftige Menschen auf Grund personeller Engpässe tatsächlich aufgewendet wird. In weiteren Beiträgen wurde zudem Kritik an den Gewinnen privater Unternehmen wie Fresenius Helios laut, die allein im vergangenen Jahr einen Gewinn von mehr als 680 Millionen Euro erwirtschaften konnten, während die Löhne der Beschäftigten auf niedrigem Niveau stagnierten.

Neben der Forderung nach einem kostenlosen öffentlichen Gesundheitswesen sowie einer damit verbundenen Enteignung und demokratischen Kontrolle von Krankenhauskonzernen, riefen die Demonstrierenden die Regierung dazu auf, Geld weniger in Rüstung, als vielmehr in Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen zu investieren. Zusätzlich zu einer tariflichen Bezahlung für alle Beschäftigten des Universitätsklinikum als größtes Krankenhaus in Dresden, setzten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch dafür ein, die Arbeit von Auszubildenden in der Physiotherapie in Zukunft tariflich bezahlen.

„Ich war hier auf der Demo, weil ich es kenne, schlecht pflegen zu müssen und wenig Geld zu verdienen, für das was ich tue“, so Altenpflegerin Christin am Endpunkt der Demonstration vor dem Dresdner Hauptbahnhof gegenüber addn.me. „Damit wieder menschenwürdig gepflegt werden kann und, dass man sich als junge Fachkraft nicht behaupten und immer rechtfertigen muss, dass man so lange braucht“, seien wesentliche Gründe für sie gewesen, am Samstag gemeinsam mit anderen Menschen auf die Straße zu gehen. „Ich arbeite mit Menschen und da braucht man nun mal lange. Daher braucht es einfach mehr Personal.“ Angesichts zahlreicher vermeidbarer Todesfälle in der Vergangenheit zeigte sie sich erschüttert darüber, dass in einem der reichsten Länder der Welt „Menschen allein sterben, weil niemand da ist.“

Auf lautstarke Unmutsäußerungen stieß ein Mitglied der AfD, welches in der Vergangenheit bereits mehrfach Wahlkampfstände in der Äußeren Neustadt und im angrenzenden Hechtviertel betreut hatte. Als er auf seine Rolle als aktives Parteimitglied angesprochen wurde, machte er keinen Hehl aus seiner Gesinnung und obwohl er daraufhin von der Demonstration ausgeschlossen werden sollte, weigerte sich die anwesende Polizei, sich dem anzuschließen. Da durch die neue konservativ-rechte Stadtratskonstellation schon etliche bereits beschlossene nachhaltige Infrastrukturprojekte gekippt wurden, befürchten viele Menschen bei einem erneuten Wahlerfolg der AfD auch eine bislang lediglich bis 2022 ausgeschlossene Privatisierung des städtischen Klinikums.


Veröffentlicht am 14. Mai 2019 um 20:10 Uhr von Redaktion in Soziales

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.