Soziales

Toter nach Brand in Unterkunft für wohnungslose Menschen

24. Juli 2019 - 17:50 Uhr

Beim Brand in einem Übergangswohnheim für wohnungslose Menschen kam in der vergangenen Woche ein Mensch ums Leben. Der 54 Jahre alte Bewohner der Unterkunft in der Bauhofstraße war in der Nacht auf den 18. Juli bei Löscharbeiten von Einsatzkräften der Feuerwehr tot aufgefunden. Ersten Ermittlungen der Polizei zufolge war der Brand in einem Zimmer im ersten Obergeschoss ausgebrochen. Das Ergebnis der Suche nach der genauen Brandursache steht noch aus. Das 2001 eröffnete Wohnheim in der Friedrichstadt bietet Platz für junge Erwachsene bis 29 Jahren sowie für ältere wohnungslose Menschen. Insgesamt verfügt die Stadt über acht Unterkünfte dieser Art. Derzeit werden durch das Dresdner Sozialamt 290 wohnungslose Menschen betreut, 260 von ihnen sind in Übergangswohnheimen untergebracht. Insgesamt sind in Dresden offiziellen Angaben nach 240 Männer und 50 Frauen von Wohnungslosigkeit betroffen. Die tatsächliche Zahl dürfte jedoch um einiges höher sein.

Nach Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) waren 2016 ca. 860.000 Menschen in Deutschland ohne Wohnung, dies bedeutete gegenüber 2014 einen Anstieg um 150%. Bereits 2016 ging Thomas Specht, der Geschäftsführer der BAG W, von einem weiteren Anstieg der Zahl wohnungsloser Menschen aus. Gründe hierfür seien seiner Ansicht nach das Ausbleiben „nachhaltige[r] und vor allem ausreichende[r] Maßnahmen zur Verbesserung der wohnungs- und sozialpolitischen Rahmenbedingungen und zur Wohnungsversorgung aller Wohnungslosen“. Vor allem „das Angebot an bezahlbarem Wohnraum ist unzureichend, der Sozialwohnungsbestand schrumpft ständig.“ Seit 1990 sei bundesweit der Bestand an Sozialwohnungen um rund 60% gesunken. Gab es 2016 noch ca. 1,2 Millionen Sozialwohnungen, fallen bis 2020 weitere 170.000 aus der Bindung. Zusätzlich haben etliche Kommunen, Bundesländer und der Bund wie in Dresden bezahlbare kommunale Wohnungsbestände an private Investoren verkauft.

In Dresden konnte nach Angaben der Stadt vorerst allen verbliebenen Bewohnern eine alternative Unterbringung zugewiesen werden. Susanne Cordts, die Leiterin des Sozialamtes, zeigte sich bestürzt und sagte den 37 in der Einrichtung wohnenden Menschen Hilfe und Unterstützung bei der Verarbeitung der nächtlichen Ereignisse zu. Zugleich kündigte Human-Care, die Betreibergesellschaft der Einrichtung, an, die durch den Brand betroffenen Wohnungen „schnellstmöglich wiederherzurichten“. Das in Bremen ansässige Unternehmen Human-Care betreibt nach eigenen Angaben aktuell in sechs Bundesländern Gemeinschaftsunterkünfte, in Sachsen sind sie an insgesamt 12 Standorten aktiv.

Dokumentation zum Thema: Wohnungslos – Wenn Familien kein Zuhause haben

Titelbild: flickr.com/photos/rasande/27647468707


Veröffentlicht am 24. Juli 2019 um 17:50 Uhr von Redaktion in Soziales

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